Lesezeit: 2 Min

Parteienforscher sehen Grüne mit Kanzlerchancen

Annalena Baerbock und Robert HabeckFoto: Dominik Butzmann / BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Politik
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Parteienforscher sehen Grüne mit Kanzlerchancen

.

Parteienforscher sehen die Grünen nach den Erfolgen bei den Wahlen in Europa und Bremen mit Chancen auf die Kanzlerschaft. "Sie haben den zweiten Platz nicht nur im Blick, sie sind bereits die zweite Kraft im Land und damit werden sie ernsthaft um die Kanzlerschaft kämpfen", sagte Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler von den "Blättern für deutsche und internationale Politik", der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Politologe Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin sagte: "Bei Neuwahlen wäre die Ökopartei die einzige, die profitieren würde - dann müsste man ernsthaft über einen potenziellen grünen Kanzler oder eine Kanzlerin nachdenken."

Von Lucke hält einen Bruch der Großen Koalition und damit Neuwahlen im Herbst für möglich: "Spätestens nach den absehbar desaströsen Ergebnissen bei den Wahlen im Osten kann der Druck so groß werden, dass die SPD die Groko verlassen muss, weil die Basis sonst rebelliert", sagte der Wissenschaftler und Redakteur. Die SPD sei "personell und inhaltlich so ausgehöhlt, dass sie eine langjährige Aufbauphase ohne Regierungsbeteiligung braucht". Mit einem sofortigen Platzen von Schwarz-Rot rechnet er nicht. "Union und SPD klammern sich momentan wie zwei Ertrinkende aneinander", sagte er.

Niedermayer warnte Union und SPD vor einem Groko-Aus: "Ein Wahlkampf würde die Spaltung im Land noch vergrößern und die Bundesrepublik politisch lähmen - und das in einer Zeit enormer internationaler Herausforderungen, in der Berlin unbedingt handlungsfähig sein muss", sagte der Politikwissenschaftler. Überdies sei "in beiden Parteien niemand zu erkennen, der das Ruder übernehmen und den Vertrauensverlust wettmachen könnte."

Andrea Nahles kann sich laut Lucke vorerst an der Spitze der SPD und ihrer Bundestagsfraktion halten, weil sie keine ernsthafte Konkurrenz habe. "Andrea Nahles wäre längst Geschichte, wenn es jemanden gäbe, der die Partei führen könnte und wollte", sagte er der NOZ. Allerdings seien "die Verwerfungen in der SPD so groß und der Unwille an der Großen Koalition so maximal, dass es gut möglich ist, dass die SPD-Führungsriege die Wahlen im Osten nicht mehr übersteht", fügte er hinzu.



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
323 Wörter im Bericht.

Politik (Top 10/365)

  • Respekt-Rente: Teuer, nicht treffsicher, ungerecht
    Montag, 04. Februar 2019

    Mit seiner „Respekt-Rente“ plant Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, niedrige Rentenansprüche großzügig aufzustocken. Allerdings soll nicht geprüft werden, wer überhaupt bedürftig ist – das dürfte...

  • Mehr Geld für alle
    Freitag, 21. Dezember 2018

    Alles neu macht 2019: Zum Jahreswechsel gleicht die Große Koalition die kalte Progression aus, senkt den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und hebt den Beitrag zur Pflegeversicherung an....

  • Poggenburg-Rückzug "Erschütterung" für "rechtsradikale Formation um Höcke"
    Freitag, 11. Januar 2019

    Der Parteien- und Extremismus-Forscher Hans-Joachim Funke sieht die AfD durch den Rückzug von André Poggenburg geschwächt. Poggenburg habe mehrere Jahre mit Björn Höcke und Andreas Kalbitz "in der...

  • Keine Regulierung von Amazon, Google & Co. um jeden Preis
    Donnerstag, 29. November 2018

    Digitale Plattformen wie Facebook, Airbnb und Amazon haben eine große Marktmacht und bieten ihren Nutzern kaum Transparenz. Heute berät der Rat der Europäischen Union, ob und in welchem Ausmaß die...

  • "Starke-Familien-Gesetz": Schwache SPD
    Mittwoch, 09. Januar 2019

    In dieser Legislaturperiode ist die SPD besonders bemüht, ihren Gesetzesvorhaben Namen zu geben, mit denen die Menschen etwas Positives verbinden. Nach dem »Familienentlastungsgesetz« und dem...

  • Seehofer verstärkt die Probleme
    Freitag, 07. September 2018

    Das Talent zum pointierten Formulieren ist grundsätzlich ein Segen. Doch wird die Botschaft zu schlicht, entfaltet sie böse Wirkung. Politprofi Horst Seehofer weiß das. Doch "ups" - nun hat er es...

  • Linken-Innenexpertin unterstellt Seehofer Verschleierung im Fall Ben Ammar
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Die Linken-Innenexpertin Martina Renner wirft Innenminister Horst Seehofer im Fall des nach Tunesien abgeschobenen mutmaßlichen Anis Amri Komplizen Bilel Ben Ammar Verschleierung vor. "Es scheint...

  • Stegner hält Verfassungsschutzpräsident Maaßen für nicht mehr tragbar
    Freitag, 07. September 2018

    SPD-Parteivize Ralf Stegner hält Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen nach dessen jüngsten Äußerungen für nicht mehr tragbar. Maaßen hatte die Echtheit eines Videos bezweifelt, das die...

  • Organspende: Ein Ringen um die gefühlte Freiheit
    Mittwoch, 05. September 2018

    Gesundheitsminister Jens Spahn möchte gerne jeden zum Organspender machen – wer dagegen ist, muss aktiv widersprechen. Der Vorschlag hat viel Kritik ausgelöst, die Gegner fühlen sich in ihrer...

  • Respekt-Rente: 3,2 Millionen Rentner und Rentnerinnen gehen leer aus
    Donnerstag, 14. Februar 2019

    Rund 2,8 Millionen Menschen würden von der SPD-Respekt-Rente profitieren. Allerdings würden 3,2 Millionen Menschen keine Aufstockung erhalten, auch wenn sie zeitlebens unterdurchschnittlich verdient haben –...