Guido Wolf
Guido Wolf Foto: Robin Krahl / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
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Viele haben nach der Wahl vom Sonntag den Niedergang der Sozialdemokratie beklagt. Dabei ist der Zustand der CDU im Südwesten mindestens so alarmierend. Denn die Partei droht sich zu zerlegen, viele Kandidaten sind verbittert, dass sie von Grünen oder gar von AfDlern um ihre Mandate gebracht wurden. Andere zeigen verstohlen auf Guido Wolf, wenn sie gefragt werden, ob es an der Kanzlerin und der Flüchtlingspolitik gelegen habe.

Erwartungsgemäß hat der amtierende Präsident bereits in der Wahlnacht damit begonnen, Zweifel an Briefwahlstimmen sowie dem amtlichen Endergebnis zu säen, und den Sieg faktisch für sich in Anspruch genommen.
Foto: Obi Onyeador

Auf Messers Schneide

Die Mitglieder der neuen CDU-Fraktion haben Wolf am Dienstag in seinem Amt als Fraktionschef bestätigt. Obwohl es kritische Stimmen gab, dass eine solche Wahl zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig sei, wird vor Beginn der Sondierungsgespräche mit den Grünen knurrend Einigkeit demonstriert. Während sich viele der 68000 Mitglieder der größten Volkspartei in Baden-Württemberg fragen, warum ihr Spitzenkandidat kaum öffentliche Demut zeigt, droht aus dem Blick zu geraten, dass es um viel mehr gehen könnte als nur um den bitteren Augenblick.

Als man 2011 von der Macht gedrängt wurde, meinte man noch, die als Betriebsunfall empfundene Niederlage werde 2016 wieder rückgängig gemacht. Anstatt sich dann logischerweise um die strategische Neuausrichtung zu kümmern, um das Programm und um Personal, ergingen sich viele in Selbstmitleid und die Partei verbrauchte knappe Ressourcen für eine kräftezehrende Kandidatenkür.

Jetzt geht es darum - salopp gesagt -, den Laden zusammenzuhalten, mehr engagiertes Personal zu finden und Programmatik zu formulieren.

Am Sonntag wurde die CDU von den Wählern abgestraft. Aber jetzt könnte sie ohne klare Positionierung weitere Getreue verlieren, wenn sie innerparteiliche Debatten vermeidet, nicht an Inhalten und einem ordentlichen Personaltableau arbeitet. Schon streckt die AfD ihre Fühler nach abgewähltem und frustriertem CDU-Spitzenpersonal aus, um sich salonfähig zu machen. Das Land braucht aber keine zerrinnende CDU, sondern eine konservative Partei in der Mitte, die mit kühlem Kopf und klaren Ansagen geführt wird.



Quelle: ots/Schwäbische Zeitung


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