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Die allgemeine Verunsicherung hat die Heimat erreicht. Der heimische Gartenzaun ist höher geworden. Der Rückzug ins Private, noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts Garant für das gute Gefühl der Geborgenheit, hilft vielerorts nicht mehr. Die Umwälzungen der globalisierten Welt - Klima, Finanzen, Terror, Flüchtlinge - erreichen nun, was lange sicher und unantastbar schien: Heim und Heimat, Familie und Verein, Dorf und Stadt.

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Meinungsforscher sprechen von einem Paradigmenwechsel. Was über lange Jahre galt, hat seine Gültigkeit verloren. Der Schutzraum Heimat, verklärt als heimatliche Idylle, schützt nicht länger vor Veränderung, vor Einflüssen von außen, vor Angriffen auf Wohlstand und Wohlbefinden. Viele verstehen die Welt nicht mehr, fragen sich, wie es weitergeht - für sie und ihr Umfeld. Die konkreten Sorgen der Bürger in Stadt und Land, so ergaben Umfragen unserer Zeitung, beziehen sich auf Fragen des Zusammenlebens: Wie sicher ist meine Stadt? Wo finde ich eine bezahlbare Wohnung? Gibt es Kitaplätze für meine Kinder / Enkel? Warum wird die Müllabfuhr schon wieder teurer? Wie kann ich mich gegen die neue Straße wehren?

Erwartet werden Antworten, nicht Ausflüchte. Das Ansehen der Politik hat seit dem Jahrtausendwechsel stark gelitten. Zu oft, so die Wahrnehmung, wird über den Kopf der Bürger hinweg entschieden. Zu wenig wird erklärt. Zu selten wird dem Bürger die Wahl gelassen, darf er mitentscheiden. Wie stark die allgemeine Verunsicherung ist, wird sich bei der Kommunalwahl im September 2020 zeigen. Wer die Welt im Kleinen wie im Großen nicht mehr versteht - das haben zuletzt die Wahlen in Thüringen und Sachsen gezeigt -, ist eher bereit, den Populisten seine Stimme zu geben. Wen Verlustängste umtreiben, der neigt eher dazu, Mauern der Abgrenzung und Ablehnung um sich herum zu errichten.

Wenn es der Politik nicht gelingt, durch Offenheit und Dialog Vertrauen zurückzugewinnen, droht eine Spaltung der Gesellschaft. Dabei sind es durchaus bürgerliche, vernunftbegabte Kreise, die in Gefahr stehen, den Rattenfängern dieser Zeit hinterherzulaufen. Sie folgen den Populisten, weil sie den Eindruck haben, bestimmte Themen und Probleme um Flüchtlinge oder Kriminalität würden von den Meinungsführern aus Gründen der politischen Korrektheit unterdrückt und aus Nachlässigkeit nicht angepackt. Wer sich einen solchen Reflex zu eigen macht, fördert genau das, was verhindert werden soll: Ängste und Fremdenhass.

Kritische Wortführer werden gern als Wutbürger diffamiert. Dabei sind viele von ihnen Ratlose. Sie kennen sich in der Heimat nicht mehr aus, fühlen sich zunehmend als Fremde im eigenen Land. Ihre Meinungsäußerungen werden kaum den Kriterien einer ausgewogenen, an Fakten orientierten Debatte gerecht. Und dennoch muss man sie und ihre Standpunkte ernst nehmen - weil sie Stimmungen wiedergeben und mit ihren Parolen ansteckend wirken können, weil ihre Themen zwar häufig unangenehm sind, aber nicht selten grundlegend. Die Wutbürger stellen den Heimatgedanken infrage und die Politik auf den Prüfstand. Für den Journalismus sind sie der Antrieb, noch nachfassender Bürgeranwalt zu sein.

Noch aber ist die Heimat nicht verloren. Zwar sind die Bürger zunehmend verunsichert. Sie fordern aber gleichzeitig Teilhabe ein. Sie wollen wissen, was vor Ort geschieht. Sie wollen erklärt bekommen, warum es geschieht. Sie möchten zu wichtigen Entscheidungen nach ihrer Meinung gefragt werden. Sie wollen mitbestimmen können.

Die Herausforderung für Entscheider wie Journalisten liegt darin, noch stärker Orientierung zu geben, wieder mehr Mut zu machen, vor allem aber den überlieferten Heimatbegriff neu zu definieren: Statt Rückzug in die private Idylle von Familie, Nachbarschaft und Verein Öffnung für ein Miteinander der Verantwortung.



Quelle: ots/Rheinische Post
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