Samstag, 11 Jul 2020
Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen.
Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen. Foto: Patrick Büttgen / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  359 Worte im Text  vor 26 Tagen

Wenn ein Staat innovative Unternehmen unterstützen will, kann er die Fördertöpfe vergrößern, er kann steuerlich entlasten und regulatorisch ein Umfeld schaffen, das guten neuen Ideen keine Grenzen setzt. Beteiligen muss er sich nicht an solchen Hoffnungsträgern - auch nicht, wenn es helfen könnte, eine Pandemie zu bekämpfen.

empty alt
Foto: Thomas Wolf / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Länderfinanzausgleich rückläufig

Mit der Entscheidung, 300 Mill. Euro in die Hand zu nehmen, um sich am Tübinger Biotechunternehmen Curevac einzukaufen, greift sich die Bundesregierung wahllos eine Firma heraus, die wie viele andere daran arbeitet, rasch einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Da sich bislang kein Durchbruch einer Technologie abzeichnet, muss es verwundern, weshalb der Bund gerade auf Curevac setzt und mit dem Geld kein Programm stützt, das allen Corona-Jägern zugute käme.

Den Forschern werden seit geraumer Zeit zurecht in großem Umfang aus verschiedenen staatlichen und privaten Töpfen Mittel angeboten, um rasch Therapien gegen die Pandemie zu finden. Viele gehen ein großes Risiko ein, wenn sie ihre Kapazitäten nun mit hoher Intensität auf Corona ausrichten und dabei andere Projekte vernachlässigen müssen.

Zudem ist die Pharmabranche gefordert, schon jetzt die Herstellung großer Mengen an Produktkandidaten zu gewährleisten, auch wenn ein großer Teil der Anlagen später nicht gebraucht wird, weil die erhoffte Wirkung in klinischen Studien nicht nachgewiesen wurde. Auch dafür ist breiter und nicht vereinzelter staatlicher Einsatz notwendig - am besten global koordiniert, weil keiner darauf setzen kann, dass es ein heimisches Unternehmen ist, das ins Schwarze trifft.

Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen, wie etwa das Engagement der KfW am Netzbetreiber 50 Hertz, wo der Bund die Übernahme eines wichtige Infrastrukturanbieters durch Chinesen vereiteln wollte. Curevac war zwar in den Schlagzeilen, weil angeblich die USA die Firma entweder kaufen oder sich den möglichen Impfstoff exklusiv sichern wollten. Das wurde vom Management indes als fake news zurückgewiesen.

Ob Curevac tatsächlich "systemrelevant" wird, ist höchst ungewiss, denn leider kommt in der Pharma nur ein Bruchteil der Projekte ins Ziel. Bislang ist noch kein Impfstoff im Markt, der auf der von Curevac und anderen eingesetzten Gentechnologie basiert. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer, lässt sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier selbstkritisch vernehmen. Vermutlich ist er auch nicht der bessere Investor.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Der einstmals unbeliebte Franke hat heute deutschlandweit höhere Akzeptanzwerte als sein rheinischer Kollege.
Foto: European People's Party / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Söder regiert, Laschet reagiert

Schon wieder NRW. Mit Heinsberg begann die Corona-Krise. Mit Gütersloh droht die zweite Welle. Und erneut zeigt sich, wie schlecht es ums Krisenmanagement im Land bestellt ist. Zu spät, zu...
In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise.
Foto: AbsolutVision

Das "S" von ESG im Blick

Die Coronakrise hat für das Entstehen einer neuen Anleiheart gesorgt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Covid-19-Response-Bonds oder kurz Covid-19-Bonds. Mit den Erlösen aus diesen Anleihen...
Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen.
Foto: Patrick Büttgen / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Fehlinvestment

Wenn ein Staat innovative Unternehmen unterstützen will, kann er die Fördertöpfe vergrößern, er kann steuerlich entlasten und regulatorisch ein Umfeld schaffen, das guten neuen Ideen keine Grenzen...
Die neue Initiative aus Brüssel soll bestehende Gesetzeslücken schließen, damit europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb besser geschützt werden.
Foto: Mika Baumeister

Attacke gegen China

Auch wenn der Name China in dem rund 50-seitigen neuen Weißbuch der EU-Kommission zur Wettbewerbspolitik nicht vorkommt und die Behörde dies strikt von sich weist: Es ist völlig klar, gegen wen sich die...
Dass es immer noch keinen Lockdown gibt, ist nicht nachvollziehbar.
Foto: Medakit Ltd

Das Corona-Rezept: Testen, testen, testen

Der Corona-Neuausbruch im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück führt uns allen unsanft vor Augen, wie wenig stabil die Situation in Deutschland ungeachtet der permanent sinkenden Neuinfektionszahlen...
Wegen der Corona-Pandemie verschanzen sich Teile der öffentlichen Verwaltungen weiterhin hinter abgesperrten Türen und Anrufbeantwortern.
Foto: USCDCP /CC0

Beamte im Corona-Modus

Alle freuen sich über die Corona-Lockerungen. Geschäfte, Restaurants, Kinos und Urlaubsorte begrüßen ihre Gäste mit herzlichen Willkommensschildern. Theaterschauspieler unterhalten mit aus dem Boden...
"Rassismus" wird in vielen Fällen und fälschlicherweise als eine Art Sammelbegriff für Ausländerfeindlichkeit benutzt wird.
Foto: Mostafa Meraji

Artikel 3 des Grundgesetzes

Das Grundgesetz ist ein Manifest gegen Rassismus und Totalitarismus. So ist es gemeint, und so ist es geschrieben. Als es 1948 und 1949 entstand, waren die Erfahrungen aus der Nazi-Diktatur und die...
Back To Top