Der Begriff "Social Distancing" ist ja eindeutig. Aber wird es nur beim räumlich gemeinten Abstand voneinander bleiben? Oder wird die Distanzierung tiefer gehen?
Der Begriff "Social Distancing" ist ja eindeutig. Aber wird es nur beim räumlich gemeinten Abstand voneinander bleiben? Oder wird die Distanzierung tiefer gehen? Foto: Samuel Austin
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Jeder ist sich selbst der Nächste. Dieser Satz hat selten so zugetroffen wie jetzt in der Corona-Krise. Allein schon aufgrund von Kontaktverbot und Selbstquarantäne, weil Menschen auf sich zurückgeworfen werden - und mit sich selbst mehr zurechtkommen müssen als sonst.

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Das hat Folgen für das Verhalten jedes Einzelnen und den Umgang miteinander. Schon jetzt und wahrscheinlich über diesen Ausnahmezustand hinaus. Und leider ist zu befürchten, dass wir auch mit einem Anti-Corona-Impfstoff nicht wieder so relativ unbefangen miteinander umgehen wie vor Beginn der Pandemie. Zumindest nicht sofort. Der Begriff "Social Distancing" ist ja eindeutig. Aber wird es nur beim räumlich gemeinten Abstand voneinander bleiben? Oder wird die Distanzierung tiefer gehen?

Die Appelle an die Solidarität in der Bevölkerung klingen nicht nur hilflos, sie bringen auch nichts. Einkaufsservice für Senioren ist eine prima Sache. Aber das läuft unter Nachbarschaftshilfe. Dass Solidarität etwas anderes bedeutet, zeigt die emotionale Debatte über die schrittweisen Lockerungen. Wer auf Kurzarbeit gestellt ist und wegen hoher Gehaltseinbußen seinen Hauskredit nicht mehr bedienen kann, dem kann die Rückkehr zur Normalität gar nicht schnell genug gehen. Wer allerdings, wie Beamte oder Beschäftigte im öffentlichen Dienst, keine Kurzarbeit leisten muss und wie üblich bezahlt wird, der blickt anders auf diese Krise.

Dass der 40-jährige Gastronom mit 20 Angestellten seine wirtschaftliche Existenz bedroht sieht und endlich wieder öffnen will, ist genau so verständlich wie die Position des 70-jährigen pensionierten Lehrers, der sich mit mehr als 3000 Euro Ruhestandsgehalt pro Monat noch ein paar schöne Jahre machen und so lange wie möglich gesund bleiben möchte.

Es gibt Leute, die sich diesen Shutdown leisten können, und es gibt Leute, die sich diesen Shutdown nicht leisten können. Entsprechend gegensätzlich, zuweilen sogar unversöhnlich sind die Meinungen zu den Einschränkungen und jetzt eben zu den Lockerungsmaßnahmen.

Hat die Corona-Krise das Zeug, unsere Gesellschaft noch tiefer zu spalten? Anders als bei der Flüchtlingskrise verläuft der Riss dieses Mal nicht entlang weltanschaulicher Linien. Die Spaltung durch den Umgang mit Corona basiert auf den unterschiedlichen Formen der wirtschaftlichen Existenz. Wer sein Geld vom Staat bekommt, nimmt diesen Ausnahmezustand leichter hin als der, der diesen Staat mit seinen Steuerzahlungen finanzieren muss.

Quelle: ots/Westfalen-Blatt
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