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Zum Jahreswechsel

Foto: Couleur / CC0 (via Pixabay)

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Zum Jahreswechsel

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Was ist das nur für eine verrückte Zeit, in der wir leben? Auch am Silvesterabend wird uns das exemplarisch wieder vor Augen geführt. Wir wollen den Hunger bekämpfen, aber gleichzeitig werden allein in Deutschland etwa 130 Millionen Euro für Feuerwerkskörper verballert. Wir wollen sorgsam mit der Umwelt umgehen, aber dennoch werden zum Jahreswechsel rund 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge.

Weihnachten war das skurrile Verhalten nicht anders. Die Menschen sehnen sich nach Besinnlichkeit, verfallen aber gleichzeitig in einen Konsum-, Kauf- und später Umtauschrausch, als wenn es kein Morgen gäbe. Stress, Hektik und Streit kommen manchmal noch dazu - was hat das eigentlich noch mit Weihnachten zu tun?

Jeder kann leben, wie er möchte. Aber dennoch: Immer mehr ist eine Mentalität wahrzunehmen, die stark an das Sprichwort "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" erinnert. Der Mensch, das Gemeinsame und auch das Gespräch geraten in den Hintergrund. Daran tragen unsere Hochleistungsgesellschaft und das Internet zwar nicht die alleinige Schuld. Aber die "sozialen Medien" befeuern den Prozess der Oberflächlichkeiten, des unechten Miteinanders und des Werteverlustes in einer Weise, die nicht gut sein kann. Empathie und Menschlichkeit, Respekt und Wertschätzung dürfen nicht an Bedeutung verlieren, nicht im Internet, nicht im persönlichen Miteinander.

Das Jahr 2019 war geprägt von Geschehnissen und Entscheidungen, die nur schwer zu verstehen sind. Und die uns mahnen sollten. Allen voran hat der antisemitisch und rechtsextremistisch motivierte Anschlag in Halle am 9. Oktober für Bestürzung gesorgt. Der Doppelmord und der Versuch des Täters, in einer Synagoge ein Blutbad anzurichten, ist noch immer nicht zu begreifen.

Aber so sehr wir uns solidarisch mit den Juden in Deutschland erklären, so sehr Politiker ihre Abscheu über diese entsetzliche Tat zum Ausdruck bringen, so sehr hat der 9. Oktober 2019 uns vor Augen geführt, dass Antisemitismus in Deutschland noch immer ein altbekanntes, grausames Phänomen zu sein scheint. Niemand hat das Gotteshaus am jüdischen Gedenktag Jom Kippur geschützt. Niemand. Nur eine einfache Holztür. Sie konnte das Massaker verhindern - das muss die Lehre dieser Tat für immer und ewig sein! Daran sollte uns die Tür, dieses Mahnmal, stets erinnern.

Nicht alles war schlecht im Jahr 2019, aber vieles darf gerne besser werden. Es sind die Fragen des Lebens, die uns beschäftigen. Auf die es Antworten geben muss. Finden wir das richtige Maß bei der Klimarettung? Akzeptieren wir, dass die Globalisierung etwas mit uns zu tun hat, oder schotten wir uns lieber ab? Erschaffen wir eine in der Sache weiterführende Streitkultur ohne Hass und Hetze? Können wir ein neues Demokratieverständnis entwickeln, in dem jeder seine Meinung sagen darf, in dem es aber auch rote Linien gibt, die nicht überschritten werden dürfen?

Das sind nur einige der Themen, die uns angehen. Über die wir auch im Jahr 2020 und darüber hinaus diskutieren müssen. Zu denen wir die besten Argumente brauchen. Hier sind die klügsten Köpfe unserer Republik gefragt, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Und hier sind alle Menschen gefragt, diesen Prozess aktiv und positiv mitzugestalten.

Das Vertrauen der Menschen in die Qualität der Regierungsarbeit und die Stabilität des politischen Systems ist signifikant gesunken. Das haben die Wahlen im Osten gezeigt. Das zeigen die schlechten Umfragewerte der großen Koalition. Aber wird automatisch alles besser, wenn Deutschland eine neue Regierung bekommt?

Wir sollten nicht alles schlechtreden. Es gibt so viel Gutes. Wir sollten wieder mehr lernen, Vertrauen zu entwickeln. In die Politik, in die Gesellschaft, in den Rechtsstaat, in die Menschen. Fangen wir doch gleich heute damit an. Die Gelegenheit zum Jahreswechsel bietet sich dazu prächtig an. Guten Rutsch und ein schönes neues Jahr 2020!



Quelle: ots/Westfalen-Blatt
601 Wörter im Bericht.

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