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Freitag, 10 Apr 2020
Benedikt XVI.
Benedikt XVI. Foto: WDKrause / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  560 Worte im Text  vor 46 Tagen
Benedikt wird zur tragischen Figur. Es ist, als würde der Fall Georg Gänswein der Katholischen Kirche den Spiegel vorhalten: Nicht erst seit Martin Luther kritisiert man den Klerus in Rom als eitel und selbstverliebt. Es geht um Machtspiele und Einfluss, um Hofschranzentum und Heuchelei. Georg Gänswein hat in seiner Eitelkeit nicht nur Papst Franziskus zum Handeln gezwungen. Er hat vor allem auch dem Mann geschadet, dem er am meisten verdankt: Dem Papa emeritus, Benedikt XVI.. Es ist nicht die Personalie Gänswein, der als Präfekt des Päpstlichen Hauses abberufen wurde und fortan nicht mehr Diener zweier Päpste sein wird, die das Kirchendrama beschreibt. Es ist das Drama von Papst Benedikt, der zu Lebzeiten zu einem Spielball der Kräfte im Vatikan wurde. Und das hat der Pontifex aus Bayern wirklich nicht verdient. Der Fall Gänswein dreht sich um einen Beitrag, den Papst Benedikt zusammen mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah veröffentlichte. Dabei wurde der Eindruck erweckt, Benedikt sei Mitautor des Buchs, das unter dem Titel "Aus den Tiefen unserer Herzen" erschien. Das Verschulden lag beim Verlag, der Benedikts Konterfei auf das Buchcover druckte. Wer den Beitrag Benedikts liest, merkt schnell: Er ist in keiner Zeile ein Angriff auf Papst Franziskus. In dem Buchbeitrag beschäftigt sich der emeritierte Papst, den man in Kirchenkreisen und darüber hinaus als Mozart der Theologie bezeichnet, mit der Frage, warum das Priestertum in der Katholischen Kirche allein Männern vorbehalten ist, und warum Priester in der Kirchentradition zölibatär leben sollen. Dass Priester ehelos leben müssen, ist erst seit knapp 1000 Jahren so geregelt. In der Bibel schreibt Paulus vielmehr davon, ein Bischof soll wenn, dann nur eine Frau haben und seine Kinder gut behandeln (1 Tim 3,2). Diese Bibelstelle wird in katholischen Kreisen gerne ignoriert. Der Text Benedikts über Zölibat und Priestertum ist hochkomplex, aber an keiner Stelle eine Abweichung von der Kirchenlehre. Ganz im Gegenteil. Doch im Schatten der Amazonas-Synode, in der es darum ging, wie man in dünn besiedelten Gebieten mit Priestern umgeht, geriet der Beitrag Benedikts zum Politikum. Papst Franziskus bestätigte nach dem Buch-Skandal übrigens die Haltung zum Zölibat. Doch das war nur noch eine Randnotiz. Zum Skandal wurde die Causa aus einem ganz anderen Grund. Denn dass Benedikt überhaupt einen Beitrag im Buch von Kardinal Sarah veröffentlichte, diente den Gegnern Gänsweins und auch Papst Benedikts als willkommener Vorwand, Fakten zu schaffen. Die Progressiven im Klerus nutzten die Gelegenheit, um mit Gänswein einen der prominentesten Vertreter des konservativen Flügels zu entfernen. Der Schlag gelang. Gänswein wurde vom wichtigen Posten des Präfekten entbunden. Sarah stammt aus Afrika, traditionell sind Bischöfe und Kardinäle von diesem Kontinent konservativer als etwa die deutschen, denen man unterstellt, ohnehin protestantisch zu denken. Benedikt wurde also zum Spielball eines Flügelkampfes, der in der Katholischen Kirche auch unter Franziskus tobt wie kaum je zuvor. Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen. Man geht gnadenlos um mit einem Mann, der Geschichte geschrieben hat. Die Deutschen hatten seit der Wahl Benedikts 2005 stets ein gespaltenes Verhältnis zu ihm. Statt stolz darauf zu sein, dass einer von uns zum Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken gewählt wurde, hören die Angriffe auf Benedikt nicht auf. Benedikt, der schwer sprechen und kaum mehr gehen kann, muss miterleben, wie sein Pontifikat in den Schmutz gezogen wird. Benedikts Verdienst seines historischen Rücktritts zum Schutz der Kirche wird von jenen, die ihn jetzt benutzen, zerstört. Und das ist auch Georg Gänsweins Schuld. Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

Es ist, als würde der Fall Georg Gänswein der Katholischen Kirche den Spiegel vorhalten: Nicht erst seit Martin Luther kritisiert man den Klerus in Rom als eitel und selbstverliebt. Es geht um Machtspiele und Einfluss, um Hofschranzentum und Heuchelei. Georg Gänswein hat in seiner Eitelkeit nicht nur Papst Franziskus zum Handeln gezwungen. Er hat vor allem auch dem Mann geschadet, dem er am meisten verdankt: Dem Papa emeritus, Benedikt XVI..

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Foto: lapping / CC0 (via Pixabay)

Demografischer Wandel: Forscher fordern gezielte Zuwanderung gegen Überalterung

Es ist nicht die Personalie Gänswein, der als Präfekt des Päpstlichen Hauses abberufen wurde und fortan nicht mehr Diener zweier Päpste sein wird, die das Kirchendrama beschreibt. Es ist das Drama von Papst Benedikt, der zu Lebzeiten zu einem Spielball der Kräfte im Vatikan wurde. Und das hat der Pontifex aus Bayern wirklich nicht verdient.

Der Fall Gänswein dreht sich um einen Beitrag, den Papst Benedikt zusammen mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah veröffentlichte. Dabei wurde der Eindruck erweckt, Benedikt sei Mitautor des Buchs, das unter dem Titel "Aus den Tiefen unserer Herzen" erschien. Das Verschulden lag beim Verlag, der Benedikts Konterfei auf das Buchcover druckte. Wer den Beitrag Benedikts liest, merkt schnell: Er ist in keiner Zeile ein Angriff auf Papst Franziskus. In dem Buchbeitrag beschäftigt sich der emeritierte Papst, den man in Kirchenkreisen und darüber hinaus als Mozart der Theologie bezeichnet, mit der Frage, warum das Priestertum in der Katholischen Kirche allein Männern vorbehalten ist, und warum Priester in der Kirchentradition zölibatär leben sollen.

Dass Priester ehelos leben müssen, ist erst seit knapp 1000 Jahren so geregelt. In der Bibel schreibt Paulus vielmehr davon, ein Bischof soll wenn, dann nur eine Frau haben und seine Kinder gut behandeln (1 Tim 3,2). Diese Bibelstelle wird in katholischen Kreisen gerne ignoriert. Der Text Benedikts über Zölibat und Priestertum ist hochkomplex, aber an keiner Stelle eine Abweichung von der Kirchenlehre. Ganz im Gegenteil. Doch im Schatten der Amazonas-Synode, in der es darum ging, wie man in dünn besiedelten Gebieten mit Priestern umgeht, geriet der Beitrag Benedikts zum Politikum. Papst Franziskus bestätigte nach dem Buch-Skandal übrigens die Haltung zum Zölibat. Doch das war nur noch eine Randnotiz. Zum Skandal wurde die Causa aus einem ganz anderen Grund. Denn dass Benedikt überhaupt einen Beitrag im Buch von Kardinal Sarah veröffentlichte, diente den Gegnern Gänsweins und auch Papst Benedikts als willkommener Vorwand, Fakten zu schaffen.

Die Progressiven im Klerus nutzten die Gelegenheit, um mit Gänswein einen der prominentesten Vertreter des konservativen Flügels zu entfernen. Der Schlag gelang. Gänswein wurde vom wichtigen Posten des Präfekten entbunden. Sarah stammt aus Afrika, traditionell sind Bischöfe und Kardinäle von diesem Kontinent konservativer als etwa die deutschen, denen man unterstellt, ohnehin protestantisch zu denken. Benedikt wurde also zum Spielball eines Flügelkampfes, der in der Katholischen Kirche auch unter Franziskus tobt wie kaum je zuvor. Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen. Man geht gnadenlos um mit einem Mann, der Geschichte geschrieben hat. Die Deutschen hatten seit der Wahl Benedikts 2005 stets ein gespaltenes Verhältnis zu ihm. Statt stolz darauf zu sein, dass einer von uns zum Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken gewählt wurde, hören die Angriffe auf Benedikt nicht auf. Benedikt, der schwer sprechen und kaum mehr gehen kann, muss miterleben, wie sein Pontifikat in den Schmutz gezogen wird. Benedikts Verdienst seines historischen Rücktritts zum Schutz der Kirche wird von jenen, die ihn jetzt benutzen, zerstört. Und das ist auch Georg Gänsweins Schuld.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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