Dienstag, 22 Sep 2020
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Eine Studie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht die Nachfrage nach kulturellen Angeboten in den Jahren 1995 bis 2013 - Menschen sind in Städten nicht kulturaffiner als auf dem Land, in Städten leben aber mehr kulturaffine Menschen.

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Theater, Museen, Opern, Kinos, Popkonzerte oder Discotheken: Einrichtungen der Hoch- und Populärkultur erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Besuchten im Jahr 1995 nur rund die Hälfte aller Erwachsenen hochkulturelle Angebote, waren es im Jahr 2013 bereits 58 Prozent. Ähnlich entwickelte sich die Nachfrage nach populärkulturellen Angeboten wie Jazz- und Pop-Konzerten oder Musik- und Filmfestivals. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor, für die Jürgen Schupp und Maximilian Priem Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet haben. "Besonders in den großen Städten besuchen relativ viele Menschen kulturelle Veranstaltungen", sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp. Die Analyse der Nutzung kultureller Angebote zeigt allerdings auch: Rechnet man statistisch den strukturellen Einfluss der Bildung und des Einkommens der Menschen oder die Steuereinnahmen und Kulturausgaben einer Region auf die Kulturnachfrage heraus, unterscheidet sich diese kaum zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten.

Privathaushalte haben ihre Ausgaben für Kultur deutlich erhöht

Private Haushalte in Deutschland haben - so zeigt die laufende Wirtschaftsrechnung - im Jahr 2011 durchschnittlich jeweils 144 Euro für Kulturveranstaltungen ausgegeben, also in der Summe 5,7 Milliarden Euro - rund ein Viertel mehr als im Jahr 2003. Die staatlichen Kulturausgaben lagen im Jahr 2009 - dem jüngsten Jahr, für das entsprechende Daten vorliegen - bei insgesamt 9,1 Milliarden Euro. Das waren zwar 1,6 Milliarden Euro oder 22 Prozent mehr als noch im Jahr 1995, allerdings hat sich das allgemeine Preisniveau im selben Zeitraum um 23 Prozent erhöht. Insgesamt betrachtet heißt das: Obwohl die staatlichen Ausgaben für Kultur real stagnieren, nutzen immer mehr Menschen entsprechende Angebote.

Frauen besuchen der DIW-Studie zufolge häufiger hochkulturelle Veranstaltungen als Männer. Je älter ein Mensch ist (bis zum 75. Lebensjahr) und je höher sein Bildungsabschluss, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Opern, Theater und Museen besucht. Arbeitslose nehmen seltener Kulturangebote wahr als Erwerbstätige und Einwohner ländlicher Gebiete seltener als die städtische Bevölkerung. Berücksichtigt man allerdings, dass in ländlichen Regionen weniger kulturelle Veranstaltungen stattfinden, die Steuereinnahmen geringer sind und die durchschnittlichen Einkommen kleiner, unterscheidet sich die Kulturnachfrage nicht mehr gegenüber den Städten.

"Berlin-Effekt" wird kleiner

Das bedeutet: Menschen, die in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt leben, sind nicht grundsätzlich kulturaffiner als in ländlichen Regionen wohnende Menschen. Zudem nähern sich die Anteile der Erwachsenen, die kulturelle Veranstaltungen besuchen, für Deutschland und Berlin seit geraumer Zeit an: Nutzten im Jahr 1998 noch zehn Prozent mehr Berlinerinnen und Berliner als der Bundesdurchschnitt Kulturangebote, hat sich dieser Abstand bis 2013 halbiert. 64 Prozent der Erwachsenen in Berlin besuchten 2013 kulturelle Veranstaltungen - 1998 waren es noch 73 Prozent. Eine mögliche Erklärung: Zwar sind die öffentlichen Ausgaben für Kultur (176 Euro je Einwohner) in Berlin noch immer höher als in anderen Bundesländern. Aber die Hauptstadt hat ihre Kulturausgaben allein bis zum Jahr 2009 um zwölf Prozent gekürzt.

Stichwort SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.



Quelle: DIW Berlin


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