Foto: Facebook Seite Polizei Hannover
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Information und Imagepflege, aber auch Unterhaltung und neuerdings sogar der Kampf gegen „Fake News“: Die Polizei baut ihre Präsenz in sozialen Netzwerken rasant aus. Bundesweit betreiben Polizeibehörden bereits 331 Profile, darunter 159 offizielle Twitter-Accounts, 138 bei Facebook, 25 bei Instagram, acht bei Youtube und einen bei Snapchat.

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Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

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Das hat eine Umfrage des NDR Medienmagazins „Zapp“ bei Ländern, BKA und Bundespolizei ergeben. Die Polizei beschäftigt dafür bundesweit bereits mehr als 80 Social-Media-Manager, die sich ausschließlich um die Pflege und den Ausbau zentraler Profile kümmern.

In Niedersachsen zeigt sich, wie strategisch die Polizei soziale Netzwerke bespielt: Unter dem Stichwort „Social Community Policing“ sind bereits zwölf Beamte mit persönlichen Profilen im digitalen Einsatz – weitere sollen bald folgen. Auf diesem Weg sollen die Polizisten für Bürger direkt ansprechbar sein, aktuelle Informationen vermitteln und Präventionsarbeit leisten. Darüber hinaus sollen sie in den sozialen Netzen gezielt Ausschau nach „Fake News“ aus ihrer Region halten, vor allem wenn es um Gerüchte geht, die die Polizei selbst betreffen.

Es gehe darum „sichtbar zu sein und auch mal zu sagen: Mensch, diese Diskussion, die ihr gerade in dieser öffentlichen Gruppe führt, da redet ihr über einen Sachverhalt, den gibt es bei der Polizei nicht oder das stellt ihr komplett falsch dar", erklärt Thorsten Massinger von der zentralen Polizeidirektion Niedersachsen gegenüber „Zapp“. "Welche Inhalte gepostet werden, da lassen wir den Behörden freien Spielraum. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", ergänzt seine Kollegin Franziska Santhiralingam.

Doch das Engagement in den sozialen Netzen stößt auch auf Kritik.

Der Polizei- und Konfliktforscher Dr. Peter Ullrich von der Technischen Universität Berlin bemängelt, dass es für den zunehmenden Einsatz der Polizei in sozialen Netzwerken bislang keine klaren Regeln gebe, viele Aktionen seien reine PR: "Mit Bildern von Hunden, Katzen und geretteten Vögeln, die aus dem Nest gefallen sind, wird ein Bild gezeigt, das mit der Organisation und ihren Aufgaben wenig zu tun hat."

Im Alltag sei die Polizei vor allem mit Konflikten und Problemen beschäftigt, die sie selbst kaum thematisiere. So werde die Polizei bei Auseinandersetzungen etwa im Umfeld politischer Demonstrationen oft selbst zur Konfliktpartei. „Damit kommt die Polizei ganz schnell in eine Position, wo sie nicht mehr neutral ist.“ Wenn dann adhoc nicht abgesicherte Einschätzungen verbreitet würden, sei das problematisch.

Für Ullrich sind soziale Netzwerke für die Polizei zwar grundsätzlich ein legitimes Betätigungsfeld. Gegenüber „Zapp“ mahnt der Forscher jedoch „immense Zurückhaltung“ an: „Ich glaube, dass der Kommunikationsstil des Mediums in so starkem Widerspruch zur Sachlichkeit und zum Neutralitätsgebot steht, dass die Polizei Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Das bedarf wahrscheinlich gesetzlicher Regelungen."

Mehr zum Thema im Medienmagazin „Zapp“ am Mittwoch, 5. September, um 23.20 Uhr im NDR Fernsehen



Quelle: NDR


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