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Sonntag, 31 Mai 2020
Die Corona-Pandemie stellt einen schwarzen Schwan dar.
Die Corona-Pandemie stellt einen schwarzen Schwan dar. Foto: David Clode
 2-3 Minuten Lesezeit  562 Worte im Text  vor 65 Tagen

Eines ist inzwischen klar: Die Corona-Pandemie stellt einen schwarzen Schwan dar. Nach dem ungewöhnlich schnellen Einbruch von Risikoaktiva wie Aktien, Öl und hochverzinsliche Anleihen stellt sich indes eine andere Frage: War es das schon, hat eine Bodenbildung bereits begonnen und sollen Anleger wieder verstärkt in Risikoaktiva einsteigen? Immerhin pumpen Notenbanken und Regierungen massiv Gelder ins System, in einem Ausmaß, das es noch nie zuvor gegeben hat.

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Foto: Karsten Würth / CC0 (via Unsplash)

Regierung bereitet Windmühlen-Prämien vor

Niemand weiß derzeit, wie schnell die Pandemie sich ausbreiten und wann sie besiegt sein wird. Immer deutlicher wird aber, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Shutdowns, der aktuell praktisch alle Industrieländer trifft, sehr massiv sind. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass der Shutdown, um das Virus sicher zu besiegen, länger dauert als zunächst gedacht. Kurzum: Bei Wirtschaft und Unternehmen geht es jetzt ans Eingemachte.

Bei Unternehmen wird die globale Rezession, die aufgrund der Coronakrise bevorsteht und die ja auch bereits in mehreren Indikatoren zum Ausdruck kommt, die Gewinne massiv drücken. Nicht zuletzt der deutlich gefallene Ölpreis zeigt die Schwere des Rückschlags. Vor diesem Hintergrund erwartet die UBS, dass der Gewinn je Aktie europäischer Titel in diesem Jahr aggregiert um 33% gegenüber Vorjahr fallen wird. Die Strategen von Goldman Sachs gehen gar noch einen Schritt weiter und erwarten jetzt für den Stoxx 600 einen Einbruch der Gewinne um satte 45% nach zuvor 23%. Dies steht beides in scharfem Gegensatz zum Konsens der Analysten, die laut UBS noch einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 2% prognostizieren. Dass der Analystenkonsens derart der tatsächlichen Entwicklung hinterherhinkt, ist übrigens nichts Neues. Das war in früheren Wirtschaftskrisen auch so. Allein zeigt es auf, dass man herkömmliche Bewertungen von Aktienmärkten, die meist Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf Basis des Analystenkonsensus berechnen, derzeit in der Pfeife rauchen kann. Sie bieten keinen analytischen Wert mehr.

Auch beim Dax bröckeln derzeit die Gewinnprognosen kräftig, stellt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp fest. Und laut César Pérez Ruiz, Head of Investments bei Pictet, dürften die Gewinne der US-Firmen um 30% zurückgehen bei vier Monaten Shutdown und um 70% bei einem Shutdown von sechs Monaten.

Doch nicht nur die Gewinne bieten bei Aktien derzeit keinen Halt mehr. Die Krise ist so schwer, dass immer mehr Unternehmen die Dividende ausfallen lassen oder wie gerade Linde massiv kürzen. Etliche Aktiengesellschaften, die nicht genug Speck auf den Rippen haben, kämpfen schlichtweg in der Coronakrise ums Überleben. Ein schwaches Unternehmen wie Vapiano hat es schon erwischt. Andere Firmen fragen den Staat um Hilfe. Erinnern wir uns: In der Finanzkrise ging nicht nur Lehman insolvent, sondern mit General Motors auch ein großer Autokonzern. Und etliche Banken haben nur überlebt, weil der Staat sie mit immens viel Geld gerettet hat. Was das dann für Aktionäre in Heller und Pfennig bedeutet, kann man bei den langfristigen Anteilseignern der Commerzbank erfragen.

Investoren, die in Krisensituationen noch einzelne Aktien erwerben, müssen jedenfalls sehr genau auf deren Qualität achten. Pictet-Mann Ruiz rät zur Vorsicht bei der Aktienanlage sowie bei Unternehmensanleihen und einer breiten Diversifikation, die der beste Schutz gegenüber einer hohen Volatilität sei. Doch hat er mit Healthcare und IT/Home-Office-Titeln auch Branchen identifiziert, die zumindest langfristig von Corona profitieren sollten.

Aufgrund der Schwere der Krise gehen u.a. Ruiz und die Strategen von Goldman Sachs davon aus, dass es noch einen Ausverkauf am Aktienmarkt geben wird. Schön wäre es, wenn es anders kommt, denn dann dürfte das Virus im Griff sein.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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