Bild: David Mark / CC0 via Pixabay
 1-2 Minuten Lesezeit  352 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Eine in der Wirtschaftswoche veröffentlichte Studie des DIW Berlin warnt vor einer schrumpfenden Mittelschicht und amerikanischen Verteilungsverhältnissen in Deutschland. Doch der Hauptbefund bezieht sich auf eine Entwicklung, die mehr als zehn Jahre zurückliegt – und die Ungleichheitsniveaus in Deutschland und den USA unterscheiden sich noch immer massiv.

Trump hat seine Parole "America First" bereits am ersten Amtstag umgesetzt: Er kündigte umgehend das Transpazifische Abkommen.
Foto: The White House / Public Domain (via Flickr)

Mehr Ehrlichkeit statt Populismus

Laut einer Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) hat die Mittelschicht in Deutschland seit der Wiedervereinigung von 60 Prozent auf 54 Prozent abgenommen. Doch dieser Prozess vollzog sich vor allem um die Jahrtausendwende: Seit 2005 – also seit einem Jahrzehnt – gibt es in Deutschland annähernd stabile Verhältnisse, was die Verteilung angeht. So zeigt auch die DIW-Studie, dass sich die Größe der Mittelschicht zwischen 2011 und 2013, dem Jahr der jüngsten Daten, nicht verändert hat.

Ebenso überrascht die Nähe der Verteilungsbefunde für Deutschland und die USA. Denn laut OECD lag der Gini-Koeffizient der Gesamteinkommen – vor Abgaben, aber inklusive aller staatlichen Transfers – in den USA im Jahr 2012 bei 0,49, in Deutschland aber nur bei 0,35. Der Gini-Koeffizient ist das gängigste Maß zur Beurteilung der Einkommensverteilung. Er kann zwischen null und eins liegen. Null bedeutet, dass alle gleich viel verdienen, eins bedeutet, dass das gesamte Einkommen einer einzigen Person zufällt. Demzufolge belegen seine Werte zweifelsfrei, dass zwischen dem Ungleichheitsniveau in den USA und in Deutschland nach wie vor Welten liegen.

Dennoch wird die Studie und die alarmistische Berichterstattung über sie wohl den Trend verstärken, dass die Bevölkerung glaubt, die Mittelschicht schrumpfe kontinuierlich: Schon im Pew Global Attitudes Survey im Jahr 2013 gaben 88 Prozent der Deutschen an, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in den vergangenen fünf Jahren hierzulande geöffnet hat. In Wahrheit untermauern allerdings weder Indikatoren der Einkommens-, noch der Vermögensverteilung entsprechende Befunde für diesen Zeitraum.

Die seit 2005 nicht mehr zu beobachtende Abnahme der Mittelschicht ist nicht zuletzt der positiven Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung zu verdanken. Sie hat die Sorgen der Mittelschicht deutlich verringert: Machten sich 2005 noch rund ein Viertel der Angehörigen der Mittelschicht große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation, waren es 2013 nur noch knapp 13 Prozent – der geringste Wert seit der Wiedervereinigung.



Quelle: IW Köln


#mehrNachrichten
Wenn Klimaschutz lediglich auf dem Papier stattfindet, ist das staatlich subventionierter Klimabetrug.
Foto: Goran Horvat

Bund zahlt halbe Milliarde Euro Förderung für Hybrid-Autos

Die Bundesregierung hat Kauf oder Leasing von sogenannten Plug-in-Hybridfahrzeugen in den vergangenen fünf Jahren mit mehr als einer halben Milliarde Euro subventioniert. Seit 2016 wurden bei...
Profitstreben und Pflege vertragen sich nicht gut. Gespart wird am Menschen.
Foto: Mufid Majnun

Ein krankes System: Die Pflege-Branche ist selbst ein Pflegefall

Mangel an Fachpersonal, mitunter niedrige Löhne und harte Arbeitsbedingungen - schon vor Corona waren die Probleme in der Pflege bekannt. Die Pandemie hat diese lange bekannten Probleme verschärft,...
"Bürgermeister daran messen, was er real leistet" - Linken-Politikerin greift SPD-Chefin Esken scharf an - Neben Kritik auch Lob für "Querdenker"
Foto: DIE LINKE / CC BY 2.0 (via Flickr)

Wagenknecht verteidigt Palmer und ist offen für Koalition mit den Grünen

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat den umstrittenen Tübinger Bürgermeister Boris Palmer gegen den Vorwurf in Schutz genommen, ein Rassist zu sein. Wagenknecht sagte der "Neuen Osnabrücker...
Bislang verfestigen die jüngsten Konjunkturindikatoren das Bild einer zweigeteilten deutschen Wirtschaft.
Foto: Cameron Venti

Achterbahn Konjunktur

Bergauf, bergab, dann geht es in die eine Richtung, gefolgt von der Kurve in die entgegengesetzte. Einer solchen Achterbahnfahrt gleicht die Konjunkturbetrachtung, seit sich das Coronavirus von...
Natur- und Umweltschutz und eine echte sozial-ökologische Wende funktionieren nur dann, wenn alle Menschen mitgenommen und niemand zurückgelassen wird.

Klimaschutzgesetz darf soziale Fragen nicht ignorieren

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, mahnt die Bundesregierung, bei der Neufassung des Klimaschutzgesetzes die sozialen Aspekte nicht zu vergessen. Schneider...
ThyssenKrupp Quartier in Essen
Foto: Armin von Preetzmann / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Geduldsprobe: Thyssenkrupp

Verkehrte Welt: Thyssenkrupp hat mit Rückenwind von der Konjunktur das zweite Quartal mit einem stolzen operativen Gewinn abgeschlossen und vor diesem Hintergrund die Prognose zum zweiten Mal in...
Es brauche nun "klare Kriterien dafür, wann für wen die Freiheit zurückkehren kann", betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Mützenich attackiert Baerbock, will Freiheit für Geimpfte und das Zwei-Prozent-Ziel der Nato muss weg

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat eine rasche Aufhebung der Corona-Beschränkungen für Geimpfte gefordert. "Das muss zügig kommen, denn wir sollten uns die Entscheidung darüber nicht von den...
Back To Top