Skip to main content
Diktator-Blutbild

In der Wirklichkeit der Kommunikation hat Putin diesen Krieg verloren

Der führende Kommunikationsforscher Bernhard Pörksen hält eine Rehabilitierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin für ausgeschlossen.

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Medien.
Seine hohen Zustimmungswerte in Russland sichere sich Putin durch eine "sektiererisch-totalitäre Kommunikation", sagte der Wissenschaftler und Autor. "Das Ziel ist die Auslöschung von Individualität, die Formung eines Kollektivs, das gehorcht, anbetet und glaubt."
Seine hohen Zustimmungswerte in Russland sichere sich Putin durch eine "sektiererisch-totalitäre Kommunikation", sagte der Wissenschaftler und Autor. "Das Ziel ist die Auslöschung von Individualität, die Formung eines Kollektivs, das gehorcht, anbetet und glaubt."
Foto: Markus Spiske

Der führende Kommunikationsforscher Bernhard Pörksen hält eine Rehabilitierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin für ausgeschlossen.

Zwar könne Putin den Krieg gegen die Ukraine militärisch gewinnen. "Aber in der zweiten Wirklichkeit der Kommunikation hat Putin diesen Krieg verloren und eine Besinnung auf die universalen Werte der Aufklärung und der Menschenrechte im Westen ausgelöst", sagte der Professor der Universität Tübingen im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Das Blutbild des gescheiterten, verlogenen, unberechenbaren Diktators wird an ihm kleben bleiben."

Seine hohen Zustimmungswerte in Russland sichere sich Putin durch eine "sektiererisch-totalitäre Kommunikation", sagte der Wissenschaftler und Autor. "Das Ziel ist die Auslöschung von Individualität, die Formung eines Kollektivs, das gehorcht, anbetet und glaubt."

Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei es hingegen gelungen, mit seinen Videos und Botschaften über Zeit- und Raumgrenzen hinweg "einen Schwarm, ein Konnektiv" zu erschaffen, das durch das Teilen von Informationen entstehe, sagte Pörksen der "NOZ". "Im Netz gilt also: Diktator gegen Schwarm."

Allerdings zeige die Kriegsrealität auch eine kommunikative Ohnmacht. "Letztlich siegt die militärische über die mediale Macht", so der Wissenschaftler. "Niemand sollte deshalb - wie in der Digital-Euphorie längst vergangener Jahrzehnte - über die demokratisierende Kraft digitaler Technologie und die berauschende Intelligenz der Schwärme jubeln."

Das Scheitern der Kommunikation sieht Pörksen mit großer Sorge auch für die westlichen Gesellschaften. "Gefährlich wäre eine mentale Militarisierung. Gefährlich wäre aber auch - man denke nur an den moralisch verwahrlosten Putin-Kitsch der extremen Linken und der Rechten - die aktuelle Bedrohung der offenen Gesellschaft zu übersehen." Es komme auf einen schwierigen Balanceakt an: "Wehrhafter zu werden, auch in der Bekämpfung von Desinformation, aber den Aufklärungsmut und den Verständigungswillen am Leben zu erhalten."

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung