Freitag, 14 Aug 2020
Foto: tillburmann / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  335 Worte im Text  vor 270 Tagen

Diese Zeit gehört Dir: Seit etwas mehr als fünf Jahren wirbt die Deutsche Bahn nun schon mit diesem Slogan. Die meisten Bahnkunden können ihn nur noch mit einem müden Lächeln quittieren. Viele Reisende kennen die Werbeplakate vor allem von unfreiwillig verlängerten Aufenthalten an Bahnsteigen oder in Bahnhofshallen. Hier stranden sie regelmäßig aufgrund von Verspätungen oder Zugausfällen.

Diese Zeit gehört Dir, das wird sich am Montag auch Bahnvorstand Alexander Doll gedacht haben, dessen Aufhebungsvertrag vom Aufsichtsrat gutgeheißen wurde. Zuvor hatten Chefkontrolleur Michael Odenwald und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dem langjährigen Investmentbanker in den vergangenen Tagen den freiwilligen Rücktritt nahegelegt. Dem Finanzchef der Bahn wurde vorgeworfen, sich beim Verkauf der Bahntochter Arriva zu viel Zeit damit gelassen zu haben, Aufsichtsrat und Eigentümer der Bahn über Altlasten zu informieren, die den Verkaufserlös unter den Buchwert des Nahverkehrsunternehmens gedrückt hätten. Das wurde aus dem Umfeld des Konzerns verbreitet. Der CFO wies die Vorwürfe zurück, unterschrieb vor dem Wochenende aber doch einen Aufhebungsvertrag, dem der Aufsichtsrat am Montag zustimmte.

In der zeitlos schönen Pressemitteilung zu der Personalie ist von Versäumnissen keine Rede mehr. Stattdessen spricht Aufsichtsratschef Odenwald dem scheidenden Finanzvorstand seinen "herzlichen Dank" aus und lobt Doll in den höchsten Tönen für seine "klare Kommunikation", die Einführung von "innovativen Finanzierungsinstrumenten" und den Verkaufsprozess für Arriva, den er "professionell aufgesetzt" habe. Das makellose Abschlusszeugnis, das Doll der Bahn offenbar in den Block diktieren konnte, weil die kolportierten Vorwürfe arbeitsrechtlich nicht standgehalten hätten, ist eine schallende Ohrfeige für Aufsichtsrat und Vorstand der Bahn sowie für den Verkehrsminister.

Die Zeichen der Zeit sollten der Bahn eigentlich in die Karten spielen. Die Regierung hat die Schiene zur Allzweckwaffe für das Erreichen der Klimaziele im Verkehrssektor erkoren und lässt sich das im Rahmen der neuen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung rund 86 Mrd. Euro für Erhalt und Modernisierung des Schienennetzes kosten. Insgesamt stehen der Bahn gemäß Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bis 2030 sogar 155 Mrd. Euro zur Verfügung. Der Abgang von Doll zeigt indessen, dass die Bahn weiter zu viel Zeit mit Ränkespielen vergeudet.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Die Betroffenen müssen Deutschland verlassen und dürfen nicht wieder einreisen. Kommen sie der Aufforderung nicht nach, kann eine Abschiebung folgen.
Foto: Ahmad Ardity

Zahl der Ausweisungen von Ausländern drastisch gestiegen

Die Zahl der Ausweisungen ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken-Fraktion...
"Die CDU hat angesichts der Pandemie eine ideologische Grundposition über Bord geworfen, an der sie noch 2013 die Sondierungen mit den Grünen scheitern ließ"
Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Trittin sieht neue Schnittmengen mit CDU und CSU

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin sieht durch die Corona-Politik neue Schnittmengen mit CDU/CSU für ein mögliches schwarz-grünes Bündnis nach der nächsten Bundestagswahl. Zugleich lehnt er das von...
Wirecard ist zum Zockerpapier verkommen, das mit solider Anlage nichts mehr zu tun hat.
Foto: Thomas Schulz / CC BY 2.0 (via Flickr)

Neue DAX-Regeln - Nur ein erster Schritt

Am Montag, dem 24. August, wird der Dax endlich Wirecard-frei sein. Denn nach der von der Deutschen Börse beschlossenen Regeländerung werden Aktien insolventer Unternehmen künftig umgehend aus den...
"Es ist keine Option, nichts zu tun und wegzuschauen", sagte Asselborn nach der dritten blutigen Protestnacht in Minsk.
Foto: EU2017EE Estonian Presidency / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Luxemburgs Außenminister fordert von EU mehr "Druck auf Lukaschenko"

Vor der für Freitag geplanten außerplanmäßigen Videokonferenz der EU-Außenminister hat Luxemburgs Chefdiplomat Jean Asselborn eine deutliche Reaktion der EU angesichts des umstrittenen Wahlsiegs des...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Back To Top