Freitag, 14 Aug 2020
Foto: mohamed hassan / CC0 (via pxhere)
 1-2 Minuten Lesezeit  253 Worte im Text  vor 198 Tagen

Es ist schon erstaunlich, wenn die USA nun nach mehr als einem Jahr Debatte endlich angebliche Beweise dafür auf den Tisch legen, dass Huawei mit dem chinesischen Geheimdienst zusammenarbeitet. Trotzdem sollte die Debatte ernstgenommen werden: Huawei steht ohne Zweifel dem chinesischen Staat und der kommunistischen Partei nahe. Dies bedeutet zwar nicht, dass das chinesische Unternehmen aktuell in Deutschland und Europa Wirtschaftsspionage betreibt. Doch ein Restrisiko bleibt.

Helmut Kohl
Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F082413-0020 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0

Was notwendig und richtig wäre

Hinzu kommt die Gefahr, dass das autoritäre China den Zugriff auf die hiesigen 5G-Netze irgendwann nutzen könnte, um bei einem Konflikt die demokratischen Länder zu erpressen. Niemand kann ausschließen, dass aus Fernost gelieferte 5G-Netze im Fall des Falles aus Peking ausgeschaltet werden. Das ganze Land würde stillstehen, auch Fabriken, Krankenhäuser, autonom fahrende Autos.

Angesichts dieses Risikos scheint das Vorgehen der Briten sinnvoll: Huawei darf zwar Funkstationen für 5G liefern. Doch für den Aufbau des Kernnetzes werden nur andere Lieferanten zugelassen. Auch Vodafone und Telefónica in Deutschland planen in eine solche Richtung. Das wäre ein Kompromiss, um nicht zu abhängig von Huawei zu werden und trotzdem von schnellen, zuverlässigen Lieferungen zu profitieren. Gleichzeitig sollte die EU den Aufbau von Fabriken für Hightech-Komponenten in Europa gezielt fördern. Denn solange Ericsson aus Schweden und die finnische Nokia ihre Netztechnik in China fertigen lassen, kann sowieso niemand ausschließen, dass dort geheime Zugänge eingebaut werden.

Digitale Autonomie lautet das Stichwort. Europa darf in der digitalen Welt nicht nur das Anhängsel Chinas und der USA sein. Dafür brauchen wir ein Investitionsprogramm in Höhe vieler Milliarden Euro.



Quelle: ots/Rheinische Post
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