Donnerstag, 24 Sep 2020
Dirk Schmitt ist heute der Vertreter der Wohnungsgesellschaft und erklärt, wie das Geschäft der Plattenbau-Einkäufer funktioniert hat.
Dirk Schmitt ist heute der Vertreter der Wohnungsgesellschaft und erklärt, wie das Geschäft der Plattenbau-Einkäufer funktioniert hat. Foto: NDR/MDR/Hoferichter & Jacobs
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Tausende Betriebe, hunderttausende Wohnungen, Schlösser und Burgen, Seen und Küsten, Millionen Hektar Wald und Land - all das hatte der Staat DDR einst als Volkseigentum deklariert. Mit dem Mauerfall kommt die schwierige Frage: Was gehört im Osten eigentlich wem? Und wem soll was in Zukunft gehören?

Etwa jedes fünfte Kind in unserem Land ist von Armut bedroht.
Foto: marcisim / CC0 (via Pixabay)

Die Ärmsten trifft es am härtesten

Ein ganzes Land stand damals 1990 zum Verkauf. Goldgräberstimmung herrscht und Investoren aus aller Welt wittern das große Geschäft. Es beginnt die Zeit riesiger, teilweise spektakulärer Deals, die bis heute das Gesicht Ostdeutschlands deutlich prägen.

Weil es nach der Wende im Osten überall an Kapital fehlt, kommt das Geld für Investitionen hauptsächlich aus dem Westen. Anno August Jagdfeld ist einer der Großinvestoren der ersten Stunde. An das Ostseebad Heiligendamm hat der umstrittene Investor sein Herz verloren - und sich die Zähne ausgebissen. Das Grand Hotel musste er nach einer Insolvenz verkaufen und Villen an der Strandpromenade sind bis heute nicht saniert. Trotzdem gehören bis heute 90Prozent der weißen Stadt am Meer der Familie Jagdfeld. Viele West-Investoren verschätzen sich beim Osten, finanziell und psychologisch.

Ein großer Deal, an dem vor allem die Ostdeutschen beteiligt waren, ist die Privatisierung der Landflächen. 2 Millionen Hektar Wald, tausende Herrenhäuser, Volkseigene Güter und vor allem 2 Millionen Hektar Ackerland stehen nach der deutschen Einheit im Angebot. Gewonnen haben hier oft die, die schon in der DDR das Meiste hatten, die Nachfolger der ehemaligen LPGs aus DDR-Zeiten, die heute gewaltige Flächen bewirtschaften. Und genau das zieht neue Investoren an, wie die Hamburger "Agroenergy". Der Investor kaufte 4200 Hektar ostdeutsches Ackerland - eigentlich zur Erzeugung von Bioenergie. Was sich bei diesen Käufen am Ende als noch wertvoller erwies war der Boden. Denn die Preise für Ackerflächen steigen seit Jahren rasant.

Seit den 2000er Jahren interessieren sich ausländische Investoren auch wieder für ostdeutsche Innenstädte, denn im Osten geht es langsam aufwärts - und die Bankenkrise seit 2008 macht Investitionen in Stadtwohnungen noch interessanter. Auch Holger Krimmling und Jörg Zochert mischen mit. Sie kommen aus Leipzig und gehören als Ostdeutsche jetzt selbst zu den Großinvestoren. Eines ihrer aktuellen Projekte ist die Sanierung eines alten Leipziger Industriebaus.

Das Ausmaß dieses gigantischen Umverteilungstransfers, in dem mehr als die Hälfte der Fläche Ostdeutschlands neu verteilt wurde, wird in all seinen Dimensionen erst heute für Politik, Gesellschaft und Bürger langsam fassbar.

Unsere Geschichte - Wem gehört der Osten? | Die Deals der Einheit. Die 45 minütige Sendung ist zu sehen am Sonntag, 25. September 2016 um 11.30 Uhr im NDR Fernsehen.



Quelle: NDR


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