Samstag, 08 Aug 2020
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Kinderarmut - das bedeutet im reichen Deutschland nicht, dass Kinder Hunger leiden oder kein Dach über dem Kopf haben. Und doch ist, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband errechnet hat, jedes fünfte Kind betroffen. Armut sieht man den Kindern nicht auf den ersten Blick an. Sie zeigt sich an fehlender Bildung und fehlender Teilhabe - und wird oft erst im Vergleich mit anderen Kindern sichtbar, denen es an nichts fehlt.

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Banken und Sparer - Opfer der EZB-Politik

Wenn Familienministerin Franziska Giffey und Sozialminister Hubertus Heil nun mit dem "Starke-Familien-Gesetz" Kinder von Geringverdienern stärken wollen, ist das eine gute Sache. Der Gesetzesvorschlag enthält Reformen, die überfällig sind. Gleichwohl ist das Gesetz nicht ganz so stark, wie der Name suggeriert. Wer die Chancenungleichheit von Kindern wirkungsvoll bekämpfen will, muss weitergehen. Die Kluft zwischen armen und reichen Kindern ist tief in Deutschland: Die einen gehen nicht zum Kindergeburtstag, weil die Eltern sich kein Geschenk leisten können. Bei den anderen ist das selbstverständlich drin, ihre Eltern finanzieren zudem Nachhilfestunden und teure Hobbys. Noch schlimmer ist, dass "arme" Kinder oft nicht unbeschwert groß werden. Oft haben Geringverdiener nicht nur materiell weniger Ressourcen als Menschen mit durchschnittlichem Einkommen: Es fehlt an Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld, an formaler Bildung, am Gefühl innerer Stärke.

Sicher, nicht alles ist mit Geld zu richten. Doch Schilderungen von Betroffenen unter dem Hashtag #unten zeigen eindrucksvoll, wie stark sich Armut auf das Selbstwertgefühl auswirkt. Soziale Abwertung von Menschen mit wenig Geld ist alltäglich. Wenn Eltern sich abgewertet fühlen, spüren Kinder das.

Das "Starke-Familien-Gesetz" schlägt da den richtigen Weg ein. Es reduziert Bürokratie. Das hilft, dass Menschen sich weniger gegängelt fühlen, wenn sie nicht wegen jeder Fahrt ins Schullandheim einen Antrag auf Hilfe stellen müssen. In Zukunft müssen arme Familien keinen symbolischen Euro mehr zum Mittagessen in der Schule beisteuern. Das hat sich als Bürokratiemonster erwiesen. Eine Familie soll auch weniger schnell den Anspruch auf Kinderzuschlag verlieren, sobald sich das Einkommen leicht erhöht. Das kann für die eine oder andere Familie den Stresspegel senken. Doch die großen Probleme dieser Familien geht es nicht an: Immer noch müssen Leistungen umständlich bei mehreren Ämtern beantragt werden. Auch wenn die Beantragung vereinfacht werden soll, überfordert der Antrag viele Menschen. Schon bisher wurden Hilfen gar nicht erst abgerufen.

Der geplante höhere Kinderzuschlag dürfte für manche nicht reichen, um den Weg aus Hartz IV zu finden. Zum Beispiel für eine alleinerziehende Mutter, die in Teilzeit in einem prekären Job arbeitet.

Mindestens zwei Millionen Kinder wachsen mit Hartz IV auf. Häufig sind ihre Eltern gar nicht arbeitslos, sondern "Aufstocker": Das heißt, ihr Arbeitseinkommen reicht nicht für den Nachwuchs. Diesen Familien könnte eine eigenständige Kindergrundsicherung helfen. Das Konzept hat die SPD nun aufgegriffen. Viele Sozialverbände und der Deutsche Kinderschutzbund fordern eine solche Lösung seit Langem. Diese Förderung würde alle bisherigen Sozialleistungen für Kinder ersetzen. Sie ist gerechter, weil hier der Staat für jedes Kind das gleiche ausgibt. Die Leistung sieht 620 Euro pro Kind vor und sinkt mit steigendem Einkommen der Eltern. Der Haken an der Sache sind die zu erwartenden jährlichen Mehrkosten, die die Kindergrundsicherung bedeuten würde. Doch sie wäre zugleich eine Zukunftsinvestition, um zu verhindern, dass Armut und Perspektivlosikkeit sich von Eltern auf die Kinder "vererben".

Ein solches Gesetz wäre ein wirklich "Starkes-Familien-Gesetz", nicht nur ein halbstarkes. Viele Studien zeigen: "Arme" Kinder haben auch im reichen Deutschland deutlich schlechtere Startchancen ins Leben. Verfestigt sich dieser Mechanismus, schadet das der ganzen Gesellschaft.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung


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