Foto: Unsplash / pixabay (CC)
 2-3 Minuten Lesezeit  434 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Hannover (ots) - Nach Recherchen des Computermagazins c't könnte die Flirt-Plattform Lovoo ihren Nutzern mit unlauteren Tricks viel Geld aus der Tasche gezogen haben. Wie c't in seiner aktuellen Ausgabe 21/15 schreibt, nähren die vorliegende Unterlagen den Verdacht, dass Lovoo in erheblichem Umfang virtuelle Nutzerinnen ("Fake-Profile") angelegt hat, die automatisiert andere Profile zu Interaktionen auf der Plattform verleitet haben - auch zu kostenpflichtigen.

Die Tests sollten in absehbarer Zeit nicht mehr aus Steuermitteln bezahlt werden.
Foto: Mika Baumeister

Scholz: Corona-Tests "ab Herbst" kostenpflichtig

Lovoo hat zurzeit nach eigenen Angaben mehr als 36 Millionen Kunden in 17 Ländern. Die Apps selbst sind kostenlos; Geld verdient das Dresdener Unternehmen mit Einnahmen aus dem Verkauf von In App-Credits und VIP-Abos, die man etwa zum Aufdecken fremder Profile oder für Chat-Funktionen benötigt.

Ein anonymer Whistleblower hatte c't unaufgefordert Dateien zugespielt, die nach seiner Darstellung E-Mails der Lovoo-Führungsriege enthalten. Auf Nachfrage ließ Lovoo einen Anwalt darauf hinweisen, dass die Dokumente gefälscht sein könnten; die Authentizität der brisanten Unterlagen ist daher nicht bis ins Allerletzte geklärt. Johannes Endres, Chefredakteur von c't, sagt:

"Bei den uns vorliegenden Dateien handelt sich jedoch um mehrere Kopien von Mail-Postfächern sowie Screenshots und Quellcode - insgesamt mehr als 50 GByte. Selbst in diesem Umfang lassen sich Dateien manipulieren, wir haben bislang keinerlei Hinweise auf eine Manipulation entdeckt."

Den E-Mails zufolge arbeitet Lovoo bereits seit ungefähr zwei Jahren mit derartigen Profilen. Die weiblichen Fake-Profile hat Lovoo demnach dazu eingesetzt, mit echten Nutzern in Kontakt zu treten und sie zu kostenpflichtigen Aktionen zu verleiten. Allein die vergeblichen Versuche von angelockten Nutzern, Fake-Profile per sogenanntem "Top-Chat" zu erreichen, sollen Lovoo zeitweise ungefähr 5000 Euro täglich in die Kasse gespült haben, was aufs Jahr gerechnet einen Schaden von mehr als einer Million Euro bedeuten würde.

Nach Abschluss der Recherche konfrontierte c't die Unternehmensführung schließlich mit konkreten Fragen zu den Beobachtungen und Dokumenten. c't hat Lovoo auch auszugsweise belastendes Material vorgelegt und nach dessen Echtheit gefragt.

Trotz angemessener Frist nahm Lovoo nicht konkret zu den Fragen und Auszügen aus den Dokumenten Stellung. Stattdessen teilte ein vom Unternehmen beauftragter Rechtsanwalt pauschal mit, dass Lovoo aus den Fragen den Inhalt der Berichterstattung ableiten könne, die aber falsch sei und jeder Grundlage entbehre bzw. Informationen in einen falschen Kontext stelle.

Dennoch begann Lovoo kurz nach der Anfrage offensichtlich, Profile in erheblichem Umfang von der Plattform zu entfernen. Die meisten der Profile, die für Testpersonen von c't gevotet hatten, tauchten ab dem 12. September plötzlich nur noch als "Gelöschter Nutzer" auf. Sofort gab es auch entsprechende Beschwerden in den App-Bewertungen.

Mittlerweile sind die "Gelöschten Nutzer" komplett entfernt, dadurch haben die c't-Testaccounts jeweils mehr als die Hälfte ihres Lovoo-Bekanntenkreises verloren.



Quelle: c't


#mehrMagazin
Der Star-Pianist wollte eigentlich Feuerwehrmann werden - Abschied von Twitter und Engagement im Wahlkampf geplant
Foto: Hubert Burda Media / CC BY-NC-SA 2.0 (via Flickr)

Igor Levit: Jüdische Identität wurde mir erst in Deutschland bewusst

Igor Levit (34) hat sich erst als Erwachsener in Deutschland mit seiner jüdischen Herkunft befasst. "Als Kind, als Jugendlicher und als ganz, ganz früher Erwachsener war ich mir keiner jüdischen...
Die Natur schert sich einen Dreck um jahrzehntelange Planungs- und Entscheidungsprozesse.
Foto: Matt Palmer

Alarmschrei der Wissenschaft

Der Bericht des Weltklimarates ist ein Alarmschrei! Die Wissenschaftlern haben letzte Zweifel daran ausgeräumt, dass der globale Temperaturanstieg durch menschliches Handeln und das Verbrennen von...
Im Gespräch mit Wolfgang Bosbach und Christian Rach kritisierte Kunze die fehlende Lobby für Kunst und Kultur.
Foto: Ghostwriter123 / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Heinz Rudolf Kunze attackiert Nena

Der Sänger und Songschreiber Heinz Rudolf Kunze hat seine Musikerkollegin Nena dafür kritisiert, kürzlich bei einem Konzert in Berlin das Hygienekonzept des Veranstalters bewusst missachtet zu...
Nach den Worten von Juli Zeh geht es jetzt darum, Freiheit und Sicherheit in einer offenen Gesellschaft wieder neu ins Gleichgewicht zu bringen.
Foto: Sven Mandel / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Wir müssen die Freiheit schützen, in Fragen der Pandemie in der Minderheit zu sein

Schriftstellerin Juli Zeh wirbt für Toleranz im Umgang mit unterschiedlichen Haltungen zur Corona-Politik der Bundesregierung. "In der Diskussion um die richtigen Maßnahmen gegen die Pandemie führt...
Zu seinem aktuellen Werk "Doch das Böse gibt es nicht" erklärte er: "In diesem Fall habe ich etwas anderes gemacht und den Film in Episoden unterteilt, weil man im Iran für Kurzfilme viel leichter Drehgenehmigungen bekommt.
Foto: Ipadakam / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Berlinale-Sieger Rasoulof hat die iranische Zensur mit Bluffs ausgetrickst

Berlinale-Sieger Mohammad Rasoulof greift im Ringen mit der Zensur seiner Heimat Iran zu Tricks. "Natürlich helfen die technischen Möglichkeiten, die Zensur zu umgehen, man kann zum Beispiel mit...
Auf die Ära der Kanzlerin Merkel schaut der ehemalige Thomaner-Chorsänger mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Foto: JCS / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Ich weine manchmal, wenn ich die SPD betrachte

"Die Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel hadert derzeit etwas mit der SPD. "Ich bin ein alter sozialdemokratisch sozialisierter Mensch. Deswegen weine und verzweifle ich manchmal, wenn ich die SPD...
Es sei dies der letzte Wahlkampf, den er für die CDU bestreiten werde. "Meine Verpflichtungen werde ich selbstverständlich einhalten, aber das war's dann!"
Foto: Sven Teschke / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Wolfgang Bosbach will keinen Wahlkampf mehr für die CDU machen - "Das war's dann" - Reaktion auf Kritik an Auftritt mit Hans-Georg Maaßen

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach beendet die Unterstützung für Wahlkämpfe seiner Partei. Er reagiert damit auf die Kritik an einem Auftritt mit dem ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten...
Back To Top