Dienstag, 11 Aug 2020
Foto: Maksym Rudek / CC0 (via Pexel)
 2-4 Minuten Lesezeit  652 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Mehr als fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod des 35-jährigen Daniel H. am Rande des Chemnitzer Stadtfestes werden jetzt neue Details über den mutmaßlichen Tatablauf aus der Anklageschrift bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ könnte es bei dem tödlichen Streit um Kokain gegangen sein. Der Hauptverdächtige Farhad A. soll unter Drogeneinfluss gestanden haben, aber auch Daniel H. soll Kokain konsumiert haben. Die Anklage stützt sich offenbar im Wesentlichen auf einen Belastungszeugen, der mittlerweile bedroht werden soll. Viele Fragen konnten die Ermittler scheinbar bislang nicht klären. Der tödliche Vorfall am 26. August 2018 hatte in Chemnitz eine Reihe ausländerfeindlicher Demonstrationen ausgelöst, die bundesweit für Aufsehen sorgten. Farhad A. ist seit der Tat auf der Flucht.

Deshalb sollten die Investoren hellhörig werden, wenn die Deutsche Bank ankündigt, ihre Kapitalplanung zumindest temporär außer Acht zu lassen.
Foto: Jasmin Sessler

In die Vollen

Nach einer Zeugen-Aussagen soll der Hauptverdächtige Farhad A. in der Tatnacht unter dem Einfluss von Drogen gestanden haben. Gegen 3 Uhr nachts soll er das spätere Opfer Daniel H. angesprochen und nach einer „Karte“ gefragt haben. Dabei soll er sich mit einem Finger an die Nase gefasst und hörbar eingeatmet haben, also offenbar Kokainschnupfen vorgespielt haben. Beim Opfer Daniel H. soll die Rechtsmedizin ebenfalls Kokainkonsum in kleinen Mengen festgestellt haben. Ob sich Täter und Opfer kannten, hat die Polizei offenbar nicht klären können.

Farhad A. habe Daniel H. umarmt und etwas mit ihm besprochen. Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ sei es dabei zu einem Streit gekommen, in dessen Folge Farhad A. zu Boden ging. Der syrische Flüchtling Alaa S. sei Farhad A. daraufhin zur Hilfe geeilt und gemeinsam hätten sie dann Daniel H. mit jeweils einem Messer attackiert. Ob der nun angeklagte Alaa S. aber tatsächlich ein Messer bei sich hatte, erscheint strittig.

Die Polizei fand nur ein Messer, darauf waren DNA-Spuren des späteren Opfers Daniel H. Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ sollen sich auf diesem Messer keine Spuren des angeklagten Alaa S. finden. Die Obduktion soll kein eindeutiges Ergebnis in der Frage erbracht haben, ob bei der Tat ein oder zwei Messer verwendet wurden.

Alaa S. bestreitet die Tat. Belastet wird er durch die Aussagen eines Zeugen. Strittig scheint allerdings, was der Zeuge genau beobachtet haben will und was er der Polizei schilderte. Er soll 50 Meter vom Tatort entfernt gestanden haben. Ein Messer habe er nicht gesehen, so der Zeuge, aber Schlagbewegungen. Die Dolmetscher jedoch, die seine Aussage gegenüber der Polizei übersetzten, sagen, er habe in seinen ersten Aussagen ausdrücklich von „Stechen“ gesprochen. Das allerdings bestreitet der Zeuge heute energisch. Er habe nicht von Stichen gesprochen, sondern immer nur von Schlägen. Dennoch belastet der Zeuge den inhaftierten Alaa S. schwer. Alaa S. habe an dem Angriff gegen Daniel H. teilgenommen, soll er ausgesagt und ihn auf Fotos identifiziert haben.

Daraufhin soll der Zeuge unter Druck gesetzt worden sein. Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ hat er bereits im September Anzeige bei der Polizei erstattet. Bekannte von Alaa S. hätten ihn an seiner Arbeitsstelle aufgesucht und ihm ausgerichtet, dass er im Sarg in seine Heimat zurück geschickt werde. Unter anderem sei er mit einem Stuhl geschlagen worden. Er lebe in große Angst und Panik.

Derzeit liegt die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Alaa S. beim Landgericht in Chemnitz, das nach Angaben einer Sprecherin in den kommenden Tagen entscheiden wird, ob es die Anklage zulässt und den Prozess im März eröffnet.

Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ hat eine Anwältin von Alaa S. die Verlegung des Prozesses in ein anderes Bundesland beantragt. Ihrer Ansicht nach sei die öffentliche Sicherheit gefährdet, wenn der Prozess in Sachsen, Thüringen oder Brandenburg eröffnet werde. Sie befürchtet, dass es zu „massiven Protestaktionen“ kommen könnte, wenn der Prozess wie geplant in Chemnitz stattfinde. Rechte Gruppierungen und Parteien würden den Prozess gegen den tatverdächtigen syrischen Flüchtling Alaa S. dazu benutzen, Wahlkampf für die Bundesländer Sachsen, Thüringen und Brandenburg zu betreiben.

Die Anwältin wollte sich auf Anfrage nicht äußern, ebenso wenig wie Oliver Marson, der Pflichtverteidiger von Alaa S.



Quelle: NDR


#mehrNachrichten
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Back To Top