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Wer in diesen Tagen aus dem Urlaub im Ausland zurückkehrt, hat vielleicht auch die ein oder andere Diskussion über die deutsche Haltung in der Flüchtlingsfrage hinter sich. In Kroatien zum Beispiel sprach eine Händlerin in einer Kleinstadt in Dalmatien von einem "großen Fehler von Frau Merkel", als sie an ihrem Obststand deutschen Touristen Nektarinen verkauft. Diese Einzelmeinung zeigt vor allem eines: Der Umgang mit Flüchtlingen und das Thema Integration beschäftigt Menschen über Landesgrenzen hinweg. Die Flüchtlingskrise hat Europa verändert.

Welche Schlüsse Deutschland ziehen muss, um den inneren Frieden innerhalb seiner Gesellschaft auf Dauer zu erhalten, das ist die Gretchenfrage. Integration ist ein großes Wort. Der Weg dahin kann nur in kleinen Schritten erfolgen.

Wie sensibel das Thema ist, zeigt die hitzige Debatte über Verschleierungen muslimischer Frauen. Eine Frau, die ihr Gesicht verhüllt, wirkt in der westlichen Gesellschaft auf viele befremdlich.

Der demokratische Anspruch, liberal und pluralistisch zu sein, bedeutet aber, dass das Tragen eines Schleiers in unserer Gesellschaft möglich sein muss. Die Frage ist, in welchem Umfang und an welchen Orten. Auf Ämtern, bei Polizeikontrollen oder vor Gericht, wenn es also um die Feststellung der Identität geht, muss jede strenggläubige Muslima schon heute ihre Verschleierung ablegen. Dafür braucht es keine neuen Gesetze. Eine entscheidende Rolle spielt aber die Symbolkraft. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Verhüllung, besonders die Vollverschleierung, als Zeichen für die Unterdrückung der Frau interpretiert. Frauen haben hierzulande lange für Gleichberechtigung gekämpft und tun es immer noch, aus gutem Grund. Das ist ein wesentlicher Teil unserer westlichen Kultur und bildet damit zwangsläufig eine Konfliktlinie mit der Weltanschauung vieler Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern. Je mehr vollverschleierte Frauen in unserer Gesellschaft präsent sind, umso schwieriger wird es. Einzelfälle sind leichter tolerierbar. Integration ist auch eine Frage der Dosis. Kulturelles Empfinden lässt sich nicht über Gesetze verordnen. Daher ist ein Burka-Verbot keine Lösung. Von einer verschleierten Frau geht keine reelle Gefahr aus. Wenn eine einzelne muslimische Schülerin mit einem Gesichtsschleier ins Abendgymnasium geht, ist das keine Bedrohung für unsere Demokratie. Der springende Punkt ist ein anderer. Die Verschleierung führt uns kulturelle Unterschiede vor Augen, die per Gesetz nicht überbrückbar sind, weil sich Wertvorstellungen nicht allein über die Verfassungsordnung regeln lassen. Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Sie gehören unterschiedlichen Glaubensrichtungen an und sind mal mehr, mal weniger religiös. Es gibt eine ganze Reihe muslimischer Verbände und islamischer Gruppierungen, ein einheitliches offizielles Sprachrohr existiert aber nicht. Das Fehlen einer klaren Stimme aus der muslimischen Welt Deutschlands ist problematisch, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen. Was in den deutschen Moscheen gepredigt wird, dringt kaum in die deutsche Öffentlichkeit. Doch genau da gehört es hin, um einen offenen Dialog und auch eine Auseinandersetzung zu ermöglichen. Beim Thema Integration kommt den muslimischen Organisationen in Deutschland daher eine Schlüsselrolle zu. Ihre Vertreter sollten ihren Einfluss nutzen und Brücken zwischen den Kulturen schlagen.

Gelingen kann ein friedliches Zusammenleben trotz unterschiedlicher Wertvorstellungen nur in einer starken und stabilen Gemeinschaft. Kulturelle Differenzen werden dennoch bleiben.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung


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