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Frankfurt (ots) - Beschimpft, bepöbelt, bedroht: "Spiegel Online"-Reporter Hasnain Kazim muss sich täglich gegen rassistische Anfeindungen wehren. Im Titelinterview des "medium magazins" erzählt Kazim, wie er und viele andere Kollegen mit nichtdeutschen Namen damit umgehen.

Ein Opfer der Bombe in Hiroshima (7. August 1945)
Foto: Onuka, Masami

Kommentar zum Jahrestag von Hiroshima

"Es ist Teil meines Jobs, dass ich kritisiert werde, aber es ist nicht Teil meines Jobs, Morddrohungen zu bekommen und das unwidersprochen hinzunehmen", sagt er. "Es gibt schon Momente, wo man sich fragt, warum man sich das alles antut. Gerade, wenn einem die Leute ihre Mordfantasien schreiben."

Die Boshaftigkeit der Kommentatoren kennt laut Kazim keine Grenzen. "Mir schrieb kürzlich einer, er würde mich am liebsten in der Gaskammer sehen oder als Rauch, der aus einem Schornstein aufsteigt", berichtet Kazim. Nicht erst seit Pegida sei Alltagsrassismus in Deutschland ein Thema. Ein Tiefpunkt sei mit dem Erfolg des Sarrazin-Buchs "Deutschland schafft sich ab" erreicht worden. Eine gewisse Mitschuld gibt Kazim auch der medialen Berichterstattung: "Ich denke aber, dass auch die Medien selbst oft über die Stränge geschlagen haben, was den Umgang mit Zuwanderung und die Darstellung des Islam angeht. Anstatt differenzierter Betrachtung immer dieses Dunkle, Böse."

Der Istanbul-Korrespondent Kazim will sich nicht unterkriegen lassen und natürlich weiter publizieren: "Auch die Möglichkeit, mehr im Redaktionellen zu arbeiten, also ein Stück weit aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden, ist für mich keine Option, denn dann würde ich mich verstecken", sagt Kazim im "medium magazin"-Titelinterview. Seine Strategie: Lernen, die Anfeindungen auszuhalten und darüber reden. Kazim macht dies als Teil der Hassmail-Lesungen "Hate Poetry", die deutschlandweit stattfinden.

Mit Sorge betrachtet er die medienfeindliche Stimmung in Teilen der Gesellschaft: "Wer den Lügenpresse-Vorwurf wie ein Schild vor sich herträgt, ist für uns vielleicht tatsächlich verloren. Wer sich nur noch in Nebenöffentlichkeiten wie Facebook oder Twitter bewegt, ist komplett meinungsgesteuert."



Quelle: "medium magazin" 03/2015, Seiten 16-19


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