Dienstag, 04 Aug 2020
Es gibt in dem Museum auch Bilder des nationalsozialistischen Malers Wilhelm Emil "Elk" Eber
Es gibt in dem Museum auch Bilder des nationalsozialistischen Malers Wilhelm Emil "Elk" Eber Foto: Alois Schiesser / Gemeinfrei (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  474 Worte im Text  vor 57 Tagen

Was wird aus dem Karl-May-Museum in Radebeul bei Dresden? Seit dem plötzlichen Rücktritt seines Direktors Martin Wacker im Mai wird um den Kurs des Hauses gestritten. Zugleich geht es um mehr. Das meint Karl-May-Experte Andreas Brenne. "Es geht um einen Kulturkampf. Es geht um eine bestimmte Sicht auf Karl May und seine Geschichte. In diesem Konflikt wird auch die koloniale Vergangenheit verhandelt. Zu den Exponaten in dem Museum gehören Relikte aus der Kolonialzeit, deren Geschichte nie erforscht worden ist", bezieht Brenne im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) Position. Brenne ist Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Osnabrück und Mitglied der Karl-May-Gesellschaft. Brenne gehörte zu den Kuratoren der Ausstellung "Blutsbrüder. Der Mythos Karl May in Dioramen", die im Osnabrücker Museumsquartier gezeigt wurde.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz sieht die Grenzen der staatlichen Belastbarkeit erreicht.
Foto: 383961 / CC0 (via Pixabay)

Konjunkturprogramme für Kulturszene und Gastgewerbe

Brenne verweist auf den doppelten Kulturstreit, der gerade in Radebeul tobt. Dabei geht es nicht nur um das Museum und den Rücktritt seines Direktors, sondern auch um die Kontroverse um den Schriftsteller Jörg Bernig, dessen inzwischen annullierte Wahl zum Leiter des Kulturamtes einen Streit auslöste. Bernig wird als Publizist zur neuen Rechten gezählt. Gestriges Gedankengut beherrscht nach Brennes Meinung auch das Karl-May-Museum. "Es gibt in dem Museum auch Bilder des nationalsozialistischen Malers Wilhelm Emil "Elk" Eber, der gleichzeitig Mitglied des Münchener Cowboy-Clubs und ein von Adolf Hitler favorisierter Künstler war. Seine Bilder hängen dort. Restaurative Kräfte möchten das alte Bild des Fremden und des großartigen Europäers aufrechterhalten", wertet Brenne den Status quo in dem Haus.

Deutliche Kritik äußert Karl-May-Experte Brenne auch zur erneuten Berufung des vormaligen Museumsleiters René Wagner. "Wagner war inoffizieller Mitarbeiter (IM) und hat jahrelang im Auftrag der Staatssicherheit der DDR die Szene der indianistischen Hobbyisten rund um Dresden beobachtet. Diese Szene entwickelte sich im Kontext des Indianermuseums (so der offizielle Name des Karl-May-Museums in der DDR). Karl May war in der DDR nicht geschätzt, weil er als reaktionärer Imperialist galt. Die Hobbyisten-Szene orientierte sich an der Pionierzeit der USA, wurde deshalb in der DDR als nicht systemkonform argwöhnisch betrachtet und überwacht", beschreibt Brenne den Hintergrund.

Zugleich fordert der Universitätsprofessor eine Reform des Museums in Radebeul: "Das Museum hat aus meiner Sicht nur eine Perspektive, wenn es sich mit zeitgenössischen Themen beschäftigt, die Herkunft seiner Exponate erforscht und Karl May als kulturhistorische Figur ernst nimmt. Dazu gehören auch gern verschwiegene Themen wie die sublime Homosexualität Karl Mays. Genau das hat der vormalige Museumsleiter Wacker ja versucht", nimmt der Experte Partei für den zurückgetretenen Museumsdirektor und fügt an: "Manche Leute in der Stiftung sehen Karl May als Thema eines Disneylands des "wilden Ostens". Das Museum wird eher als Unterhaltungs- denn als Bildungsort verstanden. Das alte Haus ist aber stark renovierungsbedürftig. Auch viele der Figuren, die dort ausgestellt werden, müssten überarbeitet und erneuert werden. Zugleich nehmen die Besucherzahlen ab."

Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
#mehrMagazin
Die Reiselust scheint den Bundesbürgern trotz allem erstmal nicht grundlegend abhanden gekommen zu sein.
Foto: Michael Siebert

Die Reise geht ins nahe Woanders

Hurra, es kann wieder losgehen. Mallorca hat die ersten Fuhren deutscher Urlauber empfangen. Wir können allmählich zurück ans Meer, an warme Strände. Das beschränkt sich noch weitgehend auf Europa,...
Es wird höchste Zeit, dass die Streamingdienste rechtsextreme Musik aus ihrem Angebot nehmen.
Foto: Charles Deluvio

Rechtsextreme Musik bei Streamingdiensten

Musik-Streaminganbieter wie Spotify, Apple oder Amazon haben Bands im Angebot, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft. Das bestätigte die Behörde auf Anfrage der "Neuen Osnabrücker...
Varta sei offen für Partnerschaften auch mit Autoherstellern, die bislang ihre Batteriezellen ausschließlich von asiatischen Herstellern beziehen.
Foto: Spielvogel / CC0 (via Wikimedia Commons)

Varta will auch Batteriezellen für Elektroautos bauen

Die Varta AG aus dem schwäbischen Ellwangen, Weltmarktführer für Hörgeräte- und Kopfhörerbatterien, will künftig auch Elektroautos ausrüsten. "Für die nächste Generation der E-Mobilität sind...
Im Zweifel nie den konkreten Wortlaut veröffentlichen, sondern nur den Umstand der Anfrage und gegebenenfalls ein herausgehobenes Zitat.
Foto: Glenn Carstens-Peters

DJV warnt vor Veröffentlichung von Rechercheanfragen

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat davor gewarnt, dem Beispiel des Charité-Virologen Christian Drosten zu folgen und kritische Rechercheanfragen eigenständig zu veröffentlichen. Der...
Der Erfolg der App hängt davon ab, wie viele Menschen bereit sind, diese aktiv zu nutzen.
Foto: App Screenshot

Corona-Warn-App: Auf das Vertrauen kommt es an

Die Lage sei "dynamisch", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn zu Beginn der rasanten Corona-Ausbreitung in Deutschland in fast jedes Mikrophon, vor das er trat. Manchmal sagte er: "sehr, sehr...
Zugleich forderte die CSU-Politikerin mehr Tempo bei der App-Einführung und räumte Kommunikationsfehler der Regierung ein.
Foto: BMVI.de / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Digitalstaatsministerin weist Grünen-Forderung nach Datenschutzgesetz für Corona-App zurück

Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) hat die Forderung der Grünen nach einem Datenschutzgesetz für die geplante Corona-App als abwegig zurückgewiesen: "Wir haben in Europa und in Deutschland...
Valie Export schätzt in diesem Zusammenhang vor allem die #MeToo-Bewegung als verdienstvoll ein.
Foto: Manfred Werner / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Corona-Krise zeigt Benachteiligung der Frauen

Männer und Frauen sind noch immer nicht wirklich gleichberechtigt. Das moniert die österreichische Künstlerin Valie Export. "Die Frauen sind sicher inzwischen freier geworden, auch fordernder und...
Back To Top