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Dringender Handlungsbedarf an der Rüstungsaltlast „Werk Kiefer“ in Herzberg am Harz

Foto: Archiv BUND

Umwelt
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Dringender Handlungsbedarf an der Rüstungsaltlast „Werk Kiefer“ in Herzberg am Harz

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Herzberg am Harz. Am Fuße des berühmten Fachwerkschlosses zu Herzberg am Harz (Landkreis Osterode am Harz) befindet sich im Siebertal hinter dem Bauhof der Stadt eine alte Munitionsfabrik aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Internationaler Tag des Wassers 2013 – Umweltverbände und Umweltärzte:

Dringender Handlungsbedarf an der Rüstungsaltlast „Werk Kiefer“ in Herzberg am Harz – Giftstoffe sickern in den Untergrund und belasten das Pöhlder Becken – Gefahr seit 1987 bekannt

Am Fuße des berühmten Fachwerkschlosses zu Herzberg am Harz (Landkreis Osterode am Harz) befindet sich im Siebertal hinter dem Bauhof der Stadt eine alte Munitionsfabrik aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Betrieben wurde diese seinerzeit unter dem Decknamen „Werk Kiefer“ von einer Tochterfirma der ehemaligen Dynamit Nobel AG (DAG). Bevor im April

1945 eine verheerende Explosion das Ende der Fabrik besiegelte, wurden dort im Auftrag des Deutschen Reiches unter Verwendung von flüssigem Trinitrotoluol (TNT) Tellerminen und Granaten produziert.

Der Betrieb zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Munition und Munitionsteilen sowie der Umgang mit Sprengstoffen waren nie unproblematisch. Nicht nur der Umgang mit den brisanten Rohstoffen und Endprodukten war gefährlich, auch die Entsorgung kontaminierter Abwässer stellte die damaligen Ingenieure vor ein unlösbares Problem. Während das „Werk Tanne“ in Clausthal-Zellerfeld seine Abwässer in die Bremke leitete und so das Wasser der Leine bis Hannover verunreinigte, führten Abwasserleitungen des „Werkes Kiefer“ in den dortigen Mühlengraben, der direkt in die Sieber entwässert. TNT und andere aromatische Kohlenwasserstoffe der Sprengstoffherstellung kontaminieren bis heute den Mühlengraben und darüber hinaus andere Bereiche wie das Gießhaus und den Verbrennungsplatz. Diese Substanzgruppen sind giftig und weisen durch ihre krebserregenden und erbgutverändernden Eigenschaften ein unverändert hohes Gefahrenpotential für die Bevölkerung auf.

Das Gelände ist aus diesem Grund mit einem Zaun abgesperrt, aber der hält die Schadstoffe nicht zurück. Der Untergrund des Mühlengrabens besteht nämlich aus gut durchlässigen Schottersedimenten, die die Schadstofffracht schnell weiter transportieren. Kiesige Niederterrassensedimente stehen auf verkarstetem Zechstein an, wodurch ein Transport in tiefere Grundwasserstockwerke gegeben ist. Bereits 1913 wurde durch den Geologen Thürnau auf den Grundwasserkontakt zum Pöhlder Becken und damit zur Trinkwasserversorgung von heute 20.000 Menschen hingewiesen. Vor diesem Hintergrund ist eine Kontamination des Sickerwassers im Herzberger Mühlengraben mit bis zu 13 mg TNT/l als eindeutig gefährlich einzustufen. Dieses Gefährdungspotential ist spätestens seit 1987 durch Gutachten bekannt. An mehr als 20 Messpunkten wurden damals am Pfingstanger die hochgiftigen Verbindungen Trinitrotoluol, Dinitrobenzol, Nitropenta, Hexogen und Pikrinsäure im Boden gefunden.

1998 formulierte es der Gutachter Dr. Peter Molde in einer Expertise, die auch im Südharzportal www.karstwanderweg.de veröffentlicht ist, wie

folgt: „Aufgrund der o. a. Zusammenhänge und der zum Teil sehr hohen Gehalte an explosivstoffspezifischen Parametern in Boden und Wasser geht vom Standort eine akute Gefährdung für Mensch und Umwelt aus. Es besteht nach wie vor für diesen Standort akuter Handlungsbedarf, um die Schadstoffherde zu beseitigen und um damit den Kontaminationspfad zu unterbrechen. Denn wie bereits eingangs erwähnt besteht, aufgrund der geologischen Situation auch für das Pöhlder Becken — mit mehreren Trinkwasserfassungen — eine erhebliche Grundwassergefährdung.“

Eine solche Formulierung ist das deutlichste, was ein geologischer Gutachter formulieren kann. Die Behörden haben danach sofort zu handeln!

Die damalige Landesregierung setzte dann auch den Pfingstanger in der Prioritätenliste der nötigen Sanierungen nach ganz oben. Doch seitdem ist nur Papier bewegt worden und kein einziger Sanierungsschritt ist erfolgt!

Dass eine Sanierung zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt dringend geboten ist, steht also außer Frage. Ungeklärt ist jedoch bis heute, wer die dabei anfallenden Kosten zu tragen hat. Laut Bundesbodenschutzgesetz muss der Verursacher einer Bodenverunreinigung für die Sanierung aufkommen. Genau das ist Anlass einer seit vielen Jahren andauernden gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Rechtsnachfolger der DAG, der Grundstücksgesellschaft IVG und dem Landkreis Osterode am Harz. Die IVG bestreitet ihre Zuständigkeit und verweist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass die DAG damals im Auftrag des Deutschen Reiches gehandelt habe, dessen Rechtsnachfolger die Bundesrepublik Deutschland ist, die demzufolge statt ihrer für die Sanierungskosten aufzukommen habe.

Zuständige Bodenschutzbehörde ist der Landkreis Osterode am Harz. Die Kreisverwaltung hatte der IVG als Alteigentümer bereits 1992 die Auflage erteilt, das verseuchte Erdreich abzutragen und zu entsorgen. Doch die IVG wollte nicht bezahlen und ging vor Gericht. 2001 kassierte das Bundesverfassungsgericht zwei Entscheidungen und verwies das Verfahren zurück an das OVG Lüneburg. Dort ruht die Auseinandersetzung seit über zehn Jahren.

Die Tatsache, dass im Rechtsstreit „Werk Kiefer“ noch immer keine Entscheidung gefällt ist, die zu einer dringend erforderlichen Gefahrenabwehr führt, ist aus Gründen des Schutzes der Umwelt und auch der menschlichen Gesundheit ein Skandal und nicht akzeptabel. BUND, NABU, der Verein für Umweltschutz Herzberg e.V., Dr. Wolfgang Bauer für den  Ökologischen Ärztebund und der Verein Spurensuche Harzregion e.V.

fordern daher eine unverzügliche Wiederaufnahme des Verfahrens, um endlich eine Sanierung des Geländes vornehmen und einen angemessenen Trinkwasserschutz gewährleisten zu können. Auch die neue niedersächsische Landesregierung ist hier in der Pflicht.

Weitere Unterlagen zu diesem Thema wie das geologische Gutachten, Fotos, Lagepläne u.a. liefern wir Ihnen auf Nachfrage gern.

BUND, Dr. Friedhart Knolle und Pascal Meyer NABU Osterode am Harz, Wolfgang Rackow und Ursula Glock-Menger Verein für Umweltschutz Herzberg e.V., Jürgen Menge Dr. Wolfgang Bauer, Ökologischer Ärztebund Spurensuche Harzregion e.V., Dr. Peter Schyga und Michael Ohse

Für Rückfragen: Dr. Friedhart Knolle, BUND, Tel. 05321/20281

857 Wörter im Bericht.

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