Freitag, 07 Aug 2020
Foto: skeeze / CC0 (via Pixabay)
 2-4 Minuten Lesezeit  621 Worte im Text  vor 259 Tagen

Die Aktienmärkte wirken derzeit wie ein Bär, der am Nasenring durch die Manege gezogen wird. In fast täglichem Rhythmus werden sie von Nachrichten, die auf eine baldige Einigung im Handelskonflikt der USA mit China hoffen oder daran zweifeln lassen, nach oben und nach unten gezogen. Seinen jüngsten Durchbruch bis in die Nähe seines Hochs bei rund 13.600 Zählern verdankte der Dax Äußerungen aus US-Regierungskreisen, die auf eine schnelle Einigung hinzudeuten schienen. Nachdem diese ausgeblieben ist und Zweifel an einer Annäherung noch in diesem Jahr aufgekommen sind, haben die Aktienmärkte zuletzt wieder etwas Wind aus den Segeln verloren. Leider gibt es einige Gründe für die Vermutung, dass eine erste Einigung zwischen den Streithähnen noch etwas auf sich warten lässt.

Prinz Harry und seine Frau Meghan brüskieren die Queen
Foto: Northern Ireland Office / CC BY 2.0 (via Flickr)

Tief enttäuscht

So verstärkt sich in der Ukraine-Affäre der Druck auf US-Präsident Donald Trump, so dass sich die Frage stellt, ob eine schnelle Lösung im Handelsdisput zurzeit eine hohe Priorität für ihn haben kann. Fraglich ist auch, ob eine baldige Lösung vom Timing her überhaupt im Sinne Trumps ist. Seit mehr als einem Jahr werden Experten nicht müde zu betonen, dass Trump Interesse an einer Beilegung des Streits oder zumindest an einem Waffenstillstand hat, um eine scharfe wirtschaftliche Abschwächung und fallende Aktienkurse zu verhindern, weil dies seine Wiederwahl gefährden würde. Eine Phase der Eskalation hat es trotzdem gegeben. Möglicherweise sollte dies aus PR-Perspektive betrachtet werden. Trump muss Erfolge vorweisen. Damit diese sich am Wahltag auszahlen, ist es aus seiner Sicht wahrscheinlich ratsam, das Pulver nicht ein Jahr vor der Wahl zu verschießen, sondern den Deal erst wenige Wochen vor dem Urnengang aus dem Hut zu zaubern.

Ein fortgesetztes langes Warten auf den Deal wäre für die Aktienmärkte negativ, und möglicherweise müsste von Hoffnungen auf eine Jahresendrally und ein Rekordhoch des Dax Abschied genommen werden. Die Aktienmärkte sind in diesem Jahr von der Kehrtwende der globalen Krise getrieben worden. Gleichzeitig ist das globale Wachstum deutlich zurückgegangen, womit auch die Unternehmensgewinnentwicklung deutlich hinter den Erwartungen von vor zwölf Monaten zurückgeblieben sind. 2018 noch bei 3,55%, ist das Wachstum der Weltwirtschaft Schätzungen zufolge in diesem Jahr auf knapp unter 3% gefallen. Im Ergebnis haben sich die Bewertungen, wenn die Kurs-Gewinn-Verhältnisse zugrunde gelegt werden, deutlich erhöht. In diesem Umfeld muss gehofft werden, dass 2020, anders als im auslaufenden Jahr, die von Strategen erhoffte Stabilisierung und anschließende Erholung des Wirtschafts- und Gewinnwachstums tatsächlich kommt. Solange aber der Handelskonflikt für Unsicherheit sorgt und die Investitionstätigkeit dämpft, bleibt dies eben nur ein Hoffnungswert.

Einstweilen verschlechtern sich die ökonomischen Einschätzungen von Ratingagenturen und Institutionen wie der OECD derzeit weiter. So hat Moody's in der abgelaufenen Woche vor erhöhten Rezessionsrisiken gewarnt. Die Weltwirtschaft werde im Jahr 2020 fragil bleiben. "Auch wenn wir in unserem Basisszenario keine Rezession erwarten, sind die Rezessionsrisiken vor dem Hintergrund der Handelspolitikunsicherheit, eines unvorhersehbaren politischen und geopolitischen Umfelds sowie der Tatsache, dass der fiskal- und geldpolitische Spielraum zur Verhinderung eines weiteren Abschwungs in entwickelten Volkswirtschaften begrenzt bleibt, hoch." Ein schleppendes Wirtschaftswachstum werde die Unternehmensgewinnentwicklung schwächen.

Das weltweite Wachstum werde für dieses Jahr mit 2,9% und damit auf dem niedrigsten Niveau seit der Finanzkrise und in den Jahren 2020 und 2021 mit 2,9% bis 3% erwartet, so die OECD in ihrem jüngsten Ausblick. Der Handelskonflikt, eine schwache Investitionstätigkeit und anhaltende politische Unsicherheit erhöhten das Risiko langfristiger Stagnation. Zwei Jahre mit eskalierenden Konflikten über Zölle vor allem zwischen den USA und China hätten den Handel beeinträchtigt, schwächten die Investitionstätigkeit und brächten Arbeitsplätze in Gefahr. Auch wenn sich die Ausgaben der privaten Haushalte auf hohem Niveau gehalten hätten, stellten sich Zeichen einer Abschwächung ein, so die OECD, die auf weitere, strukturelle Negativfaktoren verweisen würden. Die Digitalisierung transformiere Geschäftsmodelle, gleichzeitig wälzten klimatische und demografische Veränderungen bestehende Muster wirtschaftlicher Aktivität um.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Back To Top