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In Deutschland fehlen Frauen in Männerberufen – und umgekehrt

Immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, während auf dem Arbeitsmarkt junge Fachkräfte fehlen. Der jährliche Aktionstag Girls’Day bringt seit 2001 technische und naturwissenschaftliche Berufe näher – eine gute Initiative, denn in vielen dieser männertypischen Berufen fehlt der Nachwuchs. Doch auch in frauentypischen Berufen mangelt es an männlichen Fachkräften.

Geschrieben von Regina Flake, Paula Risius am . Veröffentlicht in Themen.
Foto: Yerson Retamal / CC0 via Pixabay

Immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, während auf dem Arbeitsmarkt junge Fachkräfte fehlen. Der jährliche Aktionstag Girls’Day bringt seit 2001 technische und naturwissenschaftliche Berufe näher – eine gute Initiative, denn in vielen dieser männertypischen Berufen fehlt der Nachwuchs. Doch auch in frauentypischen Berufen mangelt es an männlichen Fachkräften.

Die Sozialverbände klagen seit Jahren über Engpässe bei den Gesundheits- und Krankenpflegern sowie den Altenpflegern – Berufe, die als frauentypisch gelten. Gerade einmal 20 bis 25 Prozent der Schüler, die eine Ausbildung in diesem Bereich anfangen, sind männlich. Bei Erziehern, ebenfalls ein Beruf mit großen Engpässen, ist es sogar nur jeder fünfte. Seit 2011 findet deshalb parallel zum Girls'Day der bundesweite Boys'Day statt, der jungen Männern jene für sie neuen Berufe nahebringt, in denen der Anteil von weiblichen Beschäftigten besonders hoch ist.

Eine besondere Herausforderung, Männer in die typischen Frauenberufe in der Pflege zu bringen, sind die Einkommensperspektiven. Denn obwohl diese Berufe durch den demografischen Wandel immer wichtiger werden, lässt die Bezahlung zu wünschen übrig. Ohne Frage spielen Gehaltsperspektiven und Aufstiegschancen bei der Berufsentscheidung von Jugendlichen eine Rolle – bei jungen Männern noch mehr als bei jungen Frauen. Doch Geld ist für junge Menschen nicht alles. Studien zeigen, dass eine erfüllende und sinnstiftende Arbeit für viele Jugendliche genauso wichtig ist. Darauf müssen besonders Unternehmen im sozialen Bereich aufbauen und sich bei den Jugendlichen frühzeitig als attraktiver Arbeitgeber positionieren, wie eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) belegt.

Gerade eingefahrene Rollenklischees können nur langfristig aufgebrochen werden, deshalb brauchen die Chefs viel Ausdauer – und am besten Vorbilder. Unternehmen können zum Beispiel Mitarbeiter in die Schulen schicken, um über vermeintliche Frauenberufe zu informieren – und natürlich umgekehrt. Oder sie holen sich am Girls‘Day und Boys'Day den Nachwuchs direkt ins Haus. Für diese Aktionstage spricht, dass sich die Zahlen der Ausbildungs- und Studienanfängerinnen in technischen Bereichen seit Einführung des Girls'Days positiv entwickeln. Mit gut 21.000 Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften haben zuletzt so viele Frauen wie noch nie ein Technikstudium begonnen, belegte eine Langzeitstudie.



Quelle: IW Köln