Samstag, 08 Aug 2020
Foto: © Oliver Roesler / Lufthansa Bildarchiv, FRA CI/P
 1-2 Minuten Lesezeit  341 Worte im Text  vor 262 Tagen

Bettina Volkens erlebte am vergangenen Donnerstag einen rabenschwarzen Tag. Der gemeinsame Auftritt mit dem Funktionär der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, bereitete der Lufthansa-Personalverantwortlichen sichtbar Unbehagen. Die Annäherung diente damals aber einem guten Zweck, es war eine Schlichtung vereinbart worden, die den Lufthansa-Kunden weitere Streiks ersparen sollte. Weniger als eine Woche später ist der Burgfrieden schon wieder passé, Lufthansa hat die Schlichtung für einen Großteil der anhängigen Themen platzen lassen.

Bei Gemüse, Eiern oder Obst wie Äpfeln muss die Nachfrage durch Importe gedeckt werden. Das muss sich ändern.
Foto: Brea Miller / VIRIN: 110517-F-BS492-333

Dienstpflicht in Zeiten der Krise

Die Reaktion der Airline-Verantwortlichen ist verständlich, hatte sich die Gewerkschaft doch nicht darauf eingelassen, für die Dauer der Schlichtung Streiks in allen Lufthansa-Flugbetrieben auszuschließen. Volkens und ihre Kollegen mussten befürchten, dass es bei Lufthansa-Cityline oder Eurowings weiter zu Arbeitsniederlegungen kommt, was auch den Flugbetrieb bei der Kernmarke belastet hätte, für die verhandelt wird.

Grundsätzlich aber gilt, dass das Geschachere zwischen Lufthansa und Ufo schon lange über die üblichen Streitereien in einem Tarifkonflikt hinausgeht. Daran ist auch die Lufthansa nicht unschuldig, die in dem Konflikt mehrmals vor Gericht zog, wochenlang Verhandlungen verweigerte und einen Gewerkschafter vor die Tür setzte. Außerdem legte das Management einen Zickzackkurs hin, der seinesgleichen sucht. Erst wurde nicht verhandelt, weil die Gewerkschaft von einem nicht rechtmäßig bestellten Vorstand vertreten wird, gerade ist es wieder wurscht mit der Rechtmäßigkeit. An einem Morgen zog Lufthansa vor Gericht, um einen Streik zu verhindern, am Abend des gleichen Tages versuchte Konzernchef Carsten Spohr, Gewerkschaftsvertreter bei einem Spitzengespräch zu umgarnen - Zuckerbrot und Peitsche. Während Spohr vor wenigen Jahren bereit war, eine Streikwelle der Piloten auszusitzen und für seine Beharrlichkeit viel Lob bekam, wirkt er im aktuellen Tarifkonflikt eher planlos und überließ das Feld zu lange Kollegin Volkens.

Für die Personalvorständin könnte die Luft angesichts der Gemengelage in diesem Tarifstreit dünn werden. Zu ihrer Verteidigung muss gesagt werden, dass in kaum einem anderen deutschen Unternehmen mit so vielen mächtigen Spartengewerkschaften gerungen werden muss und zudem Ausstände weitreichende Folgen haben, weil es nur wenige Streikende braucht, um weite Teile des Flugbetriebs lahmzulegen. Um Volkens' Job dürfte sich daher kaum jemand reißen, das sichert ihr zunächst den Verbleib.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Back To Top