#zeitfokus.

Sonntag, 05 Apr 2020
Foto: Dimitris Vetsikas / CC0 (via Pixabay)
 2-3 Minuten Lesezeit  523 Worte im Text  vor 73 Tagen
Gedenken ist nicht genug. Es sind nur 75 Jahre. 75 Jahre seit dem Ende einer Barbarei, die beispiellos bleibt. Die Gedenkfeiern anlässlich der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 nehmen uns mit auf eine schmerzhafte Zeitreise zum dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte. Der Jahrestag ist ein guter Anlass für eine schonungslose Bilanz. Was hat Deutschland, was hat die Welt aus dem Holocaust gelernt? Dabei geht es nicht um Vergangenheitsbewältigung. Die Schuld an der industriellen Ermordung von sechs Millionen Menschen, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder, kann man nicht bewältigen. Niemals. Unter dieses Kapitel kann kein Schlussstrich gezogen werden. Wer dies versucht, beleidigt die Toten wie die Überlebenden. Aber man kann der Opfer gedenken und sich gleichzeitig ernsthaft fragen: Tun wir genug gegen den Hass, der Juden heutzutage wieder entgegenschlägt? Und tun wir genug für die Lebenden? Die traurige Antwort lautet: Nein. Antisemitismus und Judenhass wachsen wieder - auch in der Bundesrepublik. Nur der stabilen Holztür an der Synagoge in Halle ist zu verdanken, dass es kurz vor dem Auschwitz-Gedenkjahr kein Blutbad unter betenden Juden gab. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat recht, wenn er vor den Staatsoberhäuptern der ganzen Welt diese Tat und andere schonungslos benennt. All diese Vorfälle sind zutiefst beschämend und verpflichten uns zu viel größeren Anstrengungen. Dazu gehört auch, genauer hinzuhören, wenn mit Sprache dem Antisemitismus der Boden bereitet wird. Denn vor der Tat kommt das Wort, und es gibt immer mehr, die unsere Toleranz austesten. Jene, die relativieren oder Schlussstriche ziehen wollen, verdienen noch härteren Widerstand. Es ist unerträglich, dass ein deutscher Politiker Hitler und die Nazis zum "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte umdeuten durfte und noch immer als Vertreter des Volkes im Bundestag sitzt. Der Bundespräsident sprach in seiner eindrucksvollen Rede am Donnerstag in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem von der ausgestreckten Hand der Juden, für die er dankbar ist. Aber die lebenden Juden erwarten zu Recht einen entschlossenen Händedruck, echte Unterstützung und mehr als aufrichtiges Gedenken. Dazu gehört, dass der Staat Israel unser besonderes Verständnis haben muss. Man muss die Politik des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu nicht mögen. Aber es geht um ein Volk, das vom Greis bis zum Baby vernichtet werden sollte. Das umzingelt von Feinden ist. Das auch heute noch von hochgerüsteten Staaten wie dem Iran ungestraft mit der Auslöschung bedroht werden darf. Ein solches Volk hat es verdient, dass man sein ganz spezielles Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz unterstützt. Und deshalb hat Bundespräsident Steinmeier recht, wenn er in Yad Vashem erklärt: Wir stehen an der Seite Israels. In Jerusalem ging es am Donnerstag aber nicht nur um die Opfer und die Täter. Das Gedenken an den Holocaust brachte auch die Befreier zusammen - darunter Amerikaner, Russen, Briten und Franzosen. Sie alle am Donnerstag Seite an Seite in Yad Vashem zu sehen, war ein Bild, das zuversichtlich stimmt. Denn es zeigt eindringlich: Es gibt gemeinsame Werte, die Generationen überdauern und die stärker sind als der härteste politische Streit. Die Befreier von Auschwitz haben vor 75 Jahren unter hohem Blutzoll die Zivilisation gerettet. Das hat Israels Regierungschef Netanjahu zu Recht betont. Auch das darf Deutschland beim Umgang mit diesen Nationen und ihren gewählten Führern nie vergessen. Quelle: ots/Berliner Morgenpost

Es sind nur 75 Jahre. 75 Jahre seit dem Ende einer Barbarei, die beispiellos bleibt. Die Gedenkfeiern anlässlich der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 nehmen uns mit auf eine schmerzhafte Zeitreise zum dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte. Der Jahrestag ist ein guter Anlass für eine schonungslose Bilanz. Was hat Deutschland, was hat die Welt aus dem Holocaust gelernt?

empty alt
Foto: congerdesign / CC0 (via Pixabay)

Kükentöten aus Vernunft

Dabei geht es nicht um Vergangenheitsbewältigung. Die Schuld an der industriellen Ermordung von sechs Millionen Menschen, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder, kann man nicht bewältigen. Niemals. Unter dieses Kapitel kann kein Schlussstrich gezogen werden. Wer dies versucht, beleidigt die Toten wie die Überlebenden. Aber man kann der Opfer gedenken und sich gleichzeitig ernsthaft fragen: Tun wir genug gegen den Hass, der Juden heutzutage wieder entgegenschlägt? Und tun wir genug für die Lebenden? Die traurige Antwort lautet: Nein.

Antisemitismus und Judenhass wachsen wieder - auch in der Bundesrepublik. Nur der stabilen Holztür an der Synagoge in Halle ist zu verdanken, dass es kurz vor dem Auschwitz-Gedenkjahr kein Blutbad unter betenden Juden gab. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat recht, wenn er vor den Staatsoberhäuptern der ganzen Welt diese Tat und andere schonungslos benennt. All diese Vorfälle sind zutiefst beschämend und verpflichten uns zu viel größeren Anstrengungen. Dazu gehört auch, genauer hinzuhören, wenn mit Sprache dem Antisemitismus der Boden bereitet wird. Denn vor der Tat kommt das Wort, und es gibt immer mehr, die unsere Toleranz austesten.

Jene, die relativieren oder Schlussstriche ziehen wollen, verdienen noch härteren Widerstand. Es ist unerträglich, dass ein deutscher Politiker Hitler und die Nazis zum "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte umdeuten durfte und noch immer als Vertreter des Volkes im Bundestag sitzt.

Der Bundespräsident sprach in seiner eindrucksvollen Rede am Donnerstag in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem von der ausgestreckten Hand der Juden, für die er dankbar ist. Aber die lebenden Juden erwarten zu Recht einen entschlossenen Händedruck, echte Unterstützung und mehr als aufrichtiges Gedenken. Dazu gehört, dass der Staat Israel unser besonderes Verständnis haben muss. Man muss die Politik des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu nicht mögen. Aber es geht um ein Volk, das vom Greis bis zum Baby vernichtet werden sollte. Das umzingelt von Feinden ist. Das auch heute noch von hochgerüsteten Staaten wie dem Iran ungestraft mit der Auslöschung bedroht werden darf. Ein solches Volk hat es verdient, dass man sein ganz spezielles Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz unterstützt. Und deshalb hat Bundespräsident Steinmeier recht, wenn er in Yad Vashem erklärt: Wir stehen an der Seite Israels.

In Jerusalem ging es am Donnerstag aber nicht nur um die Opfer und die Täter. Das Gedenken an den Holocaust brachte auch die Befreier zusammen - darunter Amerikaner, Russen, Briten und Franzosen. Sie alle am Donnerstag Seite an Seite in Yad Vashem zu sehen, war ein Bild, das zuversichtlich stimmt. Denn es zeigt eindringlich: Es gibt gemeinsame Werte, die Generationen überdauern und die stärker sind als der härteste politische Streit. Die Befreier von Auschwitz haben vor 75 Jahren unter hohem Blutzoll die Zivilisation gerettet. Das hat Israels Regierungschef Netanjahu zu Recht betont. Auch das darf Deutschland beim Umgang mit diesen Nationen und ihren gewählten Führern nie vergessen.



Quelle: ots/Berliner Morgenpost
#mehrNachrichten
Es spricht viel dafür, dass bereits dieses klare Kontaktverbot ausreichen kann, um den Anstieg der Infektionen zu begrenzen.
Foto: congerdesign / CC0 (via Pixabay)

Kontaktverzicht kann Leben retten

Ein auf zwei Wochen befristetes, bundesweites Kontaktverbot für mehr als zwei Menschen auf der Straße - das ist eine vernünftige Lösung zur Eindämmung der Pandemie, weil sie verkraftbar ist. Eine...
Leipziger Strasse, Berlin
Foto: andre_berlin / CC0 (via Pixabay)

Geplante Reform verschärft die Lage im Immobilienmarkt

Möchten Hausbesitzer ihre Mehrfamilienhäuser umwandeln und die Wohnungen einzeln verkaufen, brauchen sie dafür künftig eine Genehmigung – so zumindest will es das Bundesjustizministerium. Entlastet...
Alle Spielplätze in Berlin sollen offen bleiben. Warum sind denn Schulen und Kitas geschlossen worden?
Foto: Mummelgrummel / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Erlassene Verfügungen die viele Menschen nicht interessieren.

Kennen Sie das Schild mit der Aufschrift "Vernünftige Menschen fahren hier nicht Rad, allen anderen ist es verboten", das in manchen Fußgängerzonen zu finden ist? Daran müssen sich aktuell die...
Das Primat der Gesundheit war notwendig, um so etwas Unvorstellbares wie den aktuellen Shutdown durchzusetzen.
Foto: Frankie Cordoba

Wie zurück?

Nein, wir haben noch keinen Beleg dafür, dass die einschneidenden Maßnahmen die Verbreitung des Coronavirus abgeflacht haben. Ja, die Bewährungsprobe steht uns erst noch bevor, wenn auch in...
Wir müssen uns als Verbraucher in den kommenden Monaten umstellen.
Foto: Simon Peel

Obst und Gemüse werden knapper und teurer

Das Lebensmittelangebot in den Supermärkten wird sich laut Bauernpräsident Joachim Rukwied in den kommenden Wochen und Monaten wohl spürbar ändern. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"...
Wie gut ist das Grundgesetz für den Stresstest durch eine Pandemie gewappnet?
Foto: Sharon McCutcheon

Das Grundgesetz hat die Seuche

Bochumer Völkerrechtler Pierre Thielbörger fordert klarere Regelungen für Einschränkung der Grundrechte beim inneren Notstand.
Markus Söder zog für den Freistaat zu Recht die Notbremse.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Söders Schritt ist richtig

Die rigiden neuen Ausgangsbeschränkungen in Bayern sind bitter - speziell auch für die Wirtschaft, deren Spielraum sich nun weiter verengt. Doch der harte Schnitt war unvermeidbar. Der Appell an die...
Back To Top