AfD-Wähler: Sie fühlen sich ausgeliefert

Foto: Metropolico.org / CC BY-SA 2.0 via Flickr

Wirtschaft
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Anhänger der Partei Alternative für Deutschland (AfD) könnten wegen ihrer guten wirtschaftlichen Lage entspannt sein – sind es aber nicht. Die Bezeichnung „Prekariatspartei“ ist jedenfalls falsch, denn die Wähler der AfD gehören nicht zu den „Abgehängten“, wie oft angenommen. Das belegt eine IW-Studie.

AfD-Anhänger haben im Schnitt ein höheres Einkommen als die Gesamtbevölkerung sowie ein mittleres Bildungsniveau, und sie machen sich relativ wenig Sorgen um ihre wirtschaftliche Situation. Trotzdem blicken sie deutlich pessimistischer in die Zukunft als die Anhänger anderer Parteien. Große Sorgen bereitet den AfD-Anhängern die Zuwanderung. Angst haben sie zudem um die wirtschaftlichen und sozialstaatlichen Institutionen und Errungenschaften in Deutschland. Befragungen zufolge glauben sie, an der politischen und ihrer persönlichen Situation nichts verändern zu können – sie fühlen sich regelrecht ausgeliefert.

Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die soeben in der „Zeitschrift für Parlamentsfragen“ erschienen ist. Darin untersuchen die IW-Forscher das Spannungsfeld aus solider wirtschaftlicher Lage und gleichzeitig empfundener Bedrohung anhand der Wahlergebnisse der Landtagswahlen des Jahres 2016 auf Kreisebene.

Obwohl AfD-Anhänger nicht aus dem Prekariat stammen, schneidet die AfD in strukturschwächeren Gebieten mit einer höheren Arbeitslosigkeit sowie in Westdeutschland zusätzlich in Regionen mit einem hohen Ausländeranteil am besten ab. Anders verhält es sich in den westdeutschen Universitätsstädten: Dort ist der Zulauf zur AfD geringer – selbst dann, wenn der Ausländeranteil höher ist. Im Osten Deutschlands scheint die Partei in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein, denn abgesehen von einem leichten Land-Stadt-Gefälle stechen dort kaum regionale Einflussfaktoren zwischen den einzelnen Kreisen, in denen die AfD erfolgreich ist, heraus.

„Auch wenn nur wenige AfD-Anhänger selbst in prekären Verhältnissen leben, punktet die Partei besonders in strukturschwachen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit“, fassen die Autoren zusammen. „Aus diesem Spannungsfeld scheinen die AfD-Anhänger ein Bedrohungsszenario abzuleiten. Es spricht viel dafür, dass das von ihnen empfundene Gefühl, ausgeliefert zu sein, in der Wahl der AfD mündet“, so die Wissenschaftler.



Quelle: IW Köln


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