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Langsam lichtet sich das Dunkel über der Tat von München und allmählich schält sich heraus, was den 18-jährigen David S. dazu trieb, neun Menschen kaltblütig zu erschießen. Je näher wir der Wahrheit kommen, desto klarer wird, dass der Chor derer, die politische Konsequenzen nach den Schüssen von München fordern, schlicht daneben liegt.

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Bundesjustizministerin sieht kein "strukturelles Rassismusproblem" bei Polizei

Weder schärfere Waffengesetze noch ein Einsatz der Bundeswehr im Inneren zur Terrorabwehr lassen sich aus dem Amoklauf von München ableiten. All das hätte die Tat nicht verhindert, keines der Opfer wäre dadurch gerettet worden. Thomas de Maizière, Joachim Herrmann oder Sigmar Gabriel verdeutlichen letzten Endes nur die Hilflosigkeit der Politik gegenüber einem verstörten und offensichtlich psychisch kranken Einzeltäter. Wir wollen, wir müssen etwas tun, scheint die Devise. Nutzen wird es am Ende gar nichts. Unsere Gesetze sind nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden längst verschärft worden. Gegen die kriminelle Beschaffung einer Waffe im kaum kontrollierbaren Darknet, wie es offensichtlich David S. getan hat, bleiben sie ohnehin wirkungslos. Es gibt keine Patentrezepte, keine Formel oder gar Gesetze, die die Radikalisierung eines solchen Attentäters verhindern könnten.

Hunderttausende Jugendliche wachsen in Deutschland in ähnlichen Verhältnissen wie David S. auf. Sie sind fasziniert von den gleichen Egoshooterspielen, schauen die gleichen TV-Serien, sind tagtäglich mit virtueller Gewalt konfrontiert. Dennoch werden sie nie zu Tätern. Es bedarf endlos vieler Puzzleteile, bis aus einem unauffälligen jungen Menschen ein potenzieller Attentäter wird, der fähig ist, eine so unendlich grausame Tat wie David S. zu begehen. Selbst die so oft beschworene Prävention ist an dieser Stelle überfordert. Sie kann nur helfen, Verhaltensweisen zu deuten und erste Symptome zu entschärfen. Dazu muss sie aber auch die Betroffenen erreichen - was oft nicht gelingt.

David S. drehte dieses Prinzip sogar um: Das bei ihm gefundene Buch "Amok im Kopf" beschreibt die Psyche von "Schoolshootern" und soll helfen, sie zu verstehen und eben diese Taten zu verhindern. Der junge Deutsch-Iraner nutzte offensichtlich dieses Werk, um die Schüsse von München vorzubereiten. Ein eindeutiges Erklärungsmuster wird es für diese Tat nicht geben und deshalb ist es so schwer, mit ihr umzugehen. Wir alle - Eltern, Pädagogen, Freunde - sind aufgefordert, genauer hinzusehen. Wenn jemand stumm wird, sich von allem abwendet, sich zurückzieht. Diese Pflicht kann uns kein Gesetz abnehmen.



Quelle: ots/Südwest Presse


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