Schüler kämpfen für ihre Zukunft

Unter dem Motto "#FridaysForFuture" und "Climate Strike!" streikten insbesondere Schülerinnen und Schüler vor dem Reichstagsgebäude in Berlin.Foto: Leonhard Lenz / CC0 (via Wikimedia Commons)

Umwelt
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Schon der griechische Philosoph Sokrates soll es gewusst haben: "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll." Ob der Athener über 400 Jahre vor Christus wirklich diesen Ausspruch tat, ist umstritten. Doch was die Jahrtausende überdauerte, war das Klagen über die jeweils junge Generation, die zumeist nicht jenem Bild entsprach, das Eltern und Großeltern von den Nachkommen hatten.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Und natürlich gilt die harsche Kritik nicht, wenn es um die eigenen Kinder und Enkel geht.

Dass immer mehr Schüler und Studenten Freitagvormittag für den Schutz des Erdklimas forsch auf die Straßen gehen, dass sie sich in die Politik der "Großen" einmischen, unduldsam und penetrant ihre Forderungen für eine lebenswerte Zukunft auf unserem gefährdeten Planeten hinausrufen, hätten wohl viele der Älteren jener Generation nicht zugetraut, deren Markenzeichen doch vielmehr iPhone, Facebook, Instagram und Co. sein sollten. Auch dass sich junge Leute, die sonst eher Idolen aus der Popmusik, prominenten YouTubern, Models, Sportlern und dergleichen nacheifern, nun der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg folgen, ist schon bemerkenswert. Das Demonstrieren für mehr Klimaschutz ist plötzlich so was von cool geworden. Es könnte eine globale Jugendbewegung entstehen.

Für Kritiker der wöchentlichen Aktionen "Fridays For Future" ist das Ganze allerdings nichts weiter als der Verstoß gegen die Schulpflicht und damit Schulschwänzen, was dann auch auf dem Zeugnis seinen Niederschlag als unentschuldigtes Fehlen finden müsse. Ja, geht's nicht noch etwas Kleinkarierter? Lehrer und Schulleitungen sollten besonnen und mit Fingerspitzengefühl auf die Klimademonstrationen reagieren, nicht mit dem drohenden Zeigefinger. Klar, kann nicht jeden Freitag die Schule ausfallen. Der Unterricht kann jedoch bestimmt nachgeholt werden. Eine prima Idee hatte übrigens der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der den verpassten Unterricht an seiner Schule durch selbst organisierte Diskussionen über Klimaprobleme mit Experten nachholen lässt. Bei solchen Gelegenheiten kann man wahrscheinlich auch trefflich darüber streiten, warum etwa der Kohleausstieg, die Wende im Verkehr oder die Vermeidung von Verpackungsmüll nicht so einfach herbei-demonstriert werden können, sondern konkreter Maßnahmen bedürfen.

Dass sich die junge Generation jedoch ernste Sorgen um die Zukunft des Planeten macht, sich nicht mit wohlfeilen Ausreden abspeisen lässt, ist ihr gutes Recht. Denn sie, ihre Kinder und Enkel, haben in den nächsten Jahrzehnten das Klimadesaster auszubaden, dass heutige und vorige Generationen verursacht haben. Der achtlose Umgang mit der Natur, der Raubbau an Ressourcen in den vergangenen 150 Jahren des auf Wachstum gepolten Industriezeitalters zeitigt dramatische Nachwirkungen. Die Atmosphäre erwärmt sich, der Meeresspiegel droht anzusteigen, viele Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Dass die Weltgemeinschaft beim Kampf gegen die Erderwärmung so quälend langsam vorankommt und dass es immer noch penetrante Klimaleugner gibt - von Donald Trump bis in die AfD hinein -, ist ein riesiger Skandal.

Die jungen Leute legen mit ihren Demonstrationen den Finger in die Wunde, machen den Politikern Beine, tragen ihren Protest aus den digitalen Internet-Chats in die analoge Öffentlichkeit. Und das ist eine gute Sache. Weil es für eine gute Sache ist. Es geht um nicht weniger als das Überleben der Menschheit. Um sich dafür beherzt zu engagieren, muss man nicht abwarten, bis das Wahlalter von 18 Jahren erreicht ist. Herbert Grönemeyer würde singen: Kinder an die Macht!



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

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