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Dienstag, 31 Mär 2020
Ölverschmutzung in Ecuador
Ölverschmutzung in Ecuador Foto: Julien Gomba / CC BY 2.0 (via Flickr)
 2-3 Minuten Lesezeit  441 Worte im Text  vor 356 Tagen
Die Weltbank investiert weiter massiv in fossile Energieträger. Einer internationalen Recherche zufolge, an der in Deutschland der NDR, die Deutsche Welle und die Süddeutsche Zeitung beteiligt waren, unterstützt die Weltbank zahlreiche Projekte, die mit der Förderung von Kohle, Erdgas oder Erdöl verknüpft sind. Koordiniert wurde die Recherche vom Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ). Demnach investierte die Weltbank beispielsweise im Zusammenhang mit der weltgrößten Ölraffinerie in Nigeria 150 Millionen Dollar. Außerdem unterstützt sie die Erschließung eines Ölfelds in Kenia sowie zumindest indirekt Kohle-Projekte in Mosambik. Außerdem berät sie die Regierung von Guyana bei der Ausbeutung neu entdeckter Erdölfelder. Einer Analyse der deutschen Umweltorganisation Urgewald zufolge ist die Weltbank derzeit mit rund 21 Milliarden Dollar in Projekten involviert, in denen es um fossile Energieträger geht. Dem stünden nur 15 Milliarden Dollar für die Förderung erneuerbarer Energien gegenüber. „Es ist ein politisches Versagen, letztendlich, dass die Weltbank so agiert wie sie agiert“, sagte der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Uwe Kekeritz: „Es ist bitter notwendig, dass sich die Weltbank mit ihrem enormen Einflusspotenzial wirklich konsequent von fossilen Energieträgern verabschiedet.“ Auch die entwicklungspolitische Sprecherin der SPD, Gabi Weber, erklärte, die Weltbank müsse gerade in Schwellenländern stärker auf regenerative Energien setzen, um die Klimaziele schneller zu erreichen. Die Weltbank selbst weist die Kritik zurück. Zum Vorwurf, dass sie mehr Geld in fossile Energieträger als in erneuerbare Energien stecke, sagte ein Sprecher, die Weltbank habe allein im Finanzjahr 2018 für den Klimaschutz 20,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Wie viel Geld sie aber konkret Projekte in Zusammenhang mit fossilen Energieträgern investiert, sagt die Bank nicht. Auch rechnet die Weltbank unter den Begriff „Klimaschutz“ weitaus mehr Maßnahmen ein als die Förderung erneuerbarer Energien, zum Beispiel die Dämmung von Häusern oder die Verteilung von LED-Lampen in ärmeren Landstrichen. Zu einzelnen Projekten sagte ein Weltbank-Sprecher, die Institution unterstütze beispielsweise in Kenia eine „nachhaltige“ Ausbeutung der Ölvorkommen, ohne jedoch konkret zu werden. In Nigeria sei das Weltbank-Geld nicht für den Bau der Raffinerie gedacht, sondern für eine an die Raffinerie angeschlossenen Düngemittel-Produktion. Allerdings, so Kritiker, fördere der Bau des gesamten Raffinerie-Komplexes eine intensivere Ausbeutung der nigerianischen Ölfelder. Die Recherchen ergaben außerdem, dass die Weltbank-Gruppe an mindestens fünf Banken beteiligt ist, die Kredite für den Bau der Ölraffinerie gegeben haben. In Guyana, so die Weltbank, unterstütze sie die Regierung beim Aufbau eines Gesetzesrahmens, um Ölvorkommen erschließen zu können. Allerdings fand auch die deutsche Bundesregierung als eine der größten Anteilseignerinnen die Förderung so fragwürdig, dass sie dem Vorhaben Ende März nicht zugestimmt hat. Ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) sagte, Deutschland habe sich eine stärkere Betonung ökologischer Nachhaltigkeit gewünscht. Deutschland ist mit mehr als vier Prozent einer der größten Anteilseigner an der Weltbank. Quelle: NDR

Einer internationalen Recherche zufolge, an der in Deutschland der NDR, die Deutsche Welle und die Süddeutsche Zeitung beteiligt waren, unterstützt die Weltbank zahlreiche Projekte, die mit der Förderung von Kohle, Erdgas oder Erdöl verknüpft sind. Koordiniert wurde die Recherche vom Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ). Demnach investierte die Weltbank beispielsweise im Zusammenhang mit der weltgrößten Ölraffinerie in Nigeria 150 Millionen Dollar. Außerdem unterstützt sie die Erschließung eines Ölfelds in Kenia sowie zumindest indirekt Kohle-Projekte in Mosambik. Außerdem berät sie die Regierung von Guyana bei der Ausbeutung neu entdeckter Erdölfelder.

Einer Analyse der deutschen Umweltorganisation Urgewald zufolge ist die Weltbank derzeit mit rund 21 Milliarden Dollar in Projekten involviert, in denen es um fossile Energieträger geht. Dem stünden nur 15 Milliarden Dollar für die Förderung erneuerbarer Energien gegenüber. „Es ist ein politisches Versagen, letztendlich, dass die Weltbank so agiert wie sie agiert“, sagte der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Uwe Kekeritz: „Es ist bitter notwendig, dass sich die Weltbank mit ihrem enormen Einflusspotenzial wirklich konsequent von fossilen Energieträgern verabschiedet.“ Auch die entwicklungspolitische Sprecherin der SPD, Gabi Weber, erklärte, die Weltbank müsse gerade in Schwellenländern stärker auf regenerative Energien setzen, um die Klimaziele schneller zu erreichen.

Die Weltbank selbst weist die Kritik zurück. Zum Vorwurf, dass sie mehr Geld in fossile Energieträger als in erneuerbare Energien stecke, sagte ein Sprecher, die Weltbank habe allein im Finanzjahr 2018 für den Klimaschutz 20,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Wie viel Geld sie aber konkret Projekte in Zusammenhang mit fossilen Energieträgern investiert, sagt die Bank nicht. Auch rechnet die Weltbank unter den Begriff „Klimaschutz“ weitaus mehr Maßnahmen ein als die Förderung erneuerbarer Energien, zum Beispiel die Dämmung von Häusern oder die Verteilung von LED-Lampen in ärmeren Landstrichen.

Zu einzelnen Projekten sagte ein Weltbank-Sprecher, die Institution unterstütze beispielsweise in Kenia eine „nachhaltige“ Ausbeutung der Ölvorkommen, ohne jedoch konkret zu werden. In Nigeria sei das Weltbank-Geld nicht für den Bau der Raffinerie gedacht, sondern für eine an die Raffinerie angeschlossenen Düngemittel-Produktion. Allerdings, so Kritiker, fördere der Bau des gesamten Raffinerie-Komplexes eine intensivere Ausbeutung der nigerianischen Ölfelder. Die Recherchen ergaben außerdem, dass die Weltbank-Gruppe an mindestens fünf Banken beteiligt ist, die Kredite für den Bau der Ölraffinerie gegeben haben.

In Guyana, so die Weltbank, unterstütze sie die Regierung beim Aufbau eines Gesetzesrahmens, um Ölvorkommen erschließen zu können. Allerdings fand auch die deutsche Bundesregierung als eine der größten Anteilseignerinnen die Förderung so fragwürdig, dass sie dem Vorhaben Ende März nicht zugestimmt hat. Ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) sagte, Deutschland habe sich eine stärkere Betonung ökologischer Nachhaltigkeit gewünscht. Deutschland ist mit mehr als vier Prozent einer der größten Anteilseigner an der Weltbank.



Quelle: NDR
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