1 - 2 Minuten Lesezeit   384 Worte im Text   vor 228 Tagen

Kommunale Identität verhindert Populismus

Foto: Free-Photos / CC0 (via Pixabay)

Themen
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Kommunale Identität verhindert Populismus

.

Kommunale Identität ist ein entscheidender Faktor für soziales Engagement und politische Stabilität. Der Verlust kommunaler Identität bietet Nährboden für den Aufstieg populistischer Parteien. Das ergab die Studie "Stärkung kommunaler Identität" des ifo-Dresden im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Repräsentative Befragungen der deutschen Bevölkerung zwischen 1981 und 2017 zeigen: Die Verbundenheit der Bürger mit der örtlichen Gemeinde ("Kommunale Identität") ist ein wichtiger emotionaler Bezugspunkt in ihrem täglichen Leben. 40 Prozent der Deutschen fühlen sich besonders stark mit ihrer örtlichen Gemeinde verbunden. Sie identifizieren sich somit in gleichem Maß mit ihrer Gemeinde wie mit Deutschland als Nationalstaat.

Die kommunale Identität ist ein entscheidender Faktor für Toleranz, ehrenamtliches Engagement und die politische Stabilität vor Ort. Bürger, die sich mit ihrem Wohnort verbunden fühlen, gehen häufiger zur Kommunalwahl, interessieren sich mehr für Politik, sind stärkere Befürworter der Demokratie, wählen seltener populistische Parteien und engagieren sich stärker im Ehrenamt vor Ort.

Neue Gebietszuschnitte infolge von Gebietsreformen reduzieren die kommunale Identität erheblich. Insbesondere die großflächigen Gebietsreformen in Ostdeutschland haben zu einem signifikanten Verlust kommunaler Identität geführt. Verlieren die Bürger die emotionale Bindung zu ihrer Gemeinde, droht ein Rückgang von dringend benötigtem sozialem Engagement. Dieser Identitätsverlust könnte eine wichtige Erklärung für das Erstarken populistischer Tendenzen in Ostdeutschland sein.

Interkommunale Kooperationen als Alternative zu Gebietsreformen sollten laut der ifo-Forscher bevorzugt werden. Sie ermöglichen die Nutzung von Größenvorteilen und schonen gleichzeitig die kommunale Identität. Durch die Stärkung kommunalpolitischer Verantwortung kann die demokratische Teilhabe gefördert werden. So könnten relevante kommunale Entscheidungen in die Hände von Ortschaftsräten gelegt und diese politisch aufgewertet werden. Auch neue Formen demokratischer Teilhabe können die kommunale Identität stärken, wenn sie direkte menschliche Begegnungen vor Ort fördern.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit fordert einen Politikansatz, der die Vielfalt deutscher Kommunen stärkt. Ein "One-fits-all"-Regelungskorsett wird dem nicht gerecht. Insbesondere Regionen mit Bevölkerungsabwanderung sind auf Möglichkeiten für innovative Konzepte, Freiräume und Experimentierklauseln angewiesen.

Prof. Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, erklärt: "In der Politik wird die Verwurzelung der Bürger in der örtlichen Gemeinschaft weitgehend ignoriert, obwohl die kommunale Identität den leeren Versprechen der Populisten präventiv entgegenwirken kann. Der Stärkung der kommunalen Identität muss daher eine bedeutend größere Rolle in der aktuellen politischen Debatte zukommen."

Download Studie:
pdf Studie: Stärkung kommunaler Identität (435 KB)



Quelle: ots/Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Themen (Top 10/365)

  • Familiennachzug erreicht Obergrenze
    Dienstag, 26. Februar 2019

    Die Visa für den Familiennachzug von Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus haben inzwischen das vereinbarte Kontingent von tausend pro Monat erreicht. Im Rahmen des wieder eingeführten...

  • Enteignungen: Zu radikal, aber sexy
    Sonntag, 07. April 2019

    Berlin ist radikaler als der Rest der Republik - das zeigt die Initiative für ein Volksbegehren, die am Wochenende in der Hauptstadt ihren Anfang nahm. Die Aktion will große Wohnungskonzerne im...

  • Väter kümmern sich mehr um ihre Kinder
    Dienstag, 28. Mai 2019

    Mütter tragen zwar nach wie vor die Hauptlast der Kinderbetreuung, doch immerhin holen die Väter langsam auf. Eine gemeinsame Elternzeit könnte die Gleichstellung weiter fördern.

  • Gagen für Promi-Auftritte auf Ministeriums-Websites
    Montag, 20. Mai 2019

    Die Öffentlichkeitsarbeit von Ministern und Regierung in den sozialen Netzwerken gerät erneut in die Kritik. Grund sind Gagen, die Promis und Youtube-Stars für Gastauftritte auf...

  • Vonovia-Chef plädiert für ein Drittel Sozialwohnungen in Neubaugebieten
    Montag, 13. Mai 2019

    Vonovia-Chef Rolf Buch macht sich bei der Neuausweisung von Wohngebieten für einen festgeschriebenen Anteil von Sozialwohnungen stark. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte...

  • Kommunale Identität verhindert Populismus
    Mittwoch, 10. Juli 2019

    Kommunale Identität ist ein entscheidender Faktor für soziales Engagement und politische Stabilität. Der Verlust kommunaler Identität bietet Nährboden für den Aufstieg populistischer Parteien. Das...

  • Experten beklagen wachsende Pensionslasten
    Samstag, 02. März 2019

    Vor dem Hintergrund der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder mahnen Experten vor den Folgekosten. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen beklagte in der "Neuen...

  • UN-Behindertenrechtskonvention: Weniger Bürokratie, mehr Integration
    Dienstag, 26. März 2019

    Heute vor zehn Jahren trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Seither konnten mehr Menschen mit Behinderungen ins Arbeitsleben integriert werden – aber es gibt noch Luft...

  • Ausgaben der Bundeswehr für Nachwuchswerbung unverändert hoch
    Freitag, 07. Juni 2019

    Trotz Kritik sind die Ausgaben der Bundeswehr für die Nachwuchswerbung seit Jahren unverändert hoch. Die Gesamtausgaben dafür beliefen sich 2018 auf 34,5 Millionen Euro. Das war nahezu...

  • Astronautin Thiele-Eich hat als Schwangere Beileidsbekundungen erhalten
    Samstag, 30. März 2019

    Insa Thiele-Eich hat Beileidsbekundungen erhalten, als sie ihr Umfeld über ihre dritte Schwangerschaft informiert hat. "Eine Person war begeistert, der Rest betroffen bis tief bestürzt", sagt die...