Immer weniger Arbeitnehmer werden Mitglied von Gewerkschaften.
Immer weniger Arbeitnehmer werden Mitglied von Gewerkschaften. Foto: Wolf-Dieter / Wikipedia CC BY 3.0
 1-2 Minuten Lesezeit  291 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer variiert in Europa sehr stark – von knapp 70 Prozent in Dänemark bis 5 Prozent in Ungarn. Unabhängig davon haben die Gewerkschaften aber alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, wie eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

Nach massiven Corona-Ausbrüchen unter Arbeitern hat das Bundeskabinett schärfere Auflagen für die Fleischindustrie beschlossen.
Foto: Jai79 / CC0 de (via Pixabay)

Gnadenlose Ausbeutung von Arbeitern in der Fleischindustrie beenden

Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ist europaweit im Sinkflug. Die IW-Wissenschaftler haben insgesamt 16 Staaten anhand der Daten des European Social Survey untersucht. Demnach gab es im Jahr 2014 nur in Belgien und Spanien prozentual mehr Gewerkschaftsmitglieder als 2002. In allen anderen Ländern nahm der Anteil ab.

Das IW hat dafür drei Ursachen identifiziert. Die wichtigste ist die Altersstruktur: Offenbar gelingt es den Gewerkschaften nur schwer, junge Mitglieder anzuwerben, folglich sind die Älteren überrepräsentiert. Auch in Deutschland sind nur 15 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder zwischen 16 und 30 Jahre alt, obwohl diese Altersgruppe fast ein Viertel aller Arbeitnehmer stellt. In Polen ist der Unterschied noch deutlicher – dort stellen die Jüngeren gut ein Viertel der Arbeitnehmer, aber nur knapp 7 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder.

Auch bei den sogenannten atypisch Beschäftigten – dazu zählen Teilzeitkräfte und jene mit befristeten Verträgen – haben es Gewerkschaften schwer. So sind beim Spitzenreiter Dänemark 78 Prozent der Vollzeitkräfte in einer Gewerkschaft, aber nur 41 Prozent der Teilzeitkräfte; bei den Unbefristeten sind es fast 75 Prozent, bei den Befristeten weniger als 59 Prozent.

Das dritte Problemfeld sind kleine Unternehmen. In Österreich zum Beispiel sind nur knapp 13 Prozent der Belegschaft aus Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern in einer Gewerkschaft, aber 46 Prozent der Arbeitnehmer aus Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten.

„Die Gewerkschaften haben den Wandel der Arbeitswelt ein Stück weit verschlafen. Sie müssen nun versuchen, die unterrepräsentierten Personengruppen gezielt anzusprechen, wenn sie ihr Überleben sichern wollen“, sagt IW-Gewerkschaftsexperte Hagen Lesch.



Quelle: IW Köln


#mehrNachrichten
Bislang verfestigen die jüngsten Konjunkturindikatoren das Bild einer zweigeteilten deutschen Wirtschaft.
Foto: Cameron Venti

Achterbahn Konjunktur

Bergauf, bergab, dann geht es in die eine Richtung, gefolgt von der Kurve in die entgegengesetzte. Einer solchen Achterbahnfahrt gleicht die Konjunkturbetrachtung, seit sich das Coronavirus von...
Laut einem ARD-Bericht wird Amazon-Mitarbeitern verwehrt, sich mit einer FFP2-Maske zu schützen.
Foto: Medien-gbr / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Grenzenlose Profitgier

Der DGB drängt darauf, die Gesundheit von Arbeitnehmern besser zu schützen, und nimmt dabei den Versandhändler Amazon ins Visier. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte der "Neuen Osnabrücker...
Einer möglichen Ampelkoalition aus Grünen, SPD und FDP steht Lindner skeptisch gegenüber.
Foto: INSM / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Lindner setzt auf "Modernisierungskoalition" mit seiner FDP

FDP-Chef Christian Lindner sieht nach der Kür der Kanzlerkandidaten von Grünen und Union gute Chancen für seine Partei, in einer nächsten Bundesregierung mitzuregieren. "Armin Laschet haben wir als...
Es brauche nun "klare Kriterien dafür, wann für wen die Freiheit zurückkehren kann", betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Mützenich attackiert Baerbock, will Freiheit für Geimpfte und das Zwei-Prozent-Ziel der Nato muss weg

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat eine rasche Aufhebung der Corona-Beschränkungen für Geimpfte gefordert. "Das muss zügig kommen, denn wir sollten uns die Entscheidung darüber nicht von den...
Deutschland hat sich bei den Militärausgaben auf den siebten Platz in der Welt hochgekämpft - und ist stolz darauf.
Foto: Stephen Leonardi

Ernstfall: Wettrüsten der Großmächte

Von wegen Krise: Der Rüstungswettlauf hat trotz Pandemie Konjunktur, die weltweiten Ausgaben haben bereits wieder eine Höhe wie im ersten Kalten Krieg erreicht. Parallel dazu herrscht zwischen den...
Back To Top