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Audi offenbar tief in Dieselaffäre verstrickt

Foto: dgozgozz / CC0 via Pixabay

Wirtschaft
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Audi offenbar tief in Dieselaffäre verstrickt

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Die Volkswagen-Tochter Audi ist viel tiefer in die Dieselbetrugsaffäre verstrickt als bislang offiziell eingestanden. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung sind vier hochrangige Motorenentwickler des Unternehmens beurlaubt worden, weil sie eine illegale Software für den 3.0-l-TDI-Dieselmotor entwickelt haben oder davon gewusst haben sollen.

Der VW-Aufsichtsrat hatte die Anwaltskanzlei Jones Day mit der Aufklärung des Diesel-Skandals beauftragt. Die Ermittler haben zahlreiche Unterlagen gefunden, die den Betrug belegen sollen. Ein zentrales Fundstück ist eine Mail aus dem Jahr 2007. Darin geht es um die strengen Abgaswerte in den USA. Ein Audi-Ingenieur soll unverblümt an einen größeren Kreis von Audi-Managern geschrieben haben: "Ganz ohne Bescheißen" werde man es nicht schaffen.

Im Zuge der Ermittlungen bei VW stieß Jones Day auf immer mehr Hinweise, wie stark Audi in den Betrug verwickelt war. So haben die Audi-Ingenieure offenbar nicht nur eine Betrugssoftware bei ihren eigenen Premium-3-Liter-Fahrzeugen eingesetzt. Sie sollen auch den Betrug bei VW maßgeblich begleitet und unterstützt haben. Audi gilt mittlerweile im Konzern als die "Mutter des Betrugs".

Bisher hatte Audi immer geleugnet, betrogen und bei seinen Motoren eine Betrugssoftware eingesetzt zu haben. Der Ingolstädter Autobauer hatte beteuert, bestimmte Spezifikationen der Motorsteuerung seien gegenüber den US-Behörden lediglich "nicht offengelegt worden". Diese Version lässt sich mit den Ermittlungen von Jones Day nur schwer in Übereinstimmung bringen.

Audi wollte seine bisherige Darstellung, man habe nicht betrogen, auf Anfrage von NDR, WDR und SZ nicht wiederholen. Auf die Frage, ob Audi bei der Darstellung bleibe, antwortete der Konzernsprecher, man unterliege einem Schweigegebot des US-Richters Charles Breyer.

Unter den beurlaubten Mitarbeitern ist auch der bisherige Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch. Er wird durch Zeugenaussagen und Mails belastet, wonach er von dem Betrug wusste. Nach den Erkenntnissen von Jones Day ist die Beweislage gegen ihn erdrückend. Knirsch bestreitet die Vorwürfe. Gegen den Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler hingegen lägen bislang keine konkreten Beweise vor.

Unklar ist derzeit, welche strafrechtlichen Konsequenzen die Audi-Mitarbeiter fürchten müssen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig teilte heute mit, sie prüfe Vorwürfe gegen Audi-Mitarbeiter. Bei der Staatsanwaltschaft in München gibt es bereits seit einem Jahr einen Prüfvorgang. In US-Akten werden etliche Audi-Mitarbeiter als belastet geführt.



Quelle: NDR


366 Wörter im Bericht.

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