Mittwoch, 20 Jan 2021
Foto: Ggia / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
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Keine Frage: Die Herausforderungen, vor die Deutschland und Europa durch die anhaltende Flüchtlingskrise gestellt werden, sind geradezu historische. Gerade die vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland und Europa dürfen deshalb erwarten, dass die Regierungen konkretere Konzepte zur Entschärfung der Krise entwickeln als das ehrenwerte Merkel-Mantra: Wir schaffen das! Denn sonst werden immer mehr selbstberufene Mahner und angebliche Klartexter Ton und Richtung der Debatte bestimmen.

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Foto: mohamed hassan / CC0 (via pxhere)

Digital aufrüsten gegen zu hohe Abhängigkeit

So wie am Wochenende Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt, der mit seiner Forderung nach einem Grenzzaun zu Österreich vollkommen geschichtsvergessen argumentiert. Keine Begrifflichkeit ist dem Polizeigewerkschafter zu dramatisch: Die "innere Ordnung" der Bundesrepublik sieht Rainer Wendt in der Flüchtlingskrise bedroht, gar "soziale Unruhen" erwartet er, wenn nicht jemand - die Kanzlerin - schnell die "Notbremse" zieht. Und wie das so konkret wie verdächtig einfach aussehen müsste, weiß Wendt auch: Grenzzäune sollen her. Zunächst einer zwischen Deutschland und Österreich, auf dass die Österreicher dann ihrerseits die Grenze mit Slowenien dichtmachen. Und wer soll dann der nächste sein?

Innereuropäisches Abschottungsdomino als einzig mögliche Lösung der anhaltenden Flüchtlingskrise? Da versucht ganz offenbar jemand, mit der angeblich zunehmenden Anspannung, Unsicherheit und Ratlosigkeit mancher Menschen in geradezu unverantwortlicher Weise Politik zu machen. Da werden Ängste nicht nur geschürt, sondern - viel schlimmer - unter Umständen erst hervorgerufen.

Ganz abgesehen davon, dass eine solche hermetische Abriegelung der innereuropäischen Grenzen in der Praxis selbstverständlich nicht realisierbar wäre: Die offenen Grenzen in Europa sind ein Glück für den ganzen Kontinent, der unter großen Schmerzen lernen musste, dass es nur gemeinsam geht. Das gilt nun auch und gerade in der Flüchtlingsfrage.



Quelle: ots / Schwäbische Zeitung


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