Sonntag, 17 Jan 2021
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Dunja Hayali nennt es gegenüber "Zapp" die "Gretchenfrage": Wie können Medien Vertrauen zurückgewinnen? Denn jenseits von Hetze und "Lügenpresse"-Rufen kommen unterschiedliche Studien aus der jüngsten Zeit zu ähnlichen Ergebnissen.

Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
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Milliardengewinne der Tech-Riesen

Abgefragt wurde das Vertrauen in alle Medien - private und öffentlich-rechtliche Sender sowie Presse und Online-Medien. Bis zu 40 Prozent der Befragten verleihen in den Untersuchungen ihrer Medienskepsis Ausdruck und geben an, der Berichterstattung wenig oder keinen Glauben zu schenken, wobei sich die einzelnen Werte zum Teil deutlich unterscheiden. 18 Prozent der Befragten halten z. B. das öffentlich-rechtliche Radio für weniger glaubwürdig, aber 86 Prozent die Boulevardpresse. Der Kommunikationswissenschaftler Matthias Kohring hat die Umfragen für "Zapp" analysiert. Selbst unter Berücksichtigung methodischer Kritik bewertet er die Ergebnisse eindeutig: "Selbst wenn man die Fragestellung mitberücksichtigt, die manchmal etwas dramatisierend ist, glaube ich schon, dass man diesen Befund ernstnehmen muss."

Parallel dazu hat sich im Internet und den Sozialen Netzwerken eine große "Gegenöffentlichkeit" etabliert. Viele geteilte Berichte und Posts erlangen schnell Wahrheits-Status, auch wenn sie sich später als unhaltbare Gerüchte herausstellen. Aber auch Fehler in der Berichterstattung der Massenmedien werden hier schnell aufgedeckt - und häufig gnadenlos an den Pranger gestellt.

Und wie reagieren die Medien? "Zapp" hat bereits im Dezember 2014 ausführlich über das Thema berichtet und dazu eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben. Was hat sich seit damals verändert?

Wie der Journalismus Vertrauen wiedergewinnen kann, ergründet "Zapp" am 17. Februar. Ulrik Haagerup, Nachrichtenchef des dänischen Rundfunks (DR), hat sich dem Thema Glaubwürdigkeit verschrieben. Er plädiert für eine neue Fehlerkultur: "Wenn sich früher jemand beschwert hat und wir wussten, er hat Recht, haben wir versucht, den Fehler klammheimlich zu korrigieren. Wir dachten, es schadet unserer Glaubwürdigkeit, wenn jemand merkt, dass wir Fehler machen. Aber die Wahrheit ist: Die einzigen, die keine Fehler machen, sind diejenigen, die gar nichts machen. Also müssen wir sagen: Natürlich machen wir Fehler. Wir arbeiten an einer Kultur, in der das selbstverständlich ist."

Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des "Spiegel", hält einen Kulturwandel unter Journalisten für notwendig: "Wir müssen die Kritik annehmen, wir müssen nach meinem Gefühl auch anders erzählen. Anders erzählen bedeutet eine andere Sprache, Raum für Zweifel lassen." Matthias Kohring fordert: "Dieser hierarchische Anspruch, dieses Auftreten, dieses Ich-weiß-es-besser, das muss abgelöst werden durch eine gleichberechtigte Beziehung."

Neben Klaus Brinkbäumer und Ulrik Haagerup kommen die aktuelle Gewinnerin der Goldenen Kamera und ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille, der stellvertretende Chefredakteur sowie Leiter des Politikressorts der "Zeit" Bernd Ulrich, der Chefredakteur von ARD-aktuell Kai Gniffke und der stellvertretende Chefredakteur von "WeltN24" Ulf Poschardt zu Wort.

Sendung: Mittwoch, 17. Februar, 23,10 Uhr, NDR Fernsehen

Mehr Informationen zur Sendung unter www.NDR.de/zapp



Quelle: NDR


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