Dienstag, 04 Aug 2020
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Die Arbeitsgruppe Klimaschutz der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) sollte Ideen entwickeln, mit denen die Klimaschutzziele der Bundesregierung bis 2030 erreicht werden. Dafür wird sich vor allem der Verkehr wandeln müssen. Die Ansätze der Arbeitsgruppe, die jetzt ihren Zwischenbericht veröffentlicht hat, haben alle das gleiche Problem, zeigt eine neue IW-Studie: Autofahren wird zukünftig deutlich teurer.

Die Enttäuschung in der Wirtschaft ist groß. Dass die Durststrecke anhält, war vielen bewusst und wohl auch, dass noch viele Monate Vorsicht oberstes Gebot ist.
Foto: Elliot Alderson

Durststrecke

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen des Verkehrs bis 2030 auf 95 bis 98 Millionen Tonnen zu drücken, ein Rückgang von gut 42 Prozent innerhalb von elf Jahren. Aktuell macht der Straßenverkehr etwa 96 Prozent der gesamten Verkehrsemissionen aus, deshalb wird er die größte Last – fast 75 Millionen Tonnen – stemmen müssen. Die EU hat bereits CO2-Grenzwerte für Neufahrzeuge festgelegt, allerdings reicht das noch lange nicht: Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Emissionen deutlich über den EU-Durchschnitt hinaus zu reduzieren. Das aber lässt sich nur durch nationale Instrumente realisieren – und alle verteuern sie Mobilität. Ein Überblick über die wichtigsten Ansätze.

Maut / Steuern

Solche Preisinstrumente haben zunächst den Anschein, als würden sie es den Autofahrern überlassen, ob und wann sie wie Emissionen vermeiden. Tatsächlich treffen höhere Preise in erster Linie Pendler – und gerade sie können nicht ohne Weiteres ihre Kilometer reduzieren. Eine CO2-basierte Pkw-Maut, beispielsweise in Höhe von neun Cent pro Kilometer wie von der Agora Verkehrswende vorgeschlagen, würde durchschnittlich 1.500 Euro Mehrkosten pro Autofahrer-Haushalt und Jahr verursachen. Eine ebenfalls diskutierte zusätzliche CO2-Steuer von 340 bis 370 Euro pro Tonne CO2 (Benzin/Diesel) würde für den durchschnittlichen Haushalt mit einem Pkw jährliche Mehrkosten in Höhe von 950 (Benzin) bis 1.650 (Diesel) Euro bedeuten.

Elektroautos

Bis 2030 muss ein erheblicher Teil der Neuwagenflotte aus sogenannten Null-Emissions-Fahrzeugen bestehen, so fordert es die EU. Elektroautos zählen technisch dazu: Sie nutzen als Energiequelle Strom, die Emissionen bei der Erzeugung werden nicht dem Verkehrssektor zugerechnet. Zudem würde sich die Anschaffung deutlich eher lohnen, wenn es gleichzeitig eine CO2 –Steuer gäbe. Das Problem dabei: Alle Varianten von Null-Emissionsfahrzeugen sind in der Anschaffung teurer als Verbrenner. Diese Mehrkosten können nur über hohe Fahrleistungen wieder hereingeholt werden, was nicht vielen Nutzern gelingt: Wer ein Elektroauto kauft, nutzt es aktuell meist vor allem als Zweitfahrzeug für kurze Strecken.

Synthetische Kraftstoffe

Eine Alternative können sogenannte synthetische Kraftstoffe sein, die aus Strom hergestellt werden. Sie sind in der Herstellung bislang jedoch deutlich teurer als konventionell hergestellte Kraftstoffe, sodass eine Beimischung ebenfalls zu höheren Kosten für die Autofahrer führen würde.

Alle Maßnahmen treffen vor allem Haushalte mit geringen Einkommen, denn sie geben anteilig mehr von ihrem Einkommen für Mobilität aus als einkommensstarke Haushalte. Solche Verteilungswirkungen waren bei der bisherigen Diskussion nur am Rande Thema, werden aber wichtig, wenn Politiker den Verkehrssektor neu aufstellen wollen.

Download:
Gutachten CO2 Vermeidung im Straßenverkehr



Quelle: IW Köln
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