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Einige CDU-Mitglieder erinnerten sich gegen Ende des Parteitags in Leipzig doch noch an eine vergessene Klientel: Bauern. "Es geht um Familien, die unsere Dörfer prägen, Familien, die für unser tägliches Brot stehen", mahnte Vize-Fraktionsvorsitzende Gitta Connemann. Landwirte waren auch stets treue Unionswähler: 60 Prozent für die CDU, für die CSU sogar 66 Prozent. Umgekehrt können sich Landwirte nicht mehr zu jeder Zeit auf die Union verlassen. Gerade fuhren wütende Bauern auf Treckern nach Berlin. Die Politiker ernten Zorn, den sie selbst gesät haben.

Es geht jedoch nicht nur um alte Schummeleien oder Schludrigkeiten. Vielmehr geht es darum, dass Giffey im September Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.
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Die Glaubwürdigkeit von Franziska Giffey

Im Bemühen, die Stimmungslage pro Natur- und Klimaschutz aufzugreifen und den raketenhaften Aufstieg der Grünen zu bremsen, ließen sie es zu, dass die Agrarwirtschaft für praktisch alles herhalten muss, was seit Jahren falsch läuft. Zu schnell, zu extensiv, zu billig: Diese Fehlentwicklung, die den so gern im Mund geführten Anspruch der "Nachhaltigkeit" ad absurdum führt, gibt es aber in vielen Branchen. Kleidung ist zur Centware geworden. Für 26 Euro fliegt man zum Wochenend-Shopping nach Rom. Die Nachfrage regelt das Angebot. Kritik an den Verhältnissen ist selbstverständlich erlaubt: Angesichts der Tatsache, dass die Landwirtschaft für nur 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union sorgt, darf man fragen, wieso 37 Prozent des Budgets für Subventionen draufgehen. Und man sollte dringend fragen, ob die Unterstützung bei denen ankommt, die sie brauchen. 300 000 Euro erhielt 2018 zum Beispiel der Regensburger Multimillionär und Großgrundbesitzer Albert von Thurn und Taxis. Da findet offensichtlich Förderung mit der Gießkanne statt. Unter den 15 größten Subventions-Empfängern ist jedenfalls kein einziger Landwirt.

Die Nachkriegs-Hungerjahre in Europa, unter deren Eindruck das umfassende Fördernetz einst gespannt wurde, sind lange vorbei. Niemand darbt, vielmehr sind die meisten zu dick. Heute geht es darum, nicht den Boden zu zerstören, auf dem gesundes Essen wachsen kann. Gäbe es die Subventionen nicht, wäre der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft für viele Bauern gar nicht zu stemmen. Doch oft genug wurden und werden falsche Förder-Anreize gesetzt. Biogas zum Beispiel war zur Jahrtausendwende die große Hoffnung der grünen Energiewende und wurde großzügig unterstützt. Die Folge: Deutschland vermaiste. Wo gelbe Monokulturen entstanden, verschwanden all die Insekten und Kleinstlebewesen, die wir heute so schmerzlich vermissen. Über den Naturschutz-Debatten unserer Zeit schwebt eine romantische Vision vom ländlichen Idyll, von glücklichen Kühen, pickenden Hühnern und gesunder Vollwertkost. Eine Vision, die ironischerweise vor allem von der Stadtbevölkerung beschworen wird.

Doch die heutige Welt ist komplex, das Ursache-Wirkung-Geflecht schwer zu durchschauen. Da sucht man gerne nach einfachen Lösungen. Die Landwirte in Deutschland mit immer mehr Vorschriften zu überfordern, ist keine. Dass noch mehr kleinere Betriebe aufgeben, kann unmöglich das Ziel sein. Wer die Landwirtschaft aus Deutschland verdrängt, treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus. Er holt sich fragwürdige, ja unappetitliche Importe auf den Tisch. Wir wollen, dass Tiere artgerecht gehalten werden? Unseren Hunger auf gesundes, eiweißreiches Hähnchenbrustfilet stillt bereits zu einem Viertel das ferne Ausland, im vergangenen Jahr vor allem Thailand. Wie Gockerln dort gehalten werden, will man sich lieber nicht vorstellen. Ein großer Teil des Bio-Gemüses, das wir im Supermarkt supergünstig kaufen, wächst in Spanien unter Ausbeutung der Grundwasserreserven, gepflückt zu Billiglöhnen von rechtlosen Migranten. Vielerorts werden Dünger eingesetzt, die bei uns im Ökolandbau nicht zulässig sind. Ach ja: Auch diese Betriebe erhalten EU-Subventionen. All das sollte bedenken, wer unsere Landwirte als Sündenböcke an die Klippen treibt. Wenn sie zerschmettert unten liegen, sind unsere Probleme noch da.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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