Freitag, 04 Dez 2020
Mario Draghi
Mario Draghi Foto: EU2017EE / CC BY 2.0 (via Flickr)
 1-2 Minuten Lesezeit  275 Worte im Text  vor 312 Tagen

Für viele Deutsche ist Mario Draghi ein rotes Tuch. Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) ist für sie der Mann, der die Sparzinsen schmelzen ließ und Lebensversicherungen wertlos machte. Dabei schwingt oft auch der Vorwurf mit, der Italiener habe nicht das Wohl der Eurozone im Blick, sondern das der südeuropäischen Länder, die nicht mit Geld umgehen können. Dass der Bundespräsident nun Draghi mit dem Verdienstkreuz ehren will, sorgt für Entrüstung. "Schlag ins Gesicht der Sparer", wettern Politiker von AfD, Union und FDP. Doch so schlicht ist die Sache nicht.

Laut Siedlungsministerin Zipi Hotoveli ist der Landraub ein von Gott gegebenes Recht.
Foto: Alan Kotok / CC BY 2.0 (via Flickr)

Gott oder Gesetz

Zwar ist richtig, dass die EZB mit ihren Billionen-schweren Anleihekäufen die Immobilienkrise verschärft und längst den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik hätte einläuten müssen. Trotzdem gibt es gute Gründe, Draghi zu ehren - für seine historischen Verdienste: Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise 2012 ging es nicht nur um Griechenland, damals wankten Banken und Staaten, die Währungsunion drohte zu zerbrechen. Mit seiner glaubwürdigen Ankündigung, man werde alles Notwendige tun ("whatever it takes"), um den Euro zu erhalten, nahm Draghi die Panik aus dem Markt. Er hat die junge Währung gerettet - auch für deutsche Sparer. Das erkennt selbst die Bundesbank an. Dass Investoren Griechenland heute wieder Kredite zum Zins von einem Prozent geben, war vor acht Jahren unvorstellbar. Die EZB sprang ein, als die Politik versagte. Draghis Rettungseinsatz verschaffte den Regierungen Zeit, die Euro-Krise strukturell zu lösen und die Webfehler der Währungsunion zu beseitigen. Dass die Politik diese Zeit zu wenig nutzte, ist nicht Draghis Schuld. Italien und Frankreich etwa haben bis heute keine großen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen geschafft oder drehen sie zurück. Die Wirtschaftspolitik hat keinen Orden verdient, Draghi schon.



Quelle: ots/Rheinische Post
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