Donnerstag, 29 Okt 2020
Lech Walesa
Lech Walesa Foto: Giedymin Jabłoński / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  357 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Lech Walesa ist ohne Zweifel ein schwieriger Mensch. Er ist selbstverliebt bis hin zum Größenwahn. Er ist ein notorischer Rebell, von der Kraft und der Wucht eines Teufels, der im Zweifel auch mit dem Herrgott persönlich in den Ring steigen würde.

Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Je größer die Herausforderung ist, desto besser für Walesa, der zu allem Überfluss ein Spielertyp ist und gern aufs Ganze geht. Genau einen solchen Menschen brauchte es in den 80er-Jahren, um mit dem Beistand des polnischen Papstes den Kommunismus erst in Danzig und Warschau und später im gesamten Ostblock aus den Angeln zu heben. Insofern ist es müßig, sich über das zweifelhafte Naturell des Friedensnobelpreisträgers zu echauffieren. Man musste und muss Walesa so nehmen, wie er ist. Den Freiheitshelden hätte es ohne das Teuflische in seinem Rebellenwesen nicht gegeben. Für den "Fall Walesa/IM Bolek", der jetzt wieder so hohe Wellen schlägt, heißt das unter dem Strich: Was auch immer Walesa in den 70er-Jahren als junger Mann mit der polnischen Stasi ausgekungelt hat, ist zweitrangig. Wohlgemerkt: Es ist wichtig, aber eben nur in zweiter Linie. Von Bedeutung ist es vor allem für jene, die möglicherweise unter Walesas Spitzeleien zu leiden hatten. Im Namen aller von Stasi-Unrecht Betroffenen ist Aufklärung nötig. Es ist deshalb gut und zeugt von durchaus nobler Gesinnung, dass Walesa selbst eine Klärung vor Gericht anstrebt. Darüber hinaus sollte der "Fall Walesa/Bolek" vor allem ein Thema für Historiker sein. Denn die größte Gefahr, die von dem angeblichen Aktenfund ausgeht, ist eine politische Instrumentalisierung durch die alleinregierende Kaczynski-Partei PiS.

Gelingt es den rechtspopulistischen Scharfmachern, Walesa und vor allem den Runden Tisch von 1989 zu diskreditieren, dann wird es das Polen, das wir seither kennen und schätzen gelernt haben, nicht mehr lange geben. Dann wird Jaroslaw Kaczynski die Vierte Republik, von deren Gründung er seit jeher träumt, doch noch durchsetzen - ob formell oder informell. Mit der historischen Wirklichkeit hätte das allerdings nichts mehr zu tun, denn bei aller Bedeutung des teuflischen Superhelden Walesa: Sein Einfluss auf die Entwicklung nach 1989 war eng begrenzt. Die Seilschaften, die Kaczynski allerorten in Polen wittert, sind eine Fantasie des PiS-Vorsitzenden.



Quelle: ots/Lausitzer Rundschau


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