Foto: Frankie Fouganthin / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  548 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Hunderttausende in Deutschland, Millionen Menschen weltweit protestieren für eine bessere Klimapolitik: Der 20. September fühlte sich an wie ein Höhepunkt der Fridays for Future-Bewegung. Und es ging weiter: Greta Thunberg, Gesicht und Stimme der Bewegung, redete zur Eröffnung des UN-Klimagipfels, soll den alternativen Nobelpreis bekommen und ist sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Was kann da noch kommen?

Der Gesundheitsminister hatte den Entwurf einer Verordnung in die Ressortabstimmung gegeben, der systematische Corona-Tests vorsieht.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Corona-Massentests kosten bis zu 7,6 Milliarden Euro in diesem Jahr

Die Geschichte der Bewegung ist so unwahrscheinlich wie erstaunlich: ein 15-jähriges Mädchen beschließt im Spätsommer 2018, nicht zur Schule zu gehen, sondern vor dem schwedischen Parlament "für das Klima" zu demonstrieren. Sie trifft einen Nerv, die Medien berichten, weltweit finden sich Nachahmer. Auch in Deutschland, wo die öffentliche Debatte sich zunächst weniger mit den Zielen der Bewegung als mit ihrer Form beschäftigt. Dürfen Schüler für politische Ziele streiken? Und ist das sinnvoll? Bis heute prägt die Frage, welche Formen jugendlichen Engagements sowohl sozialadäquat als auch erfolgversprechend sind, die Diskussion rund um Fridays for Future. Und das ist nicht der einzige Diskurs auf Metaebene, der sich rund um die Bewegung entsponnen hat: Die grundsätzliche Frage, wie sich radikale Ziele gewaltfrei vertreten lassen, ist zu einer Kernfrage der Bewegung geworden. Aus der sich auch die so unterschiedliche Bewertung der Thunberg-Rede vor den UN ableiten lässt: Wie viel Emotionalität ist einer Sache dienlich? Ist es die nüchterne Präsentation von Fakten, die Skeptiker überzeugt? Oder sind Wut und Verzweiflung angebrachter? Und: Wie ist mit Hass und Häme in den sozialen Netzwerken umzugehen?

Damit hat die Bewegung spannende Fragen aufgeworfen. Das allein ist bereits ein großes Verdienst. Doch auch in ihrem Kernanliegen ist die Bewegung erfolgreich. Klimawandel ist zum Tagesthema geworden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über Dürre, Überschwemmung, Gletscherschmelze oder Waldsterben berichtet wird. Die Allgegenwärtigkeit des Themas bringt den einzelnen zum Nachdenken und erhält den Druck auf die Politik. Damit hat Fridays for Future, auch wenn sie noch weit vom Erreichen ihrer eigentlichen Ziele entfernt ist, schon auf mehreren Ebenen viel erreicht. Doch die Omnipräsenz des Themas birgt auch die Gefahr des Überdrusses: Manch einer winkt schon jetzt genervt ab, wenn von CO2 die Rede ist. Und das spielt all jenen in die Hände, die den Klimawandel für ein Naturphänomen und Fridays for Future für eine Greta-Religion halten. Wenn die Fridays-for-Future-Bewegung momentan auf dem Höhepunkt steht, dann entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob sie sich dort wird halten können. Es wird schwerer werden: Das revolutionäre Element des Schulstreiks verliert an Wirksamkeit, je mehr es zur Routine wird.

Manch einer, der aus Spaß an der Provokation dabei war, wird die Motivation verlieren. Und angesichts des vom Bundeskabinett frisch beschlossenen Klimapakets wird auch der Gegenwind all jener stärker werden, die die Ziele der Bewegung für überzogen halten. Viel hängt daher jetzt von den vielen kleinen, lokalen Gruppen ab. Denen muss es gelingen, den Schwung der globalen Bewegung zu nutzen, um konkreten, lokalen Zielen Nachdruck zu verleihen. Wer sich vor Ort beispielsweise für die Verbesserung der ÖPNV-Angebote und die nachhaltige Produktion von Strom und Nahrung einsetzt, der nimmt dem Kampf gegen den Klimawandel die Abstraktheit. Und führt die Bewegung so auf die nächste Ebene. Denn so wichtig es ist und bleibt, Regierungen weltweit an ihre Verantwortung zu erinnern: Streik und Protest ist nur der erste Schritt. Wirkliche Veränderung beginnt mit dem Handeln.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrNachrichten
Die Urteile in den Rechtssachen Apple und Amazon zeigen, dass das Wettbewerbsrecht nur bedingt taugt.
Foto: Steve Morgan / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Urteil über Amazons Steuerdeals: Rechtens, nicht gerecht

Erst Apple, nun Amazon: Erneut erleiden Europas Wettbewerbshüter eine krachende Niederlage vor Gericht. Weil die Konzerne mehr als zweifelhafte Steuerdeals mit Irland und Luxemburg ausgehandelt...
Mittel- und langfristig braucht es einen neuen Anlauf im Friedensprozess.
Foto: Hosny Salah

Hamas muss sofort Weg für Waffenruhe freimachen

Der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid blickt mit Sorge auf den Konflikt im Nahen Osten. Schmid sagte der "Heilbronner Stimme": "Die Hamas muss den Beschuss Israels sofort einstellen, und den Weg für...
Natur- und Umweltschutz und eine echte sozial-ökologische Wende funktionieren nur dann, wenn alle Menschen mitgenommen und niemand zurückgelassen wird.

Klimaschutzgesetz darf soziale Fragen nicht ignorieren

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, mahnt die Bundesregierung, bei der Neufassung des Klimaschutzgesetzes die sozialen Aspekte nicht zu vergessen. Schneider...
Wenn Klimaschutz lediglich auf dem Papier stattfindet, ist das staatlich subventionierter Klimabetrug.
Foto: Goran Horvat

Bund zahlt halbe Milliarde Euro Förderung für Hybrid-Autos

Die Bundesregierung hat Kauf oder Leasing von sogenannten Plug-in-Hybridfahrzeugen in den vergangenen fünf Jahren mit mehr als einer halben Milliarde Euro subventioniert. Seit 2016 wurden bei...
"Bürgermeister daran messen, was er real leistet" - Linken-Politikerin greift SPD-Chefin Esken scharf an - Neben Kritik auch Lob für "Querdenker"
Foto: DIE LINKE / CC BY 2.0 (via Flickr)

Wagenknecht verteidigt Palmer und ist offen für Koalition mit den Grünen

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat den umstrittenen Tübinger Bürgermeister Boris Palmer gegen den Vorwurf in Schutz genommen, ein Rassist zu sein. Wagenknecht sagte der "Neuen Osnabrücker...
Einer möglichen Ampelkoalition aus Grünen, SPD und FDP steht Lindner skeptisch gegenüber.
Foto: INSM / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Lindner setzt auf "Modernisierungskoalition" mit seiner FDP

FDP-Chef Christian Lindner sieht nach der Kür der Kanzlerkandidaten von Grünen und Union gute Chancen für seine Partei, in einer nächsten Bundesregierung mitzuregieren. "Armin Laschet haben wir als...
Bislang verfestigen die jüngsten Konjunkturindikatoren das Bild einer zweigeteilten deutschen Wirtschaft.
Foto: Cameron Venti

Achterbahn Konjunktur

Bergauf, bergab, dann geht es in die eine Richtung, gefolgt von der Kurve in die entgegengesetzte. Einer solchen Achterbahnfahrt gleicht die Konjunkturbetrachtung, seit sich das Coronavirus von...
Back To Top