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Katar Fußball-WM 2022: Ausbeutung von Arbeitsmigranten und die FIFA schaut zu

Neuer Amnesty-Bericht beweist, wie im Golfstaat Katar Tausende Arbeitsmigranten ausgebeutet werden, um die Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 aufzubauen. In einigen Fällen kommen die Arbeitsbedingungen in Katar Zwangsarbeit gleich. Der Fußballweltverband FIFA weiß von diesen Menschenrechtsverstößen und hat bisher dennoch dabei versagt, eine weitere Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu verhindern.

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Themen.
Foto: Origins of Doha Project / Flickr (CC BY 2.0)

Neuer Amnesty-Bericht beweist, wie im Golfstaat Katar Tausende Arbeitsmigranten ausgebeutet werden, um die Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 aufzubauen. In einigen Fällen kommen die Arbeitsbedingungen in Katar Zwangsarbeit gleich. Der Fußballweltverband FIFA weiß von diesen Menschenrechtsverstößen und hat bisher dennoch dabei versagt, eine weitere Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu verhindern.

Der neue Amnesty-Bericht „The Ugly Side of the Beautiful Game – Exploitation on a Qatar 2022 World Cup site“ zeigt, wie die Menschenrechte von Arbeitsmigranten in Katar systematisch verletzt werden. 234 Bauarbeiter und Gärtner, die am Khalifa-Stadion und im Sport- und Leistungszentrum am Stadion arbeiten, berichteten Amnesty in Interviews unter anderem davon, dass ihnen ihre Arbeitgeber ihre Pässe abnahmen, um zu verhindern, dass sie Katar vor Ablauf des Arbeitsvertrags verlassen. Bauarbeitern werden ihre Löhne mit bis zu sieben Monaten Verspätung ausgezahlt. Beschwert sich ein Arbeiter darüber, droht ihm sein Arbeitgeber, ihn ohne die ausstehenden Löhne des Landes zu verweisen. Schon im Mai 2015 hatte Amnesty die Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar scharf kritisiert. Seitdem hat die katarische Regierung wenig für eine Verbesserung der Arbeitssituation Tausender Arbeitsmigranten getan.

„Arbeitsmigranten in Katar sind einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, man kann in einigen Fällen auch von Zwangsarbeit sprechen“, sagt Regina Spöttl, Katar-Expertin bei Amnesty International in Deutschland. „Möglich gemacht wird dies durch das katarische Sponsorensystem Kafala: Jeder Arbeitsmigrant in Katar braucht einen Arbeitgeber als Sponsor. Ohne dessen Erlaubnis darf der Arbeiter weder seinen Job wechseln noch das Land verlassen“, erklärt Spöttl. Einige Arbeitsmigranten aus Nepal berichteten, dass ihnen nach dem Erdbeben im April 2015 die Heimreise verweigert wurde und sie deswegen nicht nach ihren Familien sehen konnten.

Amnesty rechnet damit, dass sich die Zahl der Arbeitsmigranten auf den WM-Baustellen in Katar in den nächsten zwei Jahren auf etwa 36.000 verzehnfachen wird. Bei etwa 90 Prozent der Arbeitsmigranten in Katar handelt es sich derzeit um Männer aus südasiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien oder Nepal. „Zwielichtige Arbeitsvermittler machen den Arbeitsmigranten in deren Heimatländern falsche Lohn-Versprechungen und verlangen hohe Gebühren von 500 bis 4300 US-Dollar für eine Arbeitsstelle in Katar. Das ist ein Verstoß gegen katarisches Recht, nach dem der Arbeitgeber solche Kosten zu tragen hat“, sagt Spöttl. „Viele Arbeitsmigranten verschulden sich, um die Gebühr der Arbeitsvermittler zu bezahlen. Einmal in Katar angekommen, bekommen sie dann deutlich weniger Lohn als versprochen, in einigen Fällen gerade mal die Hälfte.“

Amnesty fordert den Weltfußballverband FIFA auf, jetzt etwas gegen die Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu unternehmen. „Die FIFA muss sofort den Druck auf die katarische Regierung erhöhen, damit diese Reformen einleitet, um eine weitere Ausbeutung von Arbeitsmigranten zu verhindern. So muss das Sponsorensystem in seiner aktuellen Form abgeschafft werden“, sagt Spöttl. „Seit der Vergabe der Fußball-WM an Katar im Jahr 2010 hat die FIFA nicht genug gegen die menschenunwürdigen Bedingungen auf den WM-Baustellen getan. Wenn die FIFA jetzt nicht handelt, ist sie mitverantwortlich dafür, dass die Fußball-WM 2022 auf dem Rücken Zehntausender ausgebeuteter Arbeitsmigranten ausgetragen wird.“.



Quelle: Amnesty International