Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)
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Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht eine Lockerung des Pflichtzölibats in der katholischen Kirche als Ausdruck einer legitimen Dezentralisierung. "An einer Frage wie der Priesterweihe für verheiratete Männer wird sich jetzt entscheiden, wie konkret das werden darf", sagte Kohlgraf dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe und Online). Auf der am Montag (6. Oktober) in Rom beginnenden Amazonas-Synode soll unter anderem über die Möglichkeit der Priesterweihe für verheiratete Männer gesprochen werden. Papst Franziskus hat in dieser Frage Offenheit signalisiert. "Ich hielte verheiratete Priester in bestimmten Regionen weder für einen Angriff auf die Weltkirche noch auf das Priesteramt generell", betonte Kohlgraf.

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Der Bischof beklagte ein Auseinanderbrechen der christlichen Botschaft und der Lebenswirklichkeit der Menschen, und zwar auch der Menschen in der Kirche. "In der Außenwirkung der Kirche insgesamt ist es unbestreitbar, dass Menschen sie als nicht hilfreich erleben und sich von ihr distanzieren." Umso wichtiger sei es, "dass wir in der Kirche diese Kluft zur Realität wahrnehmen und sie zu schließen versuchen." Darin sehe er die Aufgabe des zuletzt so viel diskutierten "synodalen Wegs", eines von den deutschen Bischöfen angestoßenen Reformprozesses als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. "Ich werbe sehr dafür, den Weg nicht von vornherein schlecht zu reden, sondern ihn als Chance zu begreifen, dass die Themen auf den Tisch kommen, die jetzt dran sind. Sie zu ignorieren oder zu tabuisieren, wird uns nicht weiterführen", sagte Kohlgraf mit Blick auf eine vom Kölner Kardinal Rainer Woelki angeführten Minderheit unter den Bischöfen.

Entschieden setzte sich Kohlgraf, der seit 2017 Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann auf dem Bischofsstuhl von Mainz ist, für Änderungen der katholischen Sexualmoral und der Haltung zur Rolle der Frauen ein. "Der Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass es - abgesehen von den Essentials im Glaubensbekenntnis - nichts gibt, was in der Kirche nicht dem Wandel der Zeit unterworfen gewesen wäre." In der Sexualethik, so der frühere Professor für Pastoraltheologie, "rate ich zu größerer Gelassenheit und weniger Starre. Ein Weg für eine Fortentwicklung wäre, sich von der Fixierung auf den Geschlechtsakt zu lösen und stattdessen das Ganze einer Beziehung zu sehen."

Auch wenn am Ende des synodalen Wegs sicher nicht die Frauenordination stehen werde, halte er es für entscheidend, "dass wir uns auf die Erfahrungen und Denkweise derer einlassen, die in dieser Frage nach Bewegung und Veränderung rufen". Er habe den Aktivistinnen von "Maria 2.0", die eine Öffnung der Weiheämter für Frauen fordern, versprochen, ihr Unverständnis nach Rom weitergeben. "Wir schauen gemeinsam in dieselbe Richtung. Ich bekomme ja auch mit, dass der Unmut über den Ausschluss der Frauen von den Ämtern insgesamt so dominant ist, dass es schier unmöglich wird, zu anderen Fragen noch durchzudringen. Ganz ehrlich: Ich empfinde das als Lähmung für die Evangelisierung." Zudem, so Kohlgraf weiter, müsse er "schlicht konstatieren, dass die Einwände Roms gegen die Frauenordination vielfach nicht überzeugen. Und es reicht heutzutage einfach nicht mehr, zu sagen, 'Rom hat entschieden, und deshalb reden wir nicht mehr darüber'."



Quelle: ots/Kölner Stadt-Anzeiger
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