Foto: Wikipedia CC
 2-3 Minuten Lesezeit  474 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Der operative Führer der verbotenen Arbeiterbewegung PKK, Cemil Bayik, hat sich beim deutschen Volk für die Autobahn-Blockaden und Selbstverbrennungen durch Unterstützer seiner Organisation in den 1990er Jahren entschuldigt. Seine Partei habe sich seither gewandelt und mit der alten PKK nur noch wenig zu tun.

Nie zuvor gab es so wenig Führung aus dem Weißen Haus. In diese Lücke stößt Joe Biden.
Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Der Schattenpräsident

Das sagte Bayik in einem Interview gegenüber einem Rechercheteam von WDR und NDR. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rolf Mützenich erwägt nun angesichts dieser neuen Tonlage eine Neubewertung der Bewegung in Deutschland - auch in Hinblick auf deren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

"Ich möchte mich im Namen der PKK beim deutschen Volk entschuldigen. So etwas wird nie wieder passieren." Das sagte der operative Führer der in Deutschland verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Cemil Bayik, in einem Interview gegenüber WDR und NDR. Seine Organisation strebe in den langjährigen Auseinandersetzungen mit der Türkei inzwischen keinen eigenen Staat mehr, sondern eine politische Lösung an. "Wir möchten nicht mehr gegen die Türkei kämpfen. Wir sagen: es reicht mit dem Kämpfen. Weder wir noch der türkische Staat haben durch den Krieg unsere Ziele erreicht", fügte Bayik hinzu. Das Interview fand unter konspirativen Umständen im nordirakischen Kandilgebirge statt. Dort kontrolliert die PKK ein Gebiet von rund 50 Quadratkilometern.

Die militärischen Ressourcen der PKK-Guerilla werden zurzeit vor allem im Kampf gegen den selbsternannten Islamischen Staat in Syrien und dem Irak eingesetzt. So befindet sich die PKK derzeit zum Beispiel in einem erbitterten Häuserkampf in der Stadt Sindschar. Das Gebiet Sindschar erlangte im August des vergangenen Jahres traurige Berühmtheit. Damals hatte der Islamische Staat hier hunderte Menschen der Glaubensgemeinschaft der Jesiden getötet und entführt. Tausende mussten vor der Terrormiliz fliehen. Zurzeit hält der IS rund Dreiviertel der Stadt. Gerade einmal 20 bis 50 Meter trennen PKK-Kämpfer hier von den Stellungen des IS. Beinahe täglich finden hier schwere Gefechte statt. Unterstützt wird die PKK durch Truppen der kurdischen Peshmerga und durch Luftangriffe der internationalen Koalition unter Führung der USA.

In Deutschland und der Europäischen Union gilt die PKK als Terrororganisation, deren Unterstützung schwer bestraft werden kann. Wegen des Engagements gegen den IS und der Äußerungen der PKK-Führung erwägt Rolf Mützenich, Fraktionsvize der SPD im Bundestag und außenpolitischer Sprecher, nun eine Neubewertung. Gegenüber WDR und NDR sagte er: "Diese Aussagen sind eine neue Tonlage, und sie bieten durchaus auch die Chance zu einer Neubewertung, wenn die PKK glaubhaft und nachprüfbar dauerhaft auf Gewalt verzichtet."

Eine Neubewertung der PKK fordert auch der unabhängige Gouverneur der irakischen Stadt Kirkuk, Nejmeddin Karim. Vor den Toren der ölreichen Stadt kämpfen ebenfalls PKK-Einheiten oft in vorderster Front weit vor den regulären Peshmerga-Truppen gegen den IS. "Die Deutschen können doch nicht türkischer als die Türken sein. Die Türkei verhandelt bereits mit der PKK."

(Mehr dazu heute in den "Tagesschau"-Sendungen ab 17.00 Uhr (NDR) und im ARD-Magazin "Monitor" (WDR), Das Erste, 21.45 Uhr)



Quelle: NDR/WDR


#mehrNachrichten
Natur- und Umweltschutz und eine echte sozial-ökologische Wende funktionieren nur dann, wenn alle Menschen mitgenommen und niemand zurückgelassen wird.

Klimaschutzgesetz darf soziale Fragen nicht ignorieren

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, mahnt die Bundesregierung, bei der Neufassung des Klimaschutzgesetzes die sozialen Aspekte nicht zu vergessen. Schneider...
Es brauche nun "klare Kriterien dafür, wann für wen die Freiheit zurückkehren kann", betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Mützenich attackiert Baerbock, will Freiheit für Geimpfte und das Zwei-Prozent-Ziel der Nato muss weg

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat eine rasche Aufhebung der Corona-Beschränkungen für Geimpfte gefordert. "Das muss zügig kommen, denn wir sollten uns die Entscheidung darüber nicht von den...
Laut einem ARD-Bericht wird Amazon-Mitarbeitern verwehrt, sich mit einer FFP2-Maske zu schützen.
Foto: Medien-gbr / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Grenzenlose Profitgier

Der DGB drängt darauf, die Gesundheit von Arbeitnehmern besser zu schützen, und nimmt dabei den Versandhändler Amazon ins Visier. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte der "Neuen Osnabrücker...
Mittel- und langfristig braucht es einen neuen Anlauf im Friedensprozess.
Foto: Hosny Salah

Hamas muss sofort Weg für Waffenruhe freimachen

Der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid blickt mit Sorge auf den Konflikt im Nahen Osten. Schmid sagte der "Heilbronner Stimme": "Die Hamas muss den Beschuss Israels sofort einstellen, und den Weg für...
Wenn Klimaschutz lediglich auf dem Papier stattfindet, ist das staatlich subventionierter Klimabetrug.
Foto: Goran Horvat

Bund zahlt halbe Milliarde Euro Förderung für Hybrid-Autos

Die Bundesregierung hat Kauf oder Leasing von sogenannten Plug-in-Hybridfahrzeugen in den vergangenen fünf Jahren mit mehr als einer halben Milliarde Euro subventioniert. Seit 2016 wurden bei...
Deutschland hat sich bei den Militärausgaben auf den siebten Platz in der Welt hochgekämpft - und ist stolz darauf.
Foto: Stephen Leonardi

Ernstfall: Wettrüsten der Großmächte

Von wegen Krise: Der Rüstungswettlauf hat trotz Pandemie Konjunktur, die weltweiten Ausgaben haben bereits wieder eine Höhe wie im ersten Kalten Krieg erreicht. Parallel dazu herrscht zwischen den...
"Bürgermeister daran messen, was er real leistet" - Linken-Politikerin greift SPD-Chefin Esken scharf an - Neben Kritik auch Lob für "Querdenker"
Foto: DIE LINKE / CC BY 2.0 (via Flickr)

Wagenknecht verteidigt Palmer und ist offen für Koalition mit den Grünen

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat den umstrittenen Tübinger Bürgermeister Boris Palmer gegen den Vorwurf in Schutz genommen, ein Rassist zu sein. Wagenknecht sagte der "Neuen Osnabrücker...
Back To Top