#zeitfokus.

Donnerstag, 28 Mai 2020
Foto: currens / Pixabay CC0
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Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) befürchtet, dass der Meeresspiegel in den kommenden Jahrzehnten deutlich stärker ansteigen könnte als bislang gedacht. Das geht nach Recherchen des NDR aus einem internen Schreiben hervor, das die Behörde im März an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gesandt hat, dem es untersteht. In dem Papier, das der NDR einsehen konnte, warnt das BSH davor, dass die bisherigen Anstiegsszenarien des UN-Klimarates zu optimistisch sein könnten. Das Schreiben trägt den Titel "Aktualisierung von Informationen zum Meeresspiegelanstieg" und gibt den Stand aktueller Klimastudien wieder. Das BSH warnt das Ministerium davor, dass "ein höherer Anstieg des Meeresspiegels deutlich über einen Meter hinaus bis hin zu 1,70 Metern bis zum Ende des Jahrhunderts mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen zu sein scheint". Dies könne dazu führen, dass "bereits getroffene Anpassungsmaßnahmen modifiziert oder neue sogar in Angriff genommen werden" müssten. Sollten die arktischen und antarktischen Eisschilde kollabieren, sei auch ein noch höherer Meeresspiegelanstieg denkbar, befürchtet das BSH.

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Foto: Kurdishstruggle / CC BY 2.0 (via Flickr)

Ein Schachzug gegen den wachsenden iranischen Einfluss

Bislang planen Bund und Länder mit den Anstiegsszenarien des UN-Klimareports. Der jüngste Report stammt aus dem Jahr 2013 und nennt als pessimistischstes Szenario einen Meeresspiegelanstieg von 52 bis 98 Zentimetern bis zum Jahr 2100. Bei dieser Einschätzung handelt es sich um das so genannte RCP 8.5 Szenario, das den Meeresanstieg unter der Annahme berechnet, dass sich der globale CO-2-Ausstoß unverändert fortentwickelt ("Weiter-wie-bisher-Szenario"). Dieses Maximalszenario dient in Deutschland unter anderem als Orientierungspunkt beim Bau von Küstendeichen und für Infrastrukturmaßnahmen im Bereich der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung im Küstenraum. Das BSH geht davon aus, dass "die heutigen Maßnahmen zur Sicherung der Küsten, Küstenbauwerke und Küstenbesiedlungen zumindest bis zum Jahr 2050 einen ausreichenden Schutz vor Überflutung bieten werden". Gleichwohl nehme die Verletzlichkeit der flachen Küstenregionen mit steigendem Meeresspiegel zu. Dies betreffe "eine mögliche dauerhafte Vernässung sowie erhöhte dauerhafte Überflutungsgefahr" von Landflächen unter Meeresspiegelniveau durch Probleme beim Süßwasserabfluss ins Meer. Auch "die schifffahrtliche Nutzung von staugeregelten und nichtstaugeregelten Küstenwasserstraßen (...) sowie die (Planung der) Besiedlung und die zukünftige, wirtschaftliche und verkehrliche Nutzung von gefährdeten Räumen" seien Problemfelder.

Die Frage, wie hoch der Meeresspiegel in den kommenden Jahrzehnten ansteigen wird, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Bislang konnten Klimaforscher nur schlecht abschätzen, wie stark die schmelzenden Eisschilde in Grönland und der Antarktis zum Meeresspiegelanstieg beitragen. Dies gelinge in neuen Forschungsarbeiten besser, sagt das BSH. Die Behörde rät dem BMVI dazu, zunächst abzuwarten, ob ein für Herbst 2019 erwarteter UN-Sonderbericht die Annahmen der aktuellen Forschung bestätigt. Gleichwohl sei es wichtig, bereits jetzt darüber nachzudenken, was ein möglicherweise verändertes Anstiegsszenario für geplante Infrastrukturprojekte im Küstenraum bedeuten könnte. Auch solle neben der Klimaforschung die gesellschaftswissenschaftliche Forschung zum Meeresspiegelanstieg gestärkt werden, beispielsweise in den Bereichen Risikomanagement und Raumplanung.

Das BMVI wollte sich zu dem Schreiben nicht äußern, auch das BSH lehnte einen Kommentar ab. Aus dem BMVI hieß es allerdings, dass man eine grundlegende Neubewertung des Meeresspiegelanstiegs erst auf Grundlage des UN-Sonderberichts vornehmen werde.



Quelle: NDR


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