Foto: Richard Bartz / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
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Ulm (ots) - Volkswagen ist nicht zufällig des Lugs und Betrugs überführt worden. Viele Autobauer halten Abgasgrenzwerte nicht ein, reizen Möglichkeiten von Prüfverfahren extrem aus, geben völlig illusorische Verbrauchswerte für ihre Autos an. Aber nur die Wolfsburger haben Fahrzeuge in betrügerischer Absicht verändert, Kunden über Jahre hinweg getäuscht, Menschen und Natur geschädigt. Für die Eskalation gibt es viele Gründe. Der wichtigste liegt in der Struktur des Unternehmens selbst. Die mächtigste Autodynastie der Welt mit den Familien Piëch/Porsche drückt dem Unternehmen bis heute ihren Stempel auf. Knacken lässt sich dies nur durch Dezentralisierung. Ein Umbau ist nötig.

Ein Opfer der Bombe in Hiroshima (7. August 1945)
Foto: Onuka, Masami

Kommentar zum Jahrestag von Hiroshima

Wenn es stimmt, dass Ingenieure bei VW bei Nichterfüllung von Arbeitszielen regelrecht Angst haben, sind auch ihre Täuschungen zu erklären. In strengen Hierarchien wird Kritik gern als störende Meinungsäußerung und das Anprangern von Regel- und Gesetzesverstößen als Nestbeschmutzung gesehen. Es entsteht Konformitätsdruck. Mitreden und -denken kann unerwünscht sein. Meist agieren Mitarbeiter im vorauseilenden Gehorsam. Seilschaften bestimmen Strukturen.

Männerriegen schotten sich ab. Die als Wohnort für die Mitarbeiter des Volkswagenwerkes konzipierte Provinz-Stadt Wolfsburg ist ein Symbol für die engen Strukturen des Welt-Konzerns. Aber nicht nur der Druck auf VW-Mitarbeiter war wohl groß, auch mittlere Führungskräfte haben unter dem Ziel der Wolfsburger Leitwölfe zu leiden: Nummer 1 in der Welt zu werden und Toyota hinter sich zu lassen. Oft stehen in der Industrie kurzfristige Renditeziele vor langfristigem Wirtschaften. Qualität scheint der Feind von Absatzzahlen und Gewinnmargen geworden zu sein. Die Verkaufszahlen in den USA waren nicht gut. Deshalb mussten die US-Abgaswerte erreicht werden, kostete es was es wolle. Der Druck war so groß und die Befehle so eindeutig, dass der Betrug selbst dann nicht mehr beendet wurde, als amerikanische Behörden den Deutschen auf die Schliche kamen. Nun sind viele Änderungen bei VW nötig.

Als Korrektiv ist ein unabhängiger Betriebs- und Aufsichtsrat wichtig. Deshalb sind die Ernennung von Ex-Finanzchef Hans Dieter Pötsch zum obersten Aufseher und Porsche-Chef Matthias Müller zum VW-Boss schlechte Zeichen - beide sind Eigengewächse. Vielleicht hat sogar VW-Patriarch Ferdinand Piëch einen infamen Plan geschmiedet, um seine Vertrauten an die Schaltstellen der Macht zu setzen und Widersacher Martin Winterkorn ins offene Messer laufen zu lassen. Doch das ist nicht bewiesen. Das alles passierte auf dem Rücken des Unternehmens, der Mitarbeiter und der deutschen Industrie, die unter dem Vertrauensverlust leidet.

Viele Angestellte wussten Bescheid. In Unternehmen muss es künftig Stellen geben, denen sich Mitarbeiter anvertrauen können und die dafür belohnt, zumindest nicht bestraft werden. Das hat nichts mit Verrat am Unternehmen zu tun, sondern mit Fürsorge. VW muss den Marken mehr Spielraum geben, sich eine andere Unternehmenskultur zu suchen. Frauen sollten endlich in die Top-Führungsetage einziehen.

Ein Aufsplitten des Konzerns ist so lange unnötig, wie VW eigene Töchter wie Skoda oder Audi nicht in ihrer Existenz gefährdet - und danach sieht es derzeit nicht aus. VW muss sich ein Stück weit neu erfinden und die Macht der Familien begrenzen. Es gilt, sich auf das zu besinnen, was den Konzern zum größten europäischen Autobauer gemacht hat: gute Qualität.

Volkswagen muss sich ein Stück weit neu erfinden



Quelle: Südwest Presse / Ulrike Sosalla


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