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Willi Germund, Journalist und Ostasien-Korrespondent, veröffentlicht ein Buch "Niere gegen Geld". Dort beschreibt er seine Motive und den Weg zur Transplantation einer Niere. Eine Niere, die er von einem Afrikaner gekauft hat. In den letzten Wochen wurde hierüber mehrfach in den Medien berichtet, u. a. bei "Markus Lanz" im ZDF (Sendung vom 15.01.2015), im "Stern" (Ausgabe vom 29.01.2015) und in der ARD "Brisant" (Sendung vom 16.02.2015).

In den nächsten Tagen und Wochen gilt es, die Ursachen für das Ergebnis zu analysieren.
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Erst einmal tief Luft holen

Das Handeln von Organen ist nach deutschen Gesetzen verboten. Dies gilt auch für Deutsche, die im Ausland leben. Die IGN (Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e. V.) hat deshalb am 12.02.2015 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Verden (Aller) gegen Willi Germund gestellt

Ohne Zweifel empfand Willi Germund seine Perspektive als aussichtslos. Die privaten und beruflichen Konsequenzen einer längeren Dialysebehandlung erschienen ihm wahrscheinlich unerträglich. Die Erhaltung seiner beruflichen und persönlichen Unabhängigkeit war ihm derartig wichtig, dass eine legale Nierentransplantation mit der damit verbundenen Wartezeit für ihn nicht in Frage gekommen ist.

Völlig ausgeblendet hat er dabei die erheblichen Risiken, die sein Spender/Verkäufer eingegangen ist. Willi Germund gibt den Betrag von 30.000 € an, den er an den Verkäufer der Niere, den er "Raymond" nennt, über einen Organhändler gezahlt haben will. Er hoffte, sich ein Stück Gesundheit kaufen zu können, dies jedoch zu Lasten der Gesundheit eines ärmeren Menschen.

Für Raymond ist nicht nur das gestiegene Risiko nierenkrank zu werden und dadurch eine Dialysebehandlung zu benötigen - in Afrika wahrscheinlich ein Todesurteil -, sondern es sind weitere nicht unerhebliche Folgen, die der Verlust einer Niere mit sich bringen kann. Als Interessenvertreter der ansonsten lobbylosen Nierenlebendspender weist die IGN seit Jahren darauf hin, dass der Nierenverlust mit weiteren Risiken einhergeht. Risiken, die sich häufig bestätigen.

Nahezu 50 % der Nierenlebendspender leiden an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Erfassungsjahr 2010 wurde bei 20 % der Nierenlebendspender innerhalb eines Jahres nach der Spende ein behandlungsbedürftiger Bluthochdruck diagnostiziert. Mindestens ein Drittel der Spender ist niereninsuffizient. Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt dramatisch. Die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit steigt nach einer aktuellen Studie von 2014 aus Norwegen um bis zu 40 %. Immer mit einer gesunden spendenfähigen Population verglichen und nicht mit der üblichen, aber falschen "Allgemeinbevölkerungsvergleichsmethode".

Die Risiken betreffen sowohl Nierenlebendspender, die gesetzeskonform einem nahestehenden nierenkranken Menschen eine Niere schenken, als auch Organverkäufer auf dem internationalen Organschwarzmarkt. Jedoch kommen Organverkäufer häufig aus Regionen, in denen im Krankheitsfall die nötige Versorgung nicht möglich ist. Diese Menschen bereuen regelmäßig ihren Verkauf der Niere… allerdings zu spät.

Wer die oftmals schlechte wirtschaftliche Situation dieser Menschen skrupellos ausnutzt, sei es um sich zu bereichern, sei es die eigene Gesundheit höher zu bewerten, als die der Verkäufer, macht sich strafrechtlich und ethisch schuldig.

Selbst ein geregelter, legaler Organmarkt, wie er immer wieder von einzelnen Stimmen gefordert wird, würde am Ende eine Vielzahl von kranken, teilweise früher sterbenden Nierenverkäufern hinterlassen, die ebenfalls aus wirtschaftlicher Not diesen Schritt, ohne auf die Folgen zu achten, gehen würden.

Die IGN verurteilt jede Form von Organhandel. Für die IGN ist nur die freiwillige Spende unter sich tatsächlich emotional verbunden Menschen eine mögliche Alternative zur Dialyse. Die gesundheitlichen Folgen müssen aber immer bedacht werden. Hier ist nach Meinung der IGN eine deutlichere Aufklärung notwendig.

Quelle: IGN


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