Donnerstag, 29 Okt 2020
Dank einer guten Entwicklung am Arbeitsmarkt steigt die Zahl der Menschen in Normalarbeitsverhältnissen.
Dank einer guten Entwicklung am Arbeitsmarkt steigt die Zahl der Menschen in Normalarbeitsverhältnissen. Foto: Michal Jarmoluk / CC0 via Pixabay
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Die Reichen in Deutschland werden immer reicher, die Armen verlieren den Anschluss: Diese weitläufige Wahrnehmung hat wenig mit der wirtschaftlichen Realität zu tun, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einem Faktencheck. Denn die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen hat in den vergangenen zehn Jahren nicht zugenommen – die Lohnungleichheit sinkt sogar.

Greta Thunberg
Foto: Lëa-Kim Châteauneuf / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Ein bisschen Greta

Nach Jahren der Lohnzurückhaltung steigen die realen Bruttolöhne in Deutschland zuletzt wieder stark an. Besonders erfreulich: Mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent haben die Bruttoerwerbseinkommen der unteren zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Zeitraum 2009 bis 2013 am stärksten zugelegt. Die reichsten zehn Prozent konnten ihre Einkommen im selben Zeitraum nur um 2,8 Prozent steigern. Insgesamt haben die Löhne seit 2012 real stärker zugelegt als die Arbeitsproduktivität. Eine Entwicklung, die auch Probleme mit sich bringen kann: „Die steigenden Kosten für die Unternehmen können die wirtschaftliche Dynamik dämpfen“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

Die Nettoeinkommen der Gesamtbevölkerung – also die Summe aller Erwerbs- und Kapitaleinkommen nach staatlichen Abgaben und zuzüglich Renten und Sozialtransfers – sind nahezu so gleich beziehungsweise ungleich verteilt wie 2005. Damit liegt Deutschland im Europavergleich im besseren Mittelfeld. Anders als vielfach vermutet, hat auch die Vermögensungleichheit in Deutschland zuletzt nicht weiter zugenommen.

Maßgeblich dazu beigetragen hat die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt. Seit 2006 erhöht sich der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse an der erwerbsfähigen Bevölkerung immer weiter. Mit 46,5 Prozent lag er im vergangenen Jahr auf dem höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Der Anteil der befristet Beschäftigten liegt bei rund 10 Prozent und ist seit Jahren rückläufig.

„Politik und Gesellschaft sollten die positiven Seiten der wirtschaftlichen Entwicklung wahrnehmen und nicht alles schwarz malen“, sagt Hüther. Insgesamt geht es den Deutschen inzwischen besser als noch vor zehn Jahren. „Dazu haben nicht zuletzt erfolgreiche Reformen wie die Agenda 2010 beigetragen.“



Quelle: IW Köln


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