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Geht es nach den aktuellen Umfragen, wird Robert Habeck Kanzler

Robert HabeckFoto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Politik
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Geht es nach den aktuellen Umfragen, wird Robert Habeck Kanzler

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Wäre nächsten Sonntag Bundestagswahl, dann, das berichten die Meinungsforschungsinstitute, würde ein Viertel der Befragten sich für Bündnis 90/Die Grünen entscheiden. Deren Chef Robert Habeck ist in den Umfragen beliebter als Angela Merkel und wird als nächster Kanzler gehandelt.

Ein Grund, die nachhaltig produzierten Sektkorken knallen zu lassen, ist das aber noch nicht. Denn politische Umfragen sind als Prognose tatsächlicher Wahlergebnisse aus gleich mehreren Gründen überbewertet. Wie das mahnende Beispiel Martin Schulz zeigt, ist der Wählerwille wankelmütig. Ein neuer Kanzler wird im Normalfall alle vier Jahre gewählt, die Sonntagsfrage hingegen wöchentlich gestellt. Letztere lädt dazu ein, das aktuelle Tagesgeschehen zu kommentieren. Schließlich krankt die Fragestellung an ihrer Hypothetik: Jedem ist bewusst, dass nächste Woche nicht tatsächlich Bundestagswahl ist.

Im Gegensatz dazu ist das Kreuzchen in der Wahlkabine ein Resümee der vergangenen und, im Idealfall darauf aufbauend, die Kombination aller politischen Hoffnungen und Forderungen für die kommende Legislaturperiode. Die unbedachte Aussage eines Abgeordneten, der gefeierte Talkshow-Auftritt einer Ministerin können sich in den aktuellen Umfragewerten widerspiegeln - und am Wahltag längst vergessen sein. Als tendenzanzeigender Meinungsmonitor sind Umfragen daher durchaus aufschlussreich, für die Vorhersage von Ergebnissen jedoch höchstens mit schwindendem Abstand zum tatsächlichen Wahltag einigermaßen zuverlässig.

Tatsächliche Hochrechnungen erlauben höchstens sogenannte "Exit Polls", bei denen Menschen beim Verlassen des Wahllokals gebeten werden, ihre tatsächliche Wahl zu Umfragezwecken noch einmal zu wiederholen. Das zweite Problem: Wahlumfragen suggerieren eine Sicherheit, die methodisch nicht begründbar ist. Zwar weisen alle seriösen Institute die Rahmendaten der Umfragenerhebung, etwa die exakte Fragestellung, die Teilnehmerzahl und die Art der Datenerhebung, bei der Veröffentlichung mit aus und man sollte annehmen, dass es in Zeiten von Mobiltelefonen und Internet einfach ist, eine große Anzahl an Bürgern zu befragen. Tatsächlich wird es jedoch immer schwieriger, eine Stichprobe zu rekrutieren, die die tatsächliche Bevölkerungsstruktur repräsentiert.

Um eine gleichmäßige regionale Verteilung der Antworten zu gewährleisten, verlassen sich die Empiriker für ihre Befragungen gerne auf Telefoninterviews über den Festnetzanschluss. Je nach Anrufzeitraum erreichen sie damit jedoch vor allem diejenigen Mitglieder eines Haushalts, die tagsüber per Festnetz zu erreichen sind. Auch jüngere Menschen, die oft nur noch einen Handyanschluss besitzen, bleiben außen vor. Online-Fragebögen schließen wiederum weniger computeraffine Wähler oder Analphabeten von der Umfrage aus. Allgemein verleitet die Umfragesituation, da weniger anonym als die eigentliche Wahl, zu sozial erwünschten Antworten. Wer etwa umstrittene Optionen wie die AfD bevorzugt oder eigentlich gar nicht vor hat zu wählen, gibt das am Telefon eventuell nur ungern zu. Dass die Erhebungen "exakte" Prozentzahlen liefern, ist angesichts dieser Schwierigkeiten problematisch.

Eine kleine prozentuale Abweichung mag in der Umfrage unerheblich wirken, kann in der Politik jedoch große Veränderungen bedeuten, etwa, wenn eine Partei wider Erwarten die Fünfprozenthürde verfehlt. Methodologisch ehrlicher wäre es vielleicht, wenn die Umfragen stattdessen ein Intervall darstellten, in welches das Ergebnis der entsprechenden Partei vermutlich fallen dürfte. Auch wenn Umfragen vor der Wahl also oft als Tatsachen präsentiert werden: Wir als Wähler sollten uns von Sonntagsfrage und Co. in unserer Wahlentscheidung nicht verrückt machen lassen. Wichtiger als vage Voraussagen bleibt für die richtige Entscheidung auch weiterhin eine aktive Auseinandersetzung mit den Parteien und ihren Programmen.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
511 Wörter im Bericht.

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