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Flucht und Armut

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen, etwa die Hälfte, wird dauerhaft bleiben. Sie hoffen auf ein besseres Leben. Ist das realistisch? Die Gefahr, dass Flüchtlinge als Lohn-Dumping-Arbeitnehmer eingesetzt werden, ist hoch. Die Bildungs- und Berufsabschlüsse ihrer Herkunftsländer entsprechen oft nicht deutschen Anforderungen. Und noch immer gibt es zu wenige Angebote für Sprach- und Integrationskurse.

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Themen.
Foto: info-graz / CC BY 2.0 via Flickr

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen, etwa die Hälfte, wird dauerhaft bleiben. Sie hoffen auf ein besseres Leben. Ist das realistisch? Die Gefahr, dass Flüchtlinge als Lohn-Dumping-Arbeitnehmer eingesetzt werden, ist hoch. Die Bildungs- und Berufsabschlüsse ihrer Herkunftsländer entsprechen oft nicht deutschen Anforderungen. Und noch immer gibt es zu wenige Angebote für Sprach- und Integrationskurse.

Genau 54 Flüchtlinge, so berichtet die FAZ Anfang Juli 2016, wurden bisher von den 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland fest angestellt. Der größte Teil der Flüchtlinge wird in Zukunft auf Unterstützung durch die Sozialkassen angewiesen sein. Die Gefahr, dass es zu einer Konkurrenz mit deutschen Sozialhilfeempfängern um prekäre Jobs und billigen Wohnraum kommen kann, ist groß. Denn auch im reichen Deutschland ist nahezu jeder fünfte von relativer Armut betroffen.

Dabei ist besonders der Anteil von Kindern, die in Armut leben, extrem hoch. In Bremen gelten 33 Prozent aller Kinder als arm oder armutsgefährdet. Seit Jahren mahnt die OECD an, dass diese Kinder im deutschen Schulsystem kaum eine Chance haben, Bildungsarmut wird vererbt. Für Kinder aus Arbeiterfamilien gibt es kaum Aufstiegschancen. Von Deutschlands wirtschaftlicher Hochphase kommt bei ihnen nichts an. Wird der Flüchtlingsandrang ihre Situation noch verschärfen? Und wenn es jetzt um Integration und Förderung geht, muss es dann nicht auch um die Integration und Förderung dieser Bevölkerungsgruppe gehen?

Über die Zusammenhänge von Integration und Armut diskutiert Gert Scobel mit diesen Gästen:

Louis Henri Seukwa ist an der Universität Hamburg (Fakultät Wirtschaft und Soziales) Professor für Erziehungswissenschaften. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Migrationswissenschaft unter erziehungswissenschaftlicher Perspektive, die Resilienzforschung und die interkulturelle Bildungsforschung.

Anja Weiß ist geschäftsführende Direktorin des Institutes für Soziologie der Universität Duisburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die berufliche, soziale und kulturelle Integration, Bildung und Migration und die Integrationspolitik.

Eric Seils ist Sozialwissenschaftler. In der Hans-Böckler-Stiftung leitet er das Referat Vergleichende Sozialpolitik. Erich Seils ist ausgewiesener Fachmann für alle Formen von Armut in Deutschland.

3sat-Gesprächssendung mit Gert Scobel | Donnerstag, 15. September 2016, 21.00 Uhr Erstausstrahlung



Quelle: ots/3sat