Dienstag, 11 Aug 2020
Foto: Alexander Kliem / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  368 Worte im Text  vor 334 Tagen

Der Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung führt in der Diskussion um eine Rentenaufstockung in die Irre. Diese Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt auch die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Karl Lauterbach
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Lauterbach will nicht bei Kölner Oberbürgermeisterwahl antreten

Die Sorge vor der Altersarmut treibt viele Menschen um. Die aktuelle Simulationsstudie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung rechnet bis zum Jahr 2050 mit zunehmenden Armutsrisiken im Alter. Mit ihrer Analyse der Effekte unterschiedlicher Rentenreformen bestätigen die Autoren auch jüngste IW-Ergebnisse:

Demnach steigt der simulierte Anteil der Rentner, die Grundsicherung erhalten, von aktuell neun Prozent bis Mitte der 2030er Jahre auf bis zu 12,3 Prozent. Tatsächlich haben 2017 nur 3,1 Prozent aller Rentner Grundsicherung im Alter bezogen, von denen, die eine gesetzliche Rente erhalten, waren es sogar nur rund 2,7 Prozent. Ein möglicher Grund dafür: Viele Rentner scheuen den Gang zum Amt, weil ihr Vermögen bei der fälligen Bedürftigkeitsprüfung angerechnet würde. Die Autoren der Bertelsmann-Studie verweisen zwar darauf, dass sie auch Vermögen berücksichtigen – allerdings erläutern sie kaum, wie genau das geschieht.

85 Prozent nicht hilfsbedürftig

In ihrer Analyse möglicher Rentenreformen kommen die Autoren zu noch drastischeren Einschätzungen als die IW-Studie. Eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung würde demnach in 85 Prozent aller Fälle Personen begünstigen, die im Sinne der Grundsicherung nicht hilfebedürftig sind. Kombiniert mit einer Freibetragsregelung würde die Grundsicherungsquote sogar wieder leicht ansteigen.

Tatsächlich reduziert ein Freibetrag in der Bedürftigkeitsprüfung die relative Armutsgefährdungsquote, laut Bertelsmann-Studie um bis zu drei Prozentpunkte. Das liegt daran, dass bedürftige Rentner einen Teil ihrer Alterseinkommen behalten dürfen und deshalb näher an das mittlere Einkommen der Gesamtbevölkerung heranrücken. Das kostet aber: Laut Bertelsmann-Studie rund sieben Milliarden Euro, die künftig vor allem die jüngeren Kohorten schultern müssen. Schließlich würde die Grundsicherung nun auch von Personen in Anspruch genommen, die ohne Freibetrag nicht bedürftig wären.

Die beste Lösung: Länger arbeiten

Dabei verspricht die Gesetzliche Rentenversicherung gar nicht, mit der Rente mindestens 60 Prozent des mittleren Einkommens in der Bevölkerung zu erreichen. Die Rente hängt nämlich von der Erwerbsbiografie ab. Die Argumentation über Armutsgefährdungsquoten führt also in der Reformdiskussion in die Irre. Am Ende gilt eine Binsenweisheit: Eine armutspräventive Alterssicherung gelingt am besten, indem die Menschen länger arbeiten. Darauf sollten sich Lösungsstrategien konzentrieren.

Download: Grundsicherung statt Grundrente



Quelle: IW Köln
#mehrNachrichten
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Back To Top